wozu auch Medienkompetenz?

http://www.publicdomainpictures.net/view-image.php?image=7932&picture=signsIch bin ein bisschen fassungslos – und das hat sich seit gestern abend, nachdem ich die Schlagzeile gelesen habe, nicht wirklich geändert:

Schulen dürfen Fanpages bei Facebook pflegen, Lehrer sollen soziale Netzwerke nicht dienstlich nutzen: Baden-Württemberg hat neue Regeln für das Internet im Unterricht erlassen – aus Datenschutzgründen.

Auch die Handreichung des Ministeriums für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg zum Einsatz von „Sozialen Netzwerken“ an Schulen macht es dann nicht besser – es verdeutlich, wie weltfremd diese Handreichung ist.

Ärgerlich ist, dass hier Binsenwahrheiten mit Notwendigkeiten vermischt werden. Es durften noch nie persönliche Daten weitergegeben werden und dass diese  lehrerseits nichts in sozialen Netzwerken zu suchen haben, ist eine Selbstverständlichkeit. Ärgerlich ist, dass mal wieder Realität aus den Schulen verbannt wird – und Labor deren Platz einimmt.

Es ist richtig, dass man nicht Facebook & Co. zum Kommunikationsstandard machen sollte. Aber ist es nicht so, dass soziale Netzwerke real zum normalen Kommunikationsverhalten der meisten Schüler_innen gehören?

Fett gedruckt in der Handreichung ist folgender Absatz:

Generell ist die Verarbeitung von personenbezogenen Daten im Rahmen der schulischen Arbeit auf Sozialen Netzwerken von Anbietern unzulässig, soweit deren Server außerhalb des europäischen Wirtschaftsraumes betrieben wer-den, es sich um US-Amerikanische Unternehmen handelt oder ein Zugriff von außerhalb des europäischen Wirtschaftsraumes möglich ist. Der Grund dafür ist, dass die dortigen Datenschutzstandards nicht mit deutschen und europäischen Datenschutzstandards in Einklang stehen. Ferner sind die AGBs bzw. Nutzungsbedingungen nicht mit dem deutschen Datenschutzrecht zu vereinbaren.

Der erste Satz bedeutet, dass personenbezogene Daten nicht auf Computern gespeichert werden dürfen, der einen Zugang zum Internet hat. Dies ist eigentlich richtig – damit macht man diese personenbezogenen Daten nicht zugreifbar von außen. Im Grunde genommen richtig – aber im Umkehrschluss bedeutet das das Ende der Kommunikation via Internet von Schule/Lehrer_innen und Schüler_innen. Es ist nicht mehr möglich, dass sich Schüler_innen per E-Mail vom Unterricht entschuldigen, es ist nicht mehr möglich, Adressbücher in E-Mail-Programmen anzulegen und zu nutzen. Denn in dem Moment, in dem ich E-Mails nutze, muss ich persönliche Daten benutzen und speichern, die auf ausländischen Servern verarbeitet werden. Man kann nur noch deutsche Office-Suites in der Schule verwenden, denn auch MS-Office (Outlook!), das ja in Schulen eingesetzt wird, ist auch ein „soziales Netzwerk“. Die Praxis, Klassenarbeiten/Hausaufgaben/Hausarbeiten per E-Mail auszugeben und ebenso wieder einzusammen und auf demselben Rechner dann einen Dokumentenvergleich durchzuführen, wie ihn viele Office-Suites anbieten und die Korrektur einfacher machen, ist mit dieser Anweisung beendet.

Die Kommunikation der Lehrer via sozialer Medien ist ebenfalls beendet, Lehrer_innen dürfen sich somit auch nicht mehr Eltern unverschlüselt austauschen.Hurra, zurück zur gelben Post.

Dies bedeutet konkret für Lehrkräfte und Schulen, dass jegliche dienstliche Kommunikation auf oder mittels Sozialen Netzwerken sowohl zwischen Lehrkräften und Schülern als auch der Lehrkräfte untereinander unzulässig ist. Darunter fällt die Mailkommunikation innerhalb von Sozialen Netzwerken ebenso wie Chats, aber auch der dienstliche Austausch personenbezogener Daten wie das Mitteilen von Noten, ferner das Einrichten von Arbeits- und Lerngruppen zum Austausch von verschiedensten Materialien, die Vereinbarung schulischer Termine und Informationen zu Erziehungs- und Ordnungsmaßnahmen. Für alle diese Zwecke gibt es bereits Kommunikationswege, wie beispielsweise der konventionelle Schriftverkehr oder die Nutzung von verschlüsselten E-Mails einschlägiger Anbieter.

Doch wollen wir in der Schule nicht Medienkompetenz vermitteln? Wie soll das eingentlich gehen? Ist es denn nicht so, dass wir am Beispiel am besten lernen? In der Enbindung realer sozialer Netzwerke in den Unterricht besteht die Möglichkeit, all die Fallstricke, die auftauchen können, an realen Gegebenheiten zu diskutieren – und nicht, wie ich befürchte, anhand eines Arbeitsblattes des EDV-Lehrers zu „Facebook und Co.“

Diese Handreichung ist der Ausdruck völligen Unverständnisses der Funktion sozialer Medien. Eine solche Handreichung übertragen auf die analoge Welt würde bedeuten, dass sich Schüler_innen und Lehrer_innen nicht unterhalten dürfen, wenn sie sich auf der Straße treffen. Schlimmer, die Lehrer_in muss die Straßenseite wechseln. Anstatt Schüler_innen beizubringen, wie man sich im „Internet“ bewegt und sie begleitet auf dem Weg dahin, verbietet man ihnen die Nutzung zur normalen Kommunikation. Und ganz weltfremd: nutzen Lehrer_innen oder Schüler_innen für ihren Telefonanschluss Voice-over-IP, dürfen sie nicht miteinander telefonieren. Das ist das, was diese Handreichung bedeutet. Denn die personenbezogenen Daten, die via Telefon ausgetauscht werden, werden ebenfalls auf ausländischen Servern verarbeitet.

Es wäre besser, Unterricht würde reales Handeln abbilden. Homepages via WordPress, Fanpages, Dropbox und andere Clouddienste zur Verteilung von Unterrichtsmaterialien, Bilder via tumblr oder einen anderen Bilderdienst, Diskussionen via Twitter oder g+,…Wie toll wäre die Einbindung von kranken Schüler_innen via Skype, bspw. bei Projekten…Es gibt keine deutschen Dienste, die das abbilden können, die den selbstverständlichen Umgang damit auf professionelle Art und Weise lehren könnten.  Ja, es gibt Moodle und die eine oder andere Plattform – aber sie sind meist umständlich und schwerer zu verstehen und haben mit dem intuitiv zu verstehenden Netzwerken nichts gemein. Es macht die Schüler_innen nicht bereit für die Nutzung dieser Medien im späteren Berufsleben. und auch wenn man sich das im Elfenbeintum Ministerium und Landtag nicht vorstellen kann: die Nutzung von E-Mail, sozialen Netzwerken, Clouddiensten, Videokonferenzen, WhatsApp uns so weiter und so fort, ist heute in Unternehmen gang und gäbe. Kundenbindung via Twitter und Co – normal und nicht mehr wegzudenken. (virales) Marketing, personalisierte Werbung, Reklamationsbearbeitung, Support, Hotlines, Verbesserungsdebatten, Bewertungen – all das ist Realität. Das Kultusministerium versucht unter dem Deckmantel des Datenschutzes hier zu verbieten, dass Schüler_innen, um zur Schule (also zum Lernen) zu kommen, die Straße zu benutzen. Das ist absurd.

Wie man hört, geht es aber „auch“ darum

Es geht vor allem darum, dass Lehrerinnen und Lehrer Plattformen wie Facebook zum Standard ihrer Kommunikation machen bzw. gemacht haben. Die Folge ist, dass Schülerinnen und Schüler, die an der notwendigen (!) schulischen Kommunikation (Hausaufgaben, Terminkoordination usw) teilhaben wollen, gezwungen sind sich bei Facebook einen Account zu besorgen.

Wenn ich sowas lese, dann verzweifle ich geradezu. Denn das bedeutet, dass der Lehrer_in, die das so gemacht hat, schlicht nicht medienkompetent ist. Ich würde den Lehrer_in mal fragen, wie sie ihren Beruf versteht und wie sie sonst gewährleistet, dass alle Schüler_innen eingebunden sind. Wie soll da Inklusion funktionieren? (A propos, Inklusion ist mit dieser Anweisung auch hinüber – wer sprachbehindert ist und Talker oder SMS benutzt, ist raus)

Die Antwort wäre medienkompetente Lehrer_innen zu bilden. Sie fortzubilden. (ob in den Ferien oder wann sonst, ist dabei ein Nebenkriegsschauplatz). Und dafür zu sorgen, dass sie moderne Medien be-nutzen lernen. Auch unter datenschutzrechtlichen Bedingungen. Aber die Schule ist kein Labor. Sie sollte unsere Kinder auf’s Leben vorbereiten. Das Kultusministerium hat hier in der Frage soziale Medien in der Realität versagt und agiert auf einer Ebene, die nichts, aber auch gar nichts damit zu tun hat, wie Schüler_innen heute kommunizieren. #epicfail

Was ich gerade bemerke: in der Debatte darüber fängt man schon wieder an, damit zu argumentieren, dass dann Facebook ja ausschließlich genutzt würde (Zitat: ich möchte auch nicht, dass der Unterrichtsmaterialien exklusiv per I-Phone-App ausgespielt werden.)…..das macht mich so wütend! Medienkompetenz bedeutet, die üblichen Wege zu nutzen UND Alternativen zu KENNEN und auch zu BEHERRSCHEN.

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21 Gedanken zu „wozu auch Medienkompetenz?

  1. Alex

    Ich stimme dir absolut zu. Ich bin auch vom Glauben abgefallen, als ich das gelesen hab. Den Satz „Dies bedeutet konkret für Lehrkräfte und Schulen, dass jegliche dienstliche Kommunikation auf oder mittels Sozialen Netzwerken sowohl zwischen Lehrkräften und Schülern als auch der Lehrkräfte untereinander unzulässig ist.“ halte ich für ausgemachten Quatsch, weil nicht bei jeder Kommunikation personenbezogene Daten, für die der Datenschutz gilt, involviert sind.

    Nebenbei: Da fehlt ein Satzteil bei „Denn die personenbezogenen Daten, die via Telefon ausgetauscht werden,“.

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  2. hardy

    lustig, da gibt’s einen blogger mit dem selben nachnamen wie ich 🙂

    aber: sorry, ich halte deinen blogeintrag für wortreiches gefasel, das von einem grundlegenden mißverständnis oder einer projektion lebt: der, daß lehrer nicht längst über ein rudimentäres technikverständnis verfügen oder dem, daß lehrer ihren schülern etwas beibringen sollten daß – wenn schon die vorige annahme zutrifft – besser die schüler ihren lehrern beibringen könnten.

    ich finde diese handreichung – weil ich nicht die tendenz habe, in einer hämisch dämlichen meute mitzurennen – absolut richtig:

    es gibt keinen grund, daß lehrer mit ihren kiddies über facebook kommunizieren. gar keinen. nicht nur datenchutzrechtliche, darüber zu kichern ist albern.

    mein mir anvertrautes weib, fast so lange internet-„affin“ wie ich (1992 ff) richtet mit ihren kiddies (sie ist erzieherin und unterrichtet auch in computerdingen) einen privaten blog ein, den nur diese gruppe einsehen kann. facebook können die schon von selbst udn so einen mist zu bedienen ist keine frage von „kompetenz“ – es ist mitrennen bei einer modeerscheinung.

    danach jedenfalls wissen die kiddies, wie man das _selbstständig_ macht. ihr plädiert dafür, daß die kiddies es sich nur so bequem machen wie alle anderen dösbaddel auch … also abhängig von einem anbieter, dem es nur die knete geht.

    ich bin nicht bei facebook und ich weiss genau, warum das so ist. ich könnte jetzt (post prism) sagen, ich hätte es ja „schon immer gesagt“, aber das ist mir zu billig:

    jeder von euch könnte wissen oder verstehen, warum facebook eine katastrophe für das _vielfältige_ internet ist … daß jeder dummbeutelpolizist, geheimdienstler, spanner sich in diesem netz herumtreibt und sein geschäft macht … eine abkehr vom multipolaren, individuumgetriebenen netz hin zu einer monopolaren kommerzscheisse bequemer faultiere ist.

    statt dessen nehmt ihr hier die pose des besserwisserischen schnösels ein, der so dämlich ist, für diese gierbacke reklame zu machen?????

    also lieber namensvetter, der konstantin zurawski, dem du die arbeit da oben nicht erleichtert hast (danke! der soll wenigstens was arbeiten für sein gehalt) findet deinen beitrag in der neuen webschau des drw ja ganz knorke …

    ich finde, konstantin ist ein bißchen zu selbstverliebt und zu faul zum denken: es dient niemandem, wenn lehrer und schüler es sich so bequem machen wie er und sich in das gemachte facebook bett legen.

    sie sollen, so verstehe ich deinen _eigentlichen_ gedanken, medien-kompetent werden.

    da ist es besser, der lehrer regt die kiddies zum kreativem umgang mit dem netz an, sprich: zb privater blog oder – zur not – facebook selbst schreiben … eben etwas _eigenes_ machen statt nur etwas bedienen zu können.

    euer unverständnis rührt nur daher, daß ihr etwas gegebenes als eben gegeben nehmt und euch weigert, die alternativen zu sehen oder sie eben selbst zu erfinden.

    und euer problem besteht auch darin, die anderen für doofer als euch selbst zu halten.

    sind sie nicht.

    so, und verrat dem konstantin bloß nicht die quelle des zitats, der soll einfach mal googeln 😉 soooo viel medienkompetenz sollte er schon haben …

    grüße wohin auch immer. sollte es das saarland sein … hmmm … sind wir wahrscheinlich irgendwie verwandt …

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      1. hardy

        geschimpft habe ich ja eher mit den jungs beim drw und im grunde eher über den abfälligen ton. man muss die kids nicht zu dummem verhalten oder bequemlichkeit ermuntern, wenn man bei ihnen kompetenz erzeugen will, um zu beweisen, daß man selbst welche hat. wenn ein lehrer seine kids zu facebook ermuntert, tut er das wahrscheinlich eher, weil er selbst inkomptent ist und beweisen will, daß er es nicht ist.

        zu blöd, daß die kids dann mehr ahnung von der materie haben, weil sie das im freundeskreis lernen und genau blicken, daß der lehrer nicht wirklich weiss, wovon er wiederum redet. die verstehen das eher als dämliche anbiederung.

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  3. hardy

    kleines ps: ich habe gestern die „todsünden“-reihe von achim killer beim dlf noch mal explizit bei mir verlinkt. die todsünde über die wir hier reden ist die „bequemlichkeit“.

    und – ich sehe – karlsruhe. na gut, nur ganz entfernt verwandt, aber … auch grün 😉

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  4. michel

    @hardy (auch ein Rupp, ein völlig anderer) sagt: 25. Juli 2013 um 04:52:
    „sorry, ich halte deinen blogeintrag für wortreiches gefasel, das von einem grundlegenden mißverständnis oder einer projektion lebt,
    ich finde diese handreichung – weil ich nicht die tendenz habe, in einer hämisch dämlichen meute mitzurennen – absolut richtig:
    es gibt keinen grund, daß lehrer mit ihren kiddies über facebook kommunizieren. gar keinen.
    facebook können die schon von selbst udn so einen mist zu bedienen ist keine frage von “kompetenz” – es ist mitrennen bei einer modeerscheinung.“

    Rennst du, Jörg rupp, auch gerade und wieder genau so mit, nun mit dieser Modeerscheinung, weil du sie etwa selber dazu auch noch für Kompetenz hältst?
    Kannst du dir diese Entgleisungen nicht ersparen und Dich und GRÜN davor bewahren?

    Auch deine Antwort enttäuscht schon wieder:
    „Ich bin immer froh über konstruktive Kritik“ –
    Das war keine „konstruktive“ sondern eine sachlich voll treffende entblößende Kritik, und wie wir das alle kennen bei dir, ist das etwas, worüber du gerade noch nie „froh“ gewesen bist.
    Schon wieder – wie sagt doch das dein namensgleicher Kommentator hardy: „wortreiches gefasel“
    und
    „euer unverständnis rührt nur daher, daß ihr etwas gegebenes als eben gegeben nehmt und euch weigert, die alternativen zu sehen oder sie eben selbst zu erfinden.“

    So ist das wohl zu sehen.

    Wir danken dir, Jörg Rupp, für den erneuten (offensichtlich wiedeer vergeblichen) Versuch einer „allgemeine Verunsicherung“ grüner Politik, oder sollte das etwa schon „piratesk“ sein?
    @hardy hat schlicht recht, und: er weiß – deutlich erkennbar – wovon er redet.

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    1. Jörg Rupp Beitragsautor

      Es geht nicht alleine um Facebook, sondern um die Nutzung von Sozialen Medien. Und zwischen „bedienen können“ und „wissen, was da passiert“ ist noch ein himelweiter Unterschied. Und niemand sagt, dass Lehrer auschließlich über Facebook mit ihren Schüler_innen kommunizieren sollen – das findet sich in meinem Text nirgends.

      und hardy sagt ja schlicht gar nichts. Insofern bleib ich – auch angesichts Deines konstruktiven, sachlichen Tons ganz ironisch bei: ich bin immer froh über kontruktive Kritik“.

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      1. hardy

        [..] und hardy sagt ja schlicht nichts

        naja, jörg, die welt ist nun mal so konstruiert, daß man eben nur versteht, was man eben verstehen kann, und nur sehen, was man zu sehen gelernt hat. wie gesagt, ich mache diesen kram seit 2 jahrzehnten, ich weiss, wie er gedacht ist und verstehe, was daraus wird, wenn plötzlich alle in eine richtung laufen.

        ein grünen-anhänger, der in der meute mitrennt (ich wähle grün, seit man das kann …), würde ich jetzt auch nicht unbedingt als leuchtendes beispiel verstehen für das, wofür für mich „grün“ steht. grüne sollten nicht für facebook plädieren sondern die alternativen aufzeigen und sie fördern – als so etwas dezentrales wie „diaspora“ zb. wo man immer herr seiner eigenen daten bleibt.

        so wortreich dein beitrag ist: zu kurz gedacht …

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        1. Jörg Rupp Beitragsautor

          ich mach diesen „Kram“ ebenfalls seit gut 2 Jahrzehnten, hab ne IT-Ausbildung mit Schwerpunkt im Großkommunikationsbereich. Nochmal, es geht nicht alleine um FB. Es ist nicht Aufgabe der Politik, für ein Produkt Werbung zu machen. Wir haben sehr aktiv speziell zu den Datenschutzlücken im Bereich sozialer Medien hingewiesen.

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    2. Alex

      „Wir danken dir, Jörg Rupp, für den erneuten (offensichtlich wiedeer vergeblichen) Versuch einer “allgemeine Verunsicherung” grüner Politik,“

      Ich sage dir mal, wie diese grüne Politik mir als Ex-Mitglied mittlerweile vorkommt: als unkonstruktive Verbieteritis, wie sie bei Grün immer wieder kritisiert wird. Mittlerweile finde ich: zu Recht. Anstatt sich konstruktiv mit einem Thema auseinanderzusetzen, die Chancen zu nutzen, Medienkompetenz zu fördern und die Probleme konstruktiv anzugehen, wird einfach pauschal verboten. In diesem Fall ist das schlicht weltfremd. Und ich weiß jetzt wieder, warum ich ausgetreten bin.

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      1. hardy

        alex,

        falls du das nicht verstanden hast: verbieteritis ist kein „grünes“ phänomen, weil, naja, die grünen gab’s noch nicht, als die amis den schnapps verboten haben zb. das ist ein menschliches, über alle parteien verstreutes ding, bei dem menschen seit angedenken anderen menschen irgendwas vermiesen wollen. die piraten, falls du da gelandet sein solltest, werden in 30 jahren genau so hirnis und miesmacher haben.

        und, vielleicht das alter: ich erinnere mich an zeiten, wo im grunde alles verboten war, was nicht „norm“ war. an dieem zustand haben gerade die grünen eine menge geändert. hier FDP propaganda abzusondern ist für mich kein ausweis von überblick …

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        1. Alex

          hard, ich sondere keine FDP-Propaganda ab, ich denke selbstständig und gebe meinen Eindruck von der Partei wieder, für die ich mich bis Jahresanfang engagiert habe. Glaub mir, in den Jahren hatte ich genug Zeit, mir selbst ein Bild zu machen. Und das sah halt am Ende so aus, dass ich den Eindruck hatte, dass man sich einen liberalen Anstrich gegeben hat, dass aber der Lack so immer mehr ab ist. Für diese bittere Erkenntnis hab ich keine ebenfalls pseudoliberale FDP gebraucht. Ich bin parteilos und werde es auch vorerst bleiben, weil ich den Luxus genieße, selbst zu denken und keiner Parteilinie folgen zu müssen.

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          1. hardy

            alex, ich hab‘ mal als mitglied der JU wahlkampf für barzel gegen brandt gemacht. dann war ich mitglied bei der FDP, weil die an der saar mit der spd die cdu stürzen wollte, aber nach dem paat dann mit der CDU ins bett stieg und ihren innenminister den atomkritiker traube abhören liess.

            seitdem bin ich auch parteilos 😉

            aber: diese geschichte, daß die grünen alles verbieten wollen, das ist tatsächlich die pure FDP propaganda. ich weiss selbst, wie das ist, in einem verein oder einer partei, da sind leute, die wollen einen posten, ganz einfache sache, die könnten auch woanders mitglied sein.

            verbieteritis ist kein grünes monopol, das ist eher der tatsache geschuldet, daß eine menge menschen den grünen beigetreten sind, weil die plötzlich erfolg hatten und jeder sich ausrechnete, er könne jetzt was werden. einfache sache das, nichts, was ich DEN grünen vorwerfen könnte. sie sind die stimme meiner generation und ich kann damit leben, daß die „anderen“ sich freggd ärgern, daß _wir_ dieses land verändert haben.

            was man, wenn man zu jung ist, den zustand vorher zu kennen, wahrscheinlich nicht weiss. aber, sagt der zeitzeuge, so ist das: die revolution hat stattgefunden, es hat bloß keiner gemerkt, weil wir es einfach mal mit evolution probiert haben …

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    3. hardy

      danke für die blumen. ich habe mich jetzt mal kurz hier umgeguckt und bin bei dem artikel, in dem jörg seine zweifel an snowdens seriosität artikuliert, ausgestiegen. es gibt anregendere orte 😉

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  5. michel

    @Alex
    Einmal grün – immer grün, oder : Niemals grün gewesen.
    Deine Sache.
    Aber sich als „ehemaliger Grüner“ zu präsentieren und dann offenbar ernsthaft facebook-Bedienung als Medienkompetenz zu verschleiern ist eine nachträgliche Beleidigung für grüne Intelligenz.
    Sicher weißt du, wie Medien geschrieben wird, wüßtest du auch, was das alles ist, würdest du dich weder in Sachen Medien noch in Sachen Kompetenz mit facebook begnügen, weil das etwa ist, wie die Schöpfkelle des Schiffskochs bereits verliebt als schöpferische Handlung zu betrachten.
    Fehlt nur noch, daß du Zahlenlotto und Landeslotterie als kompetente Medien anpreist.
    Eine Massentränke für kontaktbeschränkte Individuen wie facebook mit Maximalprofit für den Tränker und Dauerbeule für Getränkte bleibt bestenfalls ein Streichelzoo für seelisch verarmte Jugendliche mit gelegentlich giftigen Pilzen, aber kein Medium, das Kompetenz erfordert, erbringt oder entwickelt oder auch nur im Geringsten seine Nutzer an modernes Leben heranführt, im Gegenteil: facebook gaukelt Freundschaft, Offenheit und Weite sowie Weilläufigkeit vor, indem es die sparsam gesäten echten Interessen behindert und zum Verkümmern führt, und das nicht mal ohne Absicht.
    Eventuell denkt Alex mal über Solches nach, bevor er sich erneut als Wassersuppe schöpfender Schiffskoch betätigt.
    facebook ist nichts anderes als „Glücksrad“ für Ahnungslose, falls Alex diese „vomediale“ Massen-Glücks-bude kennen gelernt haben sollte.
    Das ist kein Kram für pädagogische Arbeit.

    Antworten
    1. Alex

      „Einmal grün – immer grün, oder : Niemals grün gewesen.
      Deine Sache.“

      Das zeigt dann doch, wie tief verwurzelt die Denke bei manchen Grünen mittlerweile ist, Grün sei eine Heilslehre, eine Religion und keine – und das ist wichtig: sich wandelnde – politische Haltung, die man dauerhaft oder auch nur eine Zeit lang ganz oder auch nur in Teilen teilen kann oder nicht. Denn nur Sekten und Religionen argumentieren mit diesem „immer oder nie“. Erschreckend. Wirklich erschreckend.

      „Aber sich als “ehemaliger Grüner” zu präsentieren und dann offenbar ernsthaft facebook-Bedienung als Medienkompetenz zu verschleiern ist eine nachträgliche Beleidigung für grüne Intelligenz.
      Sicher weißt du, wie Medien geschrieben wird, wüßtest du auch, was das alles ist, würdest du dich weder in Sachen Medien noch in Sachen Kompetenz mit facebook begnügen, weil das etwa ist, wie die Schöpfkelle des Schiffskochs bereits verliebt als schöpferische Handlung zu betrachten.“

      Das grenzt schon an Rufschädigung. Ich habe schon Ende der 90er Jahre, als die meisten hier das Wort Internet allenfalls als irgendwas Brandneues und Exotisches entfernt irgendwo mal gelesen oder gehört haben, zu Kommunikation in frühen sozialen Netzwerken – die gab es nämlich auch schon vor Facebook und co, nur nannte man sie nicht so – geforscht. Mir Inkompetenz in punkto Medien zu unterstellen, ist hanebüchen.

      Selbstverständlich ist es ein Teil von Medienkompetenz, bewusst mit sozialen Netzwerken umzugehen. Soziale Netzwerke gehören nicht erst seit Facebook zur Lebenswirklichkeit vieler Menschen.

      „Eine Massentränke für kontaktbeschränkte Individuen wie facebook mit Maximalprofit für den Tränker und Dauerbeule für Getränkte bleibt bestenfalls ein Streichelzoo für seelisch verarmte Jugendliche mit gelegentlich giftigen Pilzen, aber kein Medium, das Kompetenz erfordert,“

      Ja, deswegen nutzen auch eine Milliarde Menschen Facebook. Alles kontaktbeschränkte Individuen und seelisch veramte Jugendliche. Klar, deshalb verwenden Selbstständige und Unternehmen Facebook als Kommunikations-Tool, deswegen werden auf Facebook erfolgreich politische Kampagnen beworben. Deswegen gab es eine erfolgreiche Flutopferhilfe via Facebook. Ich könnte die Liste unendlich fortsetzen. Aber Facebook ist ja nur was für kontaktbeschränkte Individuen und seelich verarmte Jugendliche. Ja, nee, is klar! *facepalm*

      Dieser Schwachsinn von den kontaktbeschränkten Individuen und seelisch verarmten Jugendlichen wurde in den 1990ern auch schon von Chatsystemen wie dem IRC behauptet. Und wir konnten ihn schon in den 1990ern wissenschaftlich widerlegen, genauso wie den Unsinn „im Gegenteil: facebook gaukelt Freundschaft, Offenheit und Weite sowie Weilläufigkeit vor, indem es die sparsam gesäten echten Interessen behindert und zum Verkümmern führt, und das nicht mal ohne Absicht.“. Wenn man sich hier schon als Medienwissenschaftler aufspielt, sollte man wissen, dass die Annahme, Kommunikation im Netz gehe zu Lasten von Offline-Kommunikation und -Interessen, ebenfalls seit den 1990ern widerlegt ist. Menschen, die online kommunizieren, haben auch offline MEHR Kontakte als Menschen, die das nicht tun! Auch das konnten wir eindeutig nachweisen.
      Kleiner Tipp am Rande: Du solltest einem Psychologen nicht mit Küchenpsychologie kommen. Der versalzt dir kräftig die Suppe.

      „Eventuell denkt Alex mal über Solches nach, bevor er sich erneut als Wassersuppe schöpfender Schiffskoch betätigt.“

      Der Alex hat wie gesagt schon seit den 1990ern über solche Fragen nicht nur nachgedacht, sondern geforscht und belastbare Ergebnisse geliefert, die diesen Unsinn als solchen entlarven. Und der Alex wurde mehr als einmal mit einem solchen Unsinn seitens technikfeindlicher grüner Sektierer konfrontiert. Ich glaube, diesbezüglich ist die Partei nicht mehr zu retten.

      „Das ist kein Kram für pädagogische Arbeit.“

      Und diese Aussage ist grob fahrlässiger und gefährlicher grober Unfug. Denn Jugendliche nutzen soziale Netzwerke nun mal. Was will man denn stattdessen tun, wenn man ihnen nicht in pädagogischer Arbeit einen bewussten und verantwortungsvollen Umgang damit beibringen will? Verbieten? 😉

      Antworten
  6. michel

    @hardy sagt:25. Juli 2013 um 20:59
    „ich habe mich jetzt mal kurz hier umgeguckt und bin bei dem artikel, in dem jörg seine zweifel an snowdens seriosität artikuliert, ausgestiegen. es gibt anregendere orte“
    Genau!
    Der Blogger Jörg, bei den Grünen nicht respektiert für ein Amt, schreibt sich gerade mit seiner Snowden-Dilletanterie wohl auch in eine neue Parteikarrierre rein, nur in welche?
    Was er seit einiger Zeit macht, sieht aus, wie verzweifelte Auftragsschreiberei, nur für wen?
    Keiner kann das brauchen.
    Folge dem hardy:
    „es gibt anregendere orte“

    Antworten
    1. hardy

      [..] folge dem hardy

      siehst du, so einer der gründe, warum ich nicht bei so einem quatsch wie FB mitmache: mich gruselt es bei der vorstellung, daß mir jemand „folgen“ möchte 😉

      Antworten
  7. hardy

    @alex,

    deine suada war zwar jetzt nicht an mich gerichtet, aber ich streue mal ein bißchen salz in die wunde: ich habe hier definitiv „den längeren“ – meine c$s nummer endete auf .256.

    als du ende der 90er eingestiegen bist, war ich schon längst wieder „draussen“ aus dem öffentlichen palaver, weil mir da einiges aus der eigenen erfahrung und einsicht heraus „klar“ war – und ich einfach den spaß an diesem spiel verloren hatte.

    wenn ich heute von leuten lese, daß sie facebook nutzen, denke ich im grunde zuerst immer, daß jemand denen erzählt hat, daß man ja ohne account irgendwie technophob oder veraltet ist. hat doch heute jeder, so was. wie ein handy, zb. – ich besitze auch kein handy …

    das spiel als solches ist ja immer noch das selbe, es wird halt jeden tag ein neuer geboren, der es mitspielen will: man ist ja soooo unendlich wichtig, wenn man eine gewisse anzahl von „freunden“ hat, „followern“, die auf einen „abonniert“ sind.

    aus meiner sicht: pupefax. vergebliche liebesmüh. vor allem, wenn man eigentlich nicht wirklich was mitzuteilen hat und sich nur „abreagiert“ wie du in deiner reply auf michel.

    wenn ich – ich bin programmierer seit 1984 – einen kunden berate, dann rate ich ihm von facebook ab und zu einer eigenen internetpräsenz, die er unter seiner eigenen kontrolle hat. facebook ist nämlich gleichbedeutend mit kontrollverlust, und wer etwas anderes behauptet, der hat – aus meiner sicht – schlicht keine ahnung und kann sich nichts „vorstellen“ oder „nach vorne denken“.

    wenn du schon so lange „dabei“ bist, dann sollte dir klar sein, daß facebook längst für junge menschen die attraktivität verloren hat, die es mal hatte, weil … naja, die wissen, daß sich jetzt da ihre alten rumtummeln und facebook uncool ist. die machen dann was in tumblr und wenn die alten das auch entdeckt haben, ziehen sie weiter … was soll mein kunde machen? … auch weiterziehen???

    deshalb sage ich ihm, mach was, was bestand hat und dir gehört, wo keiner von aussen bestimmt, wie du das handhabst oder unverdientermaßen mitverdient.

    diese ganze facebook-verteidige ist – aus meiner inkompetenten sicht – nur der versuch, eine dummheit zu rechtfertigen. so was wie ein tatoo, das man sich mal hat stechen lassen, als tatoos noch cool waren odr das spalten der eigenen zunge, als das mal in mode kam usw usf.

    das jenseits meiner grundsätzlichen kritik, daß facebook eine abkehr von einem multipolaren netz hin zu dieser kaufland mentalität ist, in der jeder sein geschäft – und sei es nur das sammeln von anerkennung oder „bedeutung“ – betreibt.

    aber das erzähle ich jemandem, der seine meinungen der zeit anpasst. ich bin da eher konservativ, überzeugungen sind nun mal keine unterwäsche, die mal regelmäßig wechselt, der „mitspielen“ will und die große bühne sucht.

    ich lese deine beiträge ja an allen möglichen stellen und konnte bis jetzt eigentlich selten einen „eigenen“ auch mal dem mainstream querliegenden gedanken entdecken. das ist alles so ein bißchen „heimatlos“, ohne den mut, sich einfach auch mal „lächerlich“ zu machen oder quer zu stellen, weil man etwas denkt, was andere erst in 10 jahren verstehen werden.

    das nur, weil ich gerade mit der arbeit (4 wochen tv programm für eine _echte_ freundin aus c$s tagen) fertig geworden bin und als famous last words an dieser stelle:

    deine einwürfe hier erscheinen mir nicht sonderlich „kompetent“. du langweilst dich halt und redest dir dein eigenes verhalten schön.

    Antworten
    1. Alex

      @hardy

      „wenn ich – ich bin programmierer seit 1984 – einen kunden berate, dann rate ich ihm von facebook ab und zu einer eigenen internetpräsenz, die er unter seiner eigenen kontrolle hat.“

      Dann ist der Kunde unter Umständen schlecht beraten. Dieses Entweder-Oder ist falsch. Eine eigene Internetpräsenz muss sein, ja. Das heißt aber nicht, dass man die Vernetzung mit Social Media lassen sollte. Das wird der Kunde auch merken, wenn er es doch mal tut und merkt, was er da für ein Potenzial verschenkt hat.

      „facebook ist nämlich gleichbedeutend mit kontrollverlust, und wer etwas anderes behauptet, der hat – aus meiner sicht – schlicht keine ahnung und kann sich nichts “vorstellen” oder “nach vorne denken”.“

      Sicher ist das ein Kontrollverlust, wenn man sich NUR darauf verlässt. Aber dazu rät ja auch niemand, der halbwegs bei Trost ist. Wer allerdings strikt von Social Media im geschäftlichen Umfeld abrät, zeigt, dass er deren Bedeutung im Business-Bereich nicht verstanden hat. Beide Entweder-Oder sind falsch. Ich kenne Einzelunternehmer, die heute ohne die Nutzung von Social Media nicht mehr am Markt wären. Eine eigene Website ohne jegliche Vernetzung und die Hoffnung, dass sich da mal jemand über Google drauf verirrt, reicht heute einfach in vielen Bereichen, in denen Unternehmer ihre Kunden online akquirieren, nicht mehr. Äh, nein, sorry, geht ja auch nicht! Google ist ja auch so ein böser Drittanbieter! Wenn du konsequent wärst, würdest du deinen Kunden also auch von der eigenen Website abraten, weil man dazu ja auch wieder die bösen Datenkraken braucht, um sie bekannt zu machen.

      Du behauptest, du würdest mich an allen möglichen Stellen lesen. Dann wundert mich deine Einschätzung, denn ich habe schon an allen möglichen Stellen immer wieder gegen den Mainstream gebetsmühlenartig dargelegt, teilweise sehr ausführlich, dass man sich nicht auf Drittanbieter verlassen sollte. Ich plädiere seit Jahren dafür, eigene Mailadressen unter der eigenen Domain zu fahren un Mails zu verschlüsseln, eine eigene Website als die Grundlage des eigenen Auftritts zu betreiben und Social Media lediglich als Zusatzangebote zu nutzen, eigene Clouds zu betreiben usw. usf. Ja, das ist fürchterlich mainstreamig, der Zeit angepasst und inkompetent, ich weiß. 😉 Merkst du eigentlich noch, WIE lächerlich du dich hier machst?

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