Zwischen den Jahren

Zeit zum Rückblick, Zeit zum Ausblick. Fernsehen, Zeitungen und Blogs überschlagen sich mit dem jeweils eigenen Jahresrückblick. Eigentlich fehlt dann am Ende der Dekade nur noch „das Beste aus aus das Beste“…

Rückblick kann ich auch. Aber nicht auf 10 Jahre aktive grüne Politik, keine Angst. Obwohl es wichtig ist, die Entwicklungen im Auge zu haben, ist es mir doch in erster Linie wichtig, voran zu blicken. Und trotzdem will ich anhand einer eher unpolitischen Nachricht deutlich machen, was in meinen Augen schief läuft.

Da ist zunächst einmal die Rückkehr von Michael Schuhmacher in die Formel 1. Das ruft dieses unsinnige Spektakel wieder deutlich mehr ins öffentliche Bewusstsein. Und für mich ist dieses Comeback ein Bild, in welch unvorstellbarem Maße noch so weite Wege zu gehen sind, wie dick die Bretter zu bohren sind.

Ein Formel1-Bolide verbraucht ca. 80-100 Liter Treibstoff auf 100km. Das ist umweltpolitisch ungeheuerlich. Hinzu kommen die Großveranstaltungen, zu denen viele tausend Zuschauer kommen. Natürlich (eben nicht!) mit dem Auto. Kurz nach dem Scheitern Kopenhagen ein deutliches Zeichen dafür, dass die Autoindustrie immer noch nicht erkannt hat, was notwendig wäre, ihren Anteil an der weltweiten Klimaerwärmung zurückzufahren.Dieser Aspekt wird in der aktuellen Berichterstattung gar nicht erwähnt. Aber wenn die Presse (und die Fans) angesichts dieser Nachricht vor Freude taumelt, muss man sich nicht wundern, wenn die Politik immer noch keinen großen Handlungsbedarf sieht.

Michael Schuhmacher ist ein berühmter Steuerflüchtling. Er ist kein „Kerpener“, sondern ein Schweizer. Seine Millionen, die er bei Mercedes und durch Sponsorverträge verdient, versteuert er in der Schweiz. Wie bei so manch anderem Promi interessiert das in der Berichterstattung über ihn allerhöchstens immer nur am Rande. (Interessant: in Diskussionen darüber sagen Fans: das würdest Du nicht anders machen. Doch, würde ich. Und es tun ja auch viele andere.) Ich bin sicher, in der Presse, allen voran in der Bild, wird als Deutscher in einem deutschen Auto verkauft werden.

Mercedes Benz, das ist der Laden, der gerade aus einer sehr langen Kurzarbeitszeit wankt und auf dessen breiten Einstieg in die Hybrid (mindestens) bzw. Elektroautoproduktion wir weiter warten, investiert massiv weiter in den klassischen Verbrennungsmotor. Anstatt tatsächlich Arbeitsplätze in der Automobilindustrie am hiesigen Standort zu sichern, gibt es weiterhin zig Millionen für einen Rennzirkus aus, der klimaschädlichen Verkehr geradezu zementiert. Diese Gelder in die Entwicklung zukunftsfähiger Antriebe wäre verantwortungsvolle Firmenpolitik. Will aber Daimler offensichtlich nicht. Und wäre für mich daher als Gesprächspartner erstmal erledigt. Aber ich bin ja nicht in der Regierung, weder in der einen noch der anderen.

Darüber hinaus steht dieser ganze Formel 1-Unsinn natürlich auch für einen Umgang mit Frauen, wie er absolut unerträglich ist.

Ja, auch wenn es manchem die Augen verdreht: das Private ist politisch. Natürlich ist das der vielzitierte erhobene Zeigefinger, den ich hier hebe. Aber es ist meines Erachtens einfach notwendig, das auch mal zu thematisieren. Bevor hier nächstes Jahr unkritisch das schwarz-rot-goldene Fahnenmeer mit Mercedesstern über die Welt schwappt.

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6 Gedanken zu „Zwischen den Jahren

  1. Tanja

    Das ist wieder mal ein richtig guter Blogeintrag 🙂
    kann mich dir auch nur anschliessen…. und hab auch nix zu merkern ^^

    nur eine Frage: das mit dem Frauenbild, bedarf bei mir als eine die den Blödsinn nicht anguckt (auch und vor allem weil mir das einfach zu fad ist) noch mal einer kurzen Erklärung… haben die da tatsächlich irgendwelche Mädel rumhüpfen? O.o

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  2. Hartmut Rieg

    @Tanja: Google mal nach „F1 Girls“. Das gibt einen guten Überblick. Es muss einen psychoanalytisch erfassbaren Zusammenhang zwischen Autoreifen und hohen Absätzen geben :-))
    Viel schlimmer finde ich, wie die Politik sich unter Druck der Lobby setzen lässt und unter dem Vorwand der Arbeitsplatz- und Infrastrukturförderung Millionen in diesen Unfug steckt, Ob das Kommunen oder Landesregierungen sind, in Hockenheim, in der Lausitz oder am Nürburgring könnte man das Geld seit vielen Jahren genausogut gleich im Ofen verbrennen.
    Die ganze Formel 1 Gesellschaft wird noch mal an sich selbst ersticken, allerdings in manchen Ländern etwas später..

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  3. Hans

    Formel1. das ist unglabublicher Schwachsinn und tatsächlich reines Medien- und Werbespektakel.

    In der Wüste eine Rennstrecke unter immensem Energieaufwand hinstellen, die dort angelegten Grünanlagen (! Rasenflächen in der Wüste !) mit teuerem Wasser aus Meerwassergewinungsanlagen wässern.

    Steuerflüchtlinge als Deutsche Helden feiern.

    Arbeitsplatz- / Einkommensabbau bei Daimler und dafür einen steuerflüchtigen Millionär sponsern.

    Die Blödzeitung wird sich freuen und der Minimalniveausender RTL wird weiterhin sein Geplärre von Grip und BlaBla von sich geben …

    Frage: Brauchen wir wirklich solch einen Schwachsinn in Deutschland ?

    Brauchen wir eigentlich Steuergelder um Schulen zu bauen und um Schüler auf ein Bildungsniveau oberhalb von Blödzeitung und RTL zu heben ?

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  4. Andre K.

    Kümmert euch mal lieber aktiv um die Umwelt, anstatt in die Taste hauen. Den „Unsinn“ möchte nämlich kaum einer lesen.

    Frohes Neues!

    Auf das wir bald nur noch von Bäumen essen und zu Fuß laufen, wenn das so weiter geht, mit dem teils lächerlichen Umwelt-Wahn 😉

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  5. Ökofeind

    Also ihr tickt doch nicht mehr ganz sauber!
    Motorsport verbieten ???
    Wisst ihr eigentlich wie viele Arbeitsplätze an den ganzen Rennstrecken hängen oder an den Teams.
    Das beginnt doch schon alles im Kartsport.
    Ihr habt doch echt die härteste Meise.
    In den 50igern ham die noch Sprit verwendet die einen in Krankenhaus gebracht hat wenn man dran gerochen hat.
    Und ihr beschwert euch über Motorsport.
    Wegen euch grünen Spinnern gibt doch kaum noch Motorsport.
    Damals sind die noch schon mit verbleitem Sprit durchn Wald geheizt und keinen hats gestört.
    Wenn ich das heute lese 30 Jahre grüne ihr Spinner allein die Formel 1 ist 3mal so alt wie ihr da hängen Traditionen dran.
    Mal davon abgesehen das ihr keine Ahnung was für ein geiles Gefühl es ist mit 200 kmh durch ne Kurve zu fahren.
    Allein der Sound !!!
    Von mir aus lasst den kram wieder verbleien dieser ganze Klimawandel ist sowieso nichts als Panikmache.
    Damit die Bevölkerung solche Spinner wie den Tritin wählt !!
    Übrigens ist ein Motorsportler 10 mal mehr belastet als irgendein Fußballspieler.
    Schumacher ist kein Deutscher !!!
    Sicherlich vor euer rot/grünen Steuerpolitik wär ich auch geflüchtet.
    Und ich würde dem Staat nicht ein dreiviertel oder was Abgeben damit der das in irgendein Umweltprojekt haut.
    Also wenn es nach euch geht würden wir alle noch in der Höhle hausen !!!
    Ayrton Senna würde sich im Grab umdrehen wenn er euern Kram da liest !!!

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  6. Manuel

    Gehts noch?
    Sich über den Benzinverbrauch von 20 Autos aufzuregen ist nichts anderes als Erbsenzählerei…
    Und außerdem steht da: „Hinzu kommen die Großveranstaltungen, zu denen viele tausend Zuschauer kommen.“ Was ist dann mit Fußball? Pro Jahr gibt es allein in der 1. Bundesliga 306 Spiele, in der Formel 1 sind es 17 Rennen…….
    Also, erst mal nachdenken, bevor man sowas schreibt!

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