Warum Mindestlöhne notwendig sind

Täglich arbeite ich mit der Jobbörse der Arbeitsagentur.  Ich suche Stellen für meine TeilnehmerInnen, auf die sie sich bewerben können. Interessant sind dann natürlich gute Adressen. Aktuell suche ich beispielsweise für eine nach einer Krebserkrankung wiedergenesene Frau eine Stelle als Küchenhilfe in Teilzeit.

In der Jobbörse finde ich ein Stellenangebot des Ettlinger Hotels „Erbprinz“. Der „Erbprinz“ ist eine gute Adresse, hatte früher mal 3 Sterne und wenn man gerne mal richtig „fein“ essen gehen will, ist das ne gute Adresse. Wenn der FC Bayern München beim KSC spielt, übernachtet er dort in der Regel. Die Zimmerpreise beginnen bei 165 €.

Diese Hotel bietet eine Teilzeitstelle in der Küche an. Dort wird hochpreisiges Essen hergestellt – für den Preis eines Menüs geh ich da gut und gern einmal mit der ganzen Familie essen – Getränke inklusive. Dieses Hotel vergrößert sich gerade und baut seine Fläche innerstädtisch aus. Dieses Hotel hat die Frechheit, für diese Stelle einen Stundenlohn von 6,20 € anzubieten. Dazu fällt mir dann einfach nichts mehr ein, außer: ein gesetzlicher Mindestlohn muss her. Damit eine solche Ausbeutung aufhört. Natürlich gibt es noch andere, schlechter bezahlte Stellen. Eben. Deshalb muss es einen gesetzlichen Mindestlohn geben – für alle.

erbprinz

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8 Gedanken zu „Warum Mindestlöhne notwendig sind

  1. Andre

    Hallo,

    10 Wochenstunden, befristete Stelle, ggf. Übernahme – hier liegt der Knackpunkt. Sofern gute Arbeit geleistet wurde und die Person übernommen wird sieht der Verdienst sicherlich auch besser aus. Ich verdiene aktuell in meiner Ausbildung 3,50 brutto pro Stunde. Mindestlöhne? dann aber bitte für alle.

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    1. joerg

      selbst bei einer geringfügigen Beschäftigung oder in der Probezeit kann man ordentliches Geld bezahlen, vor allem in einem teueren Laden wie dem Erbprinz. Ausbildungslöhne sind natürlich was anderes. ABer selbst dort sollte Bezahlung angemessen sein.

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      1. Andre

        Sofern dieses Verhalten bei dem genannten Hotel nicht auffällig öfters passiert ist und hier nur mit einer möglichen Übernahme arbeitswillige Menschen geködert werden um schließlich abgezockt zu werden stimme ich Ihnen voll und ganz zu. Nur haben Sie hierfür weitergehende Beweise? Stellenausschreibungen aus der Vergangenheit? Verhältnis zwischen Vollangstellten und Teilzeitkräften inkl. der Bezahlung dieser Personen? Oder ist dies alles nur an den Haaren herbeigezogen und wird versucht das Ansehen dieses Betriebs zu schädigen um evt. Druck auszuüben?

        Sofern ihre Teilnehmerin den Job aufgenommen hat und später nicht übernommen wurde, die Stelle erneut ausgeschrieben wurde, und ihre Teilnehmerin nicht selbst für den Ausschluss verantwortlich war darf diese Diskussion gerne fortgeführt werden.

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        1. joerg

          Es geht ja nicht um meine Teilnehrmin hier, der ich diese schlecht bezahlte Stelle sicher nicht empfehlen würde. Es geht um genau dieses Stellenangebot,bei dem keine gerechte Bezahlung angeboten wird. UNd da das Unternehmen diese Zahl selbst veröffentlicht, hat es für sein eigenes Ansehen gesorgt. Ich finde, sowas muss man öffentlich machen, wenn man es weiß. Und in diesem Fall finde ich den Unterschied zwischen Außendarstellung (gutes Haus) zur Lohnzahlung auch eklatant.

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  2. Bernd Eckenfels

    Ich sehe solche Menschenverachtenden Löhne (besonders im geschilderten Beispiel) auch als problematisch an, bin mir aber nicht sicher ob jetzt gerade Minderstlöhne (z.b. 8eur?) die Lösung sind. Viel besser wäre es doch, wenn die Menschen die FReiheit haben auch mal nein zu sagen zu solchen Arbeitgebern. Problematisch dabei sind aber Arbeiter die nicht der Deutschen Sozialsicherung unterliegen oder generell die doch recht problematische Sozialsicherung (in einigen Bereichen).

    Ansonsten kann ich nur zustimmen, den geschilderten Fall müsste man näher betrachten um beurteilen zu können ob dort Systematisch ausgebeutet wird oder nicht.

    Gruss
    Bernd

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    1. joerg

      Ohne ein Grundeinkommen wird es diese Freiheit nicht geben. Wir schlagen ja schon lange vor, bei niedrigen Löhnen die Sozialversicherungsbeiträge dynamisch zu staffeln. An diesem Beispiel ärgert mich aber tatsächlich, dass bei den wenigen angebotenen Stunden die Mehrkosten für den Betrieb, würde er einen gerechten Lohn bezahlen, ja fast gar nicht ins Gewicht fallen und problemlos aufzufangen wären. Ob ein Menü jetzt 85 der 90 € kostet, macht ja fast keinen Unterschied mehr – vor allem nicht für die dort speisende Klientel.

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  3. Klaus W.

    Das sind, sorry für die Ausdrucksweise, Dreckschweine. 6,20 wären für einen Kellner, der ja noch Trinkgelder kassiert, in Ordnung, für eine Küchenhilfe ist es eine bodenlose Frechheit. Rechnet man mal hoch, würde eine Vollzeitkraft gerade mal 1050 Euro bekommen, brutto selbstverständlich. Das ist unglaublich.

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  4. Pingback: Blog GRÜN-(p)puR » Im Zeigefingerland

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