Wahlkampf im Internet

In Ettlingen ist OB-Wahlkampf. Die Oberbürgermeisterin Büssemaker tritt aus diversen Gründen nicht mehr – einer davon ist sicherlich der, dass sie keine Unterstützung außer der der FDP in Ettlingen mehr erhalten wird. Die anderen beiden Parteien, die sie mit aufs Tagbleau gehoben haben, werden sie nicht erneut unterstützen.

Es kandidieren vier Männer für den Posten. Keine der im Gemeinderat vertretenen Parteien hat es geschafft, eine Frau für diese Bewerbung zu finden. Auch den Ettlinger Grünen ist dies nicht gelungen, es gibt darüber hinaus noch nicht einmal einen eigenständigen grünen Kandidaten.  Alle vier Männer erklären sich für unabhängig. Dabei ist einer – Steffen Neumeister – Ortsvorsteher in Schöllbronn und das für die CDU. Der andere – Heinz-Jürgen Deckers – hat schonmal für die FDP für den Landtag kandidiert. Der dritte – Johannes Arnold – wird angeblich von SPD-Urgestein Lorch beraten. Und der vierte – Matthias Wittber – ist Mitglied der freien Wähler Ettlingen – er dürfte sich wohl noch am ehesten als unabhängig bezeichnen können.

Aber darum geht es mir gar nicht. Ich habe mir die 4 Homepages der Kandidaten angeschaut. Und fühle mich in die 90er versetzt. Deckers Seite so miserabel, dass er sie auch hätte lassen können – trotz schlauer Auswahr des URL. Einzig die Seite von Johannes Arnold ist das, was man als einigermaßen up-to-date bezeichnen könnte. Von ihm gibt es auch als einzigem ein Facebookprofil – obwohl deutlich wird, dass dies nicht für Komunikation genutzt wird – sondern leider lediglich als weiterer Sendekanal. Twittern tut keiner, es gibt praktisch keine Podcasts, nichts, was die Informationen nicht nur ins Web tragen würde, oder gar einen Austausch über klassische Formen hinaus befördern würde. Gefällt mir gar nicht. Denn es ist eine verpasste Chance. So, in der jetzigen Form, sind die Auftritte verschenkt, sind insgesamt lieblos (von Arnolds einmal abgesehen, Deckers‘ Seite ist auch eher Nuller Jahre und die Auslösung…naja) und irgendwie: man macht es halt, aber was man so richtig damit bezweckt, wird nicht klar. Peinlich auch Neumeisters Auftritt, der zentral den Streit zwischen der bald Ex-OB und ihrem Bürgermeister in den Mittelpunkt stellt. Wenn das die zentrale Aussage ist: ich streite nicht so wie die – dann hätte er gar nicht antreten brauchen.

Am Ende ist: ein Flyer mehr, halt im Internet. Schade, das lässt nicht darauf hoffen, dass moderne Bürgerbeteiligungsformen auch den Weg ins Ettlinger Rathaus finden werden.

Update: Jürgen Deckers twittert seine Termine, Johannes Arnold twittert ebenfalls ein bißchen (und das sieht schon mehrnach Kommunikation aus), Steffen Neumeister muss man als Freund bei Facebook hinzufügen, wenn man an seine Infos kommen möch. Insgesamt bleibe ich bei meiner Einschätzung, zumal das alles ja nicht so leicht zu finden ist – also das Gegenteil von dem ist, was Social Media für einen Politiker sein sollte.

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9 Gedanken zu „Wahlkampf im Internet

  1. Sonja Rothweiler

    Typisch, dass die Grünen , die in Ettlingen doch so super aufgestellt sind außer für Landtags-und Bundestagswahlen weder eine Ettlinger Frau (die wurde bei anderen Wahlen schlichtweg ignoriert) noch einen geeigneten Juristen oder Ex-Bundeswehrsoldaten als Kandidatin oder Kandidaten aufweisen können.

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    1. Jörg Rupp Beitragsautor

      Hallo,
      danke für die Links. DAS ist ja interessant – wieso finde ich da nichts, wo es zu finden wäre: auf der jeweiligen Homepage? Das ist ja fast noch schlimmer. Selbstverständlich habe ich recherchiert. Und zwar so, wie ein unbedarfter Bürger recherchieren würde: ich habe die Kandidatenhomepages gesucht. Steffen Neumeister muss man als FreundIn bei FB hinzufügen, um überhaupt Inforamtionen zu bekommen – keine normale PolitkerInnenseite, die über ein einfaches „Gefällt mir“ hinzugefügt werden kann. Und Twitter als Terminverbreiter ist das Medium auch nicht korrekt benutzt. Das zeigt bei beiden: irgendwie ist das mit Social Media nicht so richtig angekommen.

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  2. Johannes Arnold

    Hallo Herr Rupp, danke für Ihren Beitrag und Ihre Meinung zu diesem Thema. Web 2.0 mit allen dazugehörigen Dingen halte ich für wichtig, besonders auch für einen OB im 21. Jahrhundert. Bzgl. Twitter haben Sie mich vermutlich nicht gefunden, aber schauen Sie bitte mal hier: johannes_arnold
    Was die Austauschplattform angeht, gebe ich Ihnen Recht – aber auch zu bedenken, dass auch wahlkämpfende OB-Kandidaten nur 24 Stunden Zeit am Tag haben und das zeitliche Pensum schon enorm ist. Da bleibt dann leider nicht mehr viel Zeit, um allem umfangreich gerecht zu werden. Daher möchte ich über Facebook mitteilen, was war und was neu ist und bin per Mail in einem regen Austausch zu vielen Detailfragen von Bürgerinnen und Bürgern.

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    1. Jörg Rupp Beitragsautor

      Hallo Herr Arnold, ich weiß wie schwer das ist, ich hab ja zwei Bundestagswahlkämpfe hinter mir, die nicht ganz so aufwendig wären, wenn man nicht noch 40 Stunden arbeiten müsste 🙂 Ich habe jedoch in den beiden Wahlkämpfen erlebt – und aktuell auch im Landtagswahlkampf immer wieder gehört, wie wichtig dieser Kanal für gerade die jüngeren BürgerInnen ist. Vielleicht finden Sie ja noch eine Möglichkeit, den Twitterlink auch auf Ihre Homepage zu packen. Ich hatte Sie gefunden – aber bewusst nur den „normalen“ Weg gewählt: über die Homepages. Und das ist dann schon insgesamt dramatisch……

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  3. Ralph Müller

    Hallo again,

    da haben Sie recht, da fehlt ein Hinweis. Allerdings würde ich persönlich das unterscheiden: Ich als junger Erwachsener habe parallel auch bei Facebook und Twitter gesucht.

    Bei Deckers gibt es unter der Kategorie Termine ganz unten einen Link zu Twitter. Nicht optimal aber vorhanden.

    Alles im allem haben Sie Recht, Standart Web 2.0 ist das nicht gerade aber immerhin ein Anfang.

    Viele Grüße,

    Ralph

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    1. Jörg Rupp Beitragsautor

      Ich merk grad , ich tu Herrn Deckers ein wenig unrecht: der erste Link, über den ich seine Seite erreicht habe, hat nur eine Unterseite ausgeworfen. Ich bin eigentlich sehr weberfahren, wenn mir das sogar auf den ersten Klick passiert – wie geht es jemandem, der das noch nicht so lange betreibt wie ich? Nein, Web 2.0 ist das noch nicht. Herr Deckers nutzt aber Twitter tatsächlich nur zur Terminverbreitung.

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  4. Ralph Müller

    Es passt nicht ganz zum Topic dieses Blogeintrags und ist wohl politisch auch nicht ihr Couleur, meine ebenso wenig, aber ich finde die Umsetzung der Seite der Jungen Union Ettlingen sehr vorbildlich im Hinblick auf Web 2.0

    http://www.ju-ettlingen.de/

    Ansonsten wollte ich noch loswerden, dass ich Ihren Blog interessant finde und wohl öfter mal vorbeischauen werde.

    Grüße,

    ralph

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    1. Jörg Rupp Beitragsautor

      Ja, da hat jemand zumindest Ahnung. Was mich vor alem geärgert hat, dass ich den Eindruck habe, das das (bis auf J. Arnolds Seite) sehr unprofessionell ist. Und das ist unschön. Die JU Seite ist okay. UNd danke für das Lob. Kriegt man ja auch nicht alle Tage.
      Ich persönlich muss mir bei bestimmten Dingen auch Hilfe suchen für dieses Blog. Und tue das auch.

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