Warnung vor dem Netz

Heute morgen in SWR1: IHK Karlsruhe und Verdi warnen Auszubildende davor, private Bilder bei Facebook, VZ etc. pp einzustellen. Frau Lang von der IHK bemühte auch gleich ein gern genommenes Beispiel: „Wollen Sie wirklich, dass Ihr Chef Bilder von Ihnen sieht, in denen Sie leicht bekleidet mit nem Bier an der Strandbar zu sehen sind?“ Denn jetzt, nach der Urlabuszeit, droht offensichtlich Gefahr für den Job oder das Renommée, wenn man in sozialen Netzwerken Bilder vom Urlaub einstellt, anstatt zum Diaabend einzuladen. Denn, die Personalverantwortlichen, die loggen sich mit Pseudonymen ein und checken so heimlich, was ihre Angestellten (oder BewerberInnen) so in ihrer Freizeit treiben.

2648544,238Begleitend hat der SWR eine Straßenumfrage gemacht. Klar, jede Antwort der an der Stimme als junge Menschen – männlich wie weiblich – identifizierbare Interviewte, stellt bedenkenlos Bilder vom Urlaub oder von Parties ins Netz. Und, das böse Netz vergisst nichts. Ausrufezeichen.

Diese Propagandamaschine ist sehr unehrlich. Ich persönlich finde zwar auch, dass es Bilder gibt, die man besser nicht ins Netz stellt. Aber dass man wie selbstverständlich davon ausgeht, dass Personalverantwortliche erstens sich die Zeit nehmen, andauernd hinter ihren Angestellten herzuspionieren, ist schon ne interessante Aussage einer Vertreterin der IHK. Woher hat sie wohl ihre Infos? Und dass man außerdem davon ausgeht, dass man in Personalabteilungen davon ausgeht, dass das Personal kein Privatleben hat, nun, das halte ich für schlicht ignorant. Außerdem habe ich auch schon gehört, dass, gibt es keine Infos in sozialen Netzwerken, man in manchen Personalabteilungen davon ausgeht, dass mit einem was nicht stimmt, vor allem, wenn man zur jüngeren Generation (also jünger als ich:-) gehört.

Mir scheinen diese Ratschläge schlicht von einer Haltung dem Internet gegenüber zu sprechen, die mit deutlichem Misstrauen und Unverständnis auf diejenigen herabblickt, die moderne Kommunikationsmittel nutzen, um mit FreundInnen und Bekannten Kontakt zu halten. Menschen, die einerseits mittels Handy, PC und Telefon (manchmal gelichzeitig) kommunizieren, tun das halt auf andere Art und Weise, als man das „früher“ getan hat. Die Mittel sind da und jeder nutzt sie nach eigenem Gutdünken. Dazu gehört auch das Teilen privater Informationen. Früher hat man halt in der Schule oder an anderen öffentlichen Plätzen über den Urlaub geredet und mit derselben Selbstverständlichkeit teilen Menschen eben Bilder von sich und ihren Erlebnissen. Mich erinnern diese ständigen Warnungen an die Warnungen vor Büchern oder Filmen oder dem Fernsehen.

Am Ende des Beitrags wurde es dann aber doch etwas heftig: mit derselben Frauenfeindlichkeit, mit denen früher Vergewaltungen an kurzen Röcken festgemacht wurden (selbst schuld!) und die Verantwortung für die Tat vom Täter aus das Opfer projeziert wurde, erzählte eine Frau von einer Freundin, die sexuell belästigt wurde. Nicht,w eil der Belästiger nicht in der Lage war, die Grenzen einzuhalten. Sondern weil die Freundin ein Bild, auf dem sie leicht bekleidet (im Bikini?) zu sehen war. Was man im Sommer in jedem öffentlichen Schwimmbad sieht. Leicht bekleidete Menschen. Und dahört für mich dann der Spaß auf. Sowas ist nicht nur frauenfeindlich, sondern zeugt von einer Prüderie, wie ich sie von Klischées übe die USA her kenne.

Wie gesagt, nicht jedes Bild muss ins Netz. Aber dieses gefährliche Netz – als hätte es vor dem Internetzeitalter keine sexualisierten Straftaten gegeben – das existiert doch in den Phantasien dieser Menschen, die solches propagieren. Und wenn ich auf dnem Fest mit Freunden feiere und mein Chef kommt vorbei – kann passieren – ja, was soll ich dann zukünftig tun, folgte ich den Thesen der Frau von der IHK? Zu Hause bleiben?

Be the first to like.

10 Gedanken zu „Warnung vor dem Netz

  1. Beate

    Zudem muss man auch unterscheiden, wer sich da bewirbt. Für eine Azubine sind solche Bilder eher „normal“, ich glaube nicht, dasss da Personaler groß nach suchen. Anders ist das bei Führungskräften. Ich kenne eine Personalberaterin, die regelmäßig mehrere soche Bewerbungen auf den Tisch bekommt, und dann entscheiden soll, wer in die engere Auswahl kommt. Da schaut sie schon mal in den einschlägigen Portalen nach, was dort die Leute so von sich preisgeben. Einen Chef, der im Minislip am Strand posiert, will wohl keine Firma haben.

    Antworten
    1. Greenhawker

      Und was soll an einem Chef im Minislip schlimm sein? Repräsentiert der Chef im Urlaub denn die Firma, oder ist er im URLAUB?

      Antworten
        1. Greenhawker

          Es tut mir Leid das so hart ausdrücken zu müssen, aber manchmal beschleicht mich das Gefühl, dass es weniger um Sexismus als um Neid geht.

          Antworten
  2. Lora Kammer

    Die IHK gibt zwar einen Kusr nach dem anderen zum Thema Web 2.0. Aber Interaktivität gibt es nicht auf den Seiten der IHK. Beispiel:
    http://www.sbh-online.de/
    Sogar bei Facebook unterbindet diese IHK jeden Kommentar:
    http://www.facebook.com/pages/IHK-Schwarzwald-Baar-Heuberg/122196941137205?ref=ts
    Im Web 2.0 kommt man eben mit Zwangsmitgliedschaft nicht weit …

    Apropos Frauenfeindlichekit: haben sie mal abgezählt wieviele Mitglieder in Vollversammlung (10% Wahlbeteiligung, Geheimhaltung der Stimmenzahlen), Präsidium, Geschäftsführung der IHK weiblich sind?

    Antworten
  3. TheK

    Ich halte diesen Wahn vor der bösen Personalabteilung, die sicherlich jeden privaten Fehltritt verfogt für schlicht gefährlich. Es gibt genug Leute, die aufgrund dieser Angst noch ganz andere Dinge unterlassen, als ihre Urlaubsfotos bei Facebook hochzuladen. Ich denke, diese Abteilung hat besseres zu tun, als den Mitarbeitern nachzuspionieren und wird sich im Regelfalle nicht einmal für die berühmt-berüchtigten „Absturzfotos“ interessieren. Bissl was anderes mag es bei Bewerbungen sein, da hier ja ein Eindruck von der Person gewonnen werden soll, aber mal ehrlich: Wenn man abgelehnt wird, weil man als Mitarbeiter dieser Firma keinen Urlaub haben darf, ist das kein Verlust, oder?

    Antworten

Kommentar verfassen