mal wieder Sperre bei Twitter

Mein Twitteraccount ist seit dem 24. August gesperrt. Bis gestern, 15. September, wusste ich nicht, warum. Es ist und bleibt kurios und man fragt sich, wer da bei denen im Support sitzt. Aber von Anfang an – soweit es einen gibt.

Am 24. August – schon im Urlaub – erreicht mich eine kryptische Mail:

Ein „S-Antifajaeger also. Ein Nazi. Den Tag zuvor war wieder eine Meldung zu einem Tweet eingegangen, bei dem ich (mal wieder) darauf beharrt haben, dass es keinen Rassismus gegen Weiße gibt.

Ich checke also meinen Twitteraccount und sehe, dass er gesperrt ist. Habe sofort mein Passwort geändert – hatte schon die Idee, dass irgend etwas Komisches passiert sein könnte. Und lege Einspruch gegen die Sperrung ein, mit der Bitte, mir mitzuteilen, was ich denn angestellt habe. Denn eine weitere Meldung mit dem Hinweis auf Konsequenzen war nicht erfolgt.

Danach: keinerlei Reaktion von Twitter – außer Standortantworten. Wie es bei der Sperre vor zweieinhalb Jahren auch war. Ich hab mich immer mal wieder eingeloggt, habe nachgefragt, Mails an den Support geschrieben: keine Reaktion. Ich wusste nicht, warum der Account gesperrt war. Schon die ganze Zeit über: 0 Follower, O „Folge ich“ – das war damals anders gewesen. Von anderen hörte ich, dass gar keine Tweets mehr zu sehen waren – auch sehr ungewöhnlich.

Dann stellte ich gestern fest, dass mein Titelbild gelöscht war. Ich dachte: nun, vielleicht hing es damit zusammen und dass sie es – so wie beim letzten Mal auch – zu einem Missverständnis gekommen sei.

Das wars aber offensichtlich nicht – denn nachdem ich ihnen das schrieb, erhielt ich gestern endlich eine Reaktion:

„Hallo,

dein Account wurde gesperrt und wird nicht wiederhergestellt, da er gegen die Twitter Nutzungsbedingungen verstoßen hat, insbesondere gegen die Twitter Regeln, die das Verwalten mehrerer Twitter Accounts zu missbräuchlichen Zwecken verbieten.“

Ich hab keine Ahnung, wovon die reden. Sieht aber so aus, als wäre da eine Aktion gefaked worden, vielleicht wurde der Account doch gehackt. Ich hab nur einen Zweitaccount unter dem Namen „Rumtrauben“ – aber den hab ich seit Anfang 2018 nicht mehr angefasst, außerdem ist der gesperrt, weil das mein Veruch war in der langen Sperre 2018, bei Twitter wieder Fuß zu fassen. Allerdings wurde der damals auch „gefunden“. Das habe ich geschrieben und warte jetzt auf eine Reaktion.

Ich lege natürlich weiterhin Einspruch ein – große Hoffnung, dass ich ohne Anwalt weiter komme, habe ich natürlich nicht. Falls also jemand helfen will, den zu bezahlen: gerne per paypal an joergrupp@joergrupp.de. Achso: und da ich es nicht selbst kann – vielleicht kann ja jemand den Beitrag bei Twitter teilen.

Urlaubsrückkehr aus dem Risikogebiet

Blick auf den nahezu leeren Strandabschnitt am Safari-Beach, Velika Plaza, Ulcinj

1983 war ich mit meinen Eltern in Ulcinj – mein erster Urlaub am Meer. Immer mal wieder wollte ich hierhin „zurück“ . es kamen Kinder, die Zeit, dann der Krieg, andere Urlaubsziele – aber der Wunsch blieb. Im letzten Jahr endlich entschlossen wir uns, es jetzt endlich zu tun – und buchten die Reise an meinen „Strand der Sehnsucht“.

Corona verhinderte die Reise an Pfingsten und so buchten wir um auf Ende der Sommerferien. Als Montenegro, das nach einem restriktiven Lockdown nicht mehr auf der Liste des RKI stand, im Juli wieder wegen hoher Infektionszahlen auf dem Balkan wieder auf diese Liste kam, überlegten wir, was wir machen sollten. Trotz Einstufung zum Risikogebiet entschlossen wir uns zur Reise – die Informationen, die wir über die Sozialen Medien erhielten, zeigte, dass sie Situation dort vor allem durch fehlende Touristen geprägt war: leere Strände, leere Restaurants, leere Campingplätze. Und so fanden wir es dann auch vor. Unser Anbieter hatte 15 dieser Homes auf dem Campingplatz, davon waren maximal drei belegt. Der 13 km lange Sandstrand ist unterteilt in öffentliche und zu Campingplätzen gehörende Strandabschnitte, unser Anbieter hatte dazu ein kleines Stück eigenen Abschnitt – mit fest installierten Sonnenschirmen und eigenen Liegen. Luxus für uns Minimalisten, aber dort waren wir dann praktisch alleine.

Am 10. September fuhren wir zurück – ohne Stopp wie auf der Hinfahrt, aber mit ausreichend Pausen brauchten wir um die 20 Stunden für die 1700 Kilometer.

Unsere Hoffnung, dass Montenegro bis zum Ende unseres Urlaubs wieder von der Risikoliste kommt, erfüllte sich leider nicht. Auch Montenegro hat eine „zweite Welle„.

Quelle: https://www.worldometers.info/coronavirus/country/montenegro/

Damit war klar, dass wir bei der Rückreise auf der Autobahn einen Covid-Test machen mussten. Kurz nach der Grenze in Bayern wird an der Autobahnraststätte Hochfelln getestet. Der Testbereich ist direkt nach der Tankstelle und gut ausgewiesen. Wir wurden von drei etwas abenteuerlichen Typen die Unterlagen ausgehändigt und erklärt – in Bayern wird mit QR-Codes zur Identifizierung und Zuordnung und E-Mail als Benachrichtigung gearbeitet. Die Corona-App, eingeführt für 20 Millionen €, über die eigentlich die Benachrichtigung erfolgen soll, wird nicht benötigt.

(Die Mitarbeiter, die dort die Leute einweisen, haben 12-Stunden-Schichten, jeweils von 6-18 Uhr und von 18-6 Uhr und sehen so ein bisschen nach zwangsrekrutiert aus. Sie flegelten sich auf Stühlen an der Einfahrt zum abgetrennten Bereich und als ich scherzhaft fragte, ob sie ausreichend versorgt werden, meinten sie, dass sie gerne noch Bier hätten. Hmmm.) 

Die Daten gibt man selbst ein, die Richtigkeit der Eingaben kontrolliert niemand. Nach der Eingabe fährt man mit dem Auto in ein Zelt, dort stehen zwei Menschen in Schutzanzügen, der eine scannt den QR-Code des jeweiligen Passagiers vom Smartphone, der andere macht den Abstrich. Der Test ging schnell und unkompliziert, kein Unwohlgefühl. Meine Frau meinte direkt danach, dass man normalerweise mehr Fläche im Rachenraum zur Probeentnahme nutzt und wir waren  skeptisch. Die Berichte über unzureichend geschulte Leute, die die Abstriche vornahmen, hatten sich damit bestätigt.

In Baden-Württemberg angekommen, wiederholten wir also den Test. Auch hier kann man sich direkt an der A8 testen lassen: am Parkplatz Kemmental, direkt vor dem Abstieg am Drackensteiner Hang. Der Parkplatz ist nur für den Covid-Test geöffnet, sonst darf hier niemand parken. In Baden-Württemberg macht das das Rote Kreuz. Spoiler: auch hier benötigt man die teure Corona-App nicht. Es ist noch etwas abstruser: man trägt die Daten in ein Formular ein (siehe Beitragsbild). Die werden dann von einer:m Mitarbeiter:in übertragen. Kein QR-Code, keine App. Die Begründung: ältere Menschen kommen so besser zurecht. Naja. Digitalisierung wäre halt schon was Schönes gewesen, zumal ja eine App vorliegt, die sowas kann. So bleibt man wie in vielen anderen Bereichen in Deutschland auch bei EDV zu Fuß (also irgendwer tippt die Daten ab und im schlimmsten Fall eine Excel-Tabelle ein – oder gar ein Word-Dokument). Die Testergebnisse erhalten wir über E-Mail oder aber über ein Webportal mit dem schönen Namen „Mein Ergebnis„.

Der Test allerdings war deutlich professioneller, ich bin empfindlich im Rachenraum und musste mehrfach würgen, bis der Abstrich gemacht war. Frau und Söhne zum Glück nicht. Insofern fühlten wir uns hier aber „sicherer“.

Zu Hause angekommen, informierten wir die Ordnungsbehörde über unsere Rückkehr aus dem Risikogebiet und es erfolgte die Anordnung, dass wir nun zu Hause bleiben müssen, bis das Ergebnis da sei. Schön ist, dass wir, sobald ein negatives Testergebnis vorliegt, die Quarantäne aufgehoben ist. Es reicht, der Behörde das Ergebnis per Mail zuzusenden. Sehr unkompliziert und daher: vielen Dank! (zumal man ja hört, dass es Gemeinden gibt, die die Quarantäne erst aufheben, wenn das schriftliche Ergebnis per Post vorliegt).

Fazit: Viel Neuland im Land.

Das Ergebnis ist da:

 

 

Vielen Minijobbern wird die Lohnfortzahlung verweigert

Da mein Arbeitgeber Kurzarbeit angeordnet hat, habe ich mir noch im März einen 450-€-Job gesucht. Ich arbeite bei einem Regaldienstleister, der in REWE-Supermärkten Regale auffüllt: der MDS-Handels- und Dienstleistungsgewerbe GmbH & Co. KG in Denzlingen. Mein Arbeitsort ist ein REWE-Supermarkt hier in Malsch.

Viermal die Woche (Mo, Di, Mi, Fr) wird Ware geliefert, ich habe in der Regel an drei Tagen gearbeitet. Die Stundenzahl liegt bei 48 Stunden/Monat,die Firma bezahlt Mindestlohn.

Im April waren Karfreitag und Ostermontag Feiertag. Auf meiner Lohnabrechnung fand sich eine Bezahlung für diese Tage allerdings nicht.

Ich habe beim Regionalverantwortlichen reklamiert, ich bekam mein Geld nachbezahlt – allerdings wurde dies nicht als Feiertagsbezahlung auf der Lohnabrechnung ausgewiesen, sondern mir wurden Stunden gebucht. Das selbst Spiel im Mai: der 1. Mai war ein zu bezahlender Feiertag, das Geld war nicht auf der Lohnabrechnung, mein Hinweis erbrachte: wir bezahlen das nächsten Monat.

Allerdings war die Aussage zunächst: „Wir bezahlen keine Feiertage“.

Auf meinen Hinweis, dass dies nicht zulässig sei und ich selbst als Standortverantwortlicher in meinem regulären Unternehmen 12 450-€-Kräfte betreue und das daher ganz genau weiß, brachte ihn zum Einlenken.

Wir sind am Standort hier ca. 15 Mitarbeitende. Da vermutlich nur ich reklamiert habe, hat das Unternehmen im Monat April an diesem einen Standort 1122 € an Lohnzahlungen widerrechtlich eingespart.

Grundsätzlich stellt sich die Frage, wenn die das überall so machen – wie viele Mitarbeitende das Unternehmen so hat.  Das Unternehmen ist laut Internet seit 2015 am Start. In 5 Jahren wären das bei 12 Feiertagen im Jahr eine ordentliche Summe. Wenn man von 50% ausgeht, die auf einen regulären Arbeitstag fielen, wären das 6 Feiertage/Jahr. Ich habe 4 Stunden angesetzt, die als Feiertagsbezahlung anzusetzen wären (regulär ungefähr 3,7)
6*4*9,35=224,40 €, bei 15 Mitarbeitenden schon 3.366 €/Jahr. Ich weiß nicht, wie viele Märkte dieses Unternehmen betreut – aber wenn es 100 Stück sind…..

Staatliche Kontrolle dieses Missstandes findet nicht statt. Ich habe es mit Gewerbeaufsicht, mit dem Zoll probiert – alle wissen mehr oder weniger, dass es so etwas gibt, jede:r meint, das wäre Privatrecht (also Arbeitsrecht), also jede:r muss sich individuell wehren. Aber viele Menschen,die in 450-€-Jobs arbeiten,  wissen das gar nicht, viele glauben nicht, dass es Lohnfortzahlung bei Krankheit, bei Urlaub oder eben auch bei Feiertagen auch für 450-€-Kräfte gibt. Viele Unternehmen, die reguläre Stellen mit 450-€-Kräften ersetzen oder nur Minijobber einsetzen machen das so – und der Staat schaut zu. Wie man mir am Bürgertelefon des Arbeitsministeriums sagte, ist die Problematik seit vielen, vielen Jahren bekannt. Dagegen getan hat niemand etwas. Die Menschen werden dieser Situation ausgeliefert. Und natürlich werden für den Gewinn aus nicht ausbezahlten Löhnen weder Steuern noch Sozialabgaben bezahlt.

Beitragsbild: Bild von Alexas_Fotos auf Pixabay

sexualisierte Gewalt: Täter: Mann, Opfer:Mann

Ein wunderschöner Sommertag. Ich flaniere in der Innenstadt. Hab einen privaten Termin, bin aber zu früh unterwegs. Ich bin Anfang 30. Während ich die Straßen entlang laufe – einmal die eine Seite der Fußgängerzone hinauf, einmal hinunter, fallen mir die Blicke eines Mannes auf einem Fahrrad auf. Ich denke mir zunächst nichts dabei. Er begegnet mir wieder – er schaut mich an. Sagt kein Wort. Hält Abstand, gut und gerne 25 Meter. Aber er ist da. Ich glaube an Zufall. Noch. Ich gehe weiter, kaufe mir ein Eis und esse es im Laufen. Schaue mir Schaufenster an. Da ist er wieder. Hinter mir. Ich bekomme ein komisches Gefühl. Kann es nicht genau beschreiben – fühle mich sehr unwohl. Kein Zufall mehr. Was will er von mir? Ich gehe weiter, schaue mich um, schau, ob er sich in Scheiben spiegelt. Tut er. Eindringlicher Blick. Ich biege ab, zu einem Platz, von dem ich weiß, dass er öffentliche Toiletten hat. Ich will mich verstecken, fliehen kann ich offensichtlich nicht. Schnell die Treppe hinunter. Atemlos. Erschrocken. Panisch.

Ich betrete die Toilette, gehe in eine Kabine, setze mich auf die Schüssel und warte. Hoffe, dass er weg ist, wenn ich nach einiger Zeit wieder rauf gehe.

Kurz darauf höre ich Schritte auf der Treppe. Die Kabinentür neben mir geht auf. Schließt sich. Ich bin schweißnass. Wie in vielen öffentlichen Toiletten hat die Trennwand ein kleines Loch. Ich lehne mich mit dem Rücken dagegen.

Dann höre ich Geräusche von nebenan. Ich kann jetzt nicht widerstehen. Ich schaue durch das Loch – und sehe einen erregierten Penis. Er onaniert. Ich öffne schnell die Tür, renne die Treppen hinauf. Sehe sein Fahrrad oben angeschlossen. Renne weiter, raus aus der Innenstadt, hin zu meinem Auto. Fahre die wenigen Meter zu meinem Termin. Bin käseweiß. Bin den Rest vom Tag und der Woche ziemlich durch den Wind.

Ist gut 25 Jahre her. Der Schrecken, die Angst sind noch immer präsent. Die Panik, die Unfähigkeit, der Situation angemessen zu begegnen und ihr zu entgehen, beschäftigt mich bis heute. Ich denke, ich würde heute anders reagieren. Ihn konfrontieren. Fragen, warum er mich verfolgt. Damals konnte ich das nicht, das brach einfach auf mich herein an diesem Tag. Vom diffusen Gefühl zum „der will was (WAS?) von mir“ war ein zäher Prozess, die Erkenntnis ein Schock. Die einzige Reaktion, die mir einfiel, war mich zu verstecken.

Corona ist leider nicht weg – und unser Wunsch nach Transparenz und Zusammenarbeit auch nicht!

Offener Brief mehrerer Gesamtelternbeiräte an Ministerin Eisenmann. Als Mitglied des GEB Karlsruhe und des Landeselternbeirats war ich an der Entstehung beteiligt:

Corona ist leider nicht weg – und unser Wunsch nach Transparenz und
Zusammenarbeit auch nicht!

 

Sehr geehrte Frau Ministerin Dr. Eisenmann, 

 

auch wenn Sie in den letzten Wochen versucht haben, der Öffentlichkeit und
uns bei unseren unzähligen offenen Briefen ein anderes Bild zu vermitteln: 
Bei aller Diversität der Elternschaft in dieser nie dagewesenen Krise eint
uns die Tatsache, dass wir mit Ihrem Krisenmanagement unzufrieden sind. 
Aus diesem Grund haben sich die Elternvertreter aus allen Teilen des Landes
Baden-Württemberg zusammengeschlossen, um Ihnen erneut und vereint einen
Brief zu schreiben.

    

Am 26.5.2020 haben Sie veröffentlicht, dass die Kitas und Grundschulen bis
spätestens Ende Juni geöffnet werden sollen und dass nun zügig mit den
Kommunen und Trägern ein Rechtsrahmen erarbeitet werden soll. Erste
Reaktionen des Gemeindetages, der GEW und verdi zeigen bereits, dass diese
Ankündigung eine Vielzahl an organisatorischen Fragestellungen aufwirft. 
Auch wir stellen uns die Frage, was dies nun konkret für unsere Kinder und
Familien bedeutet.

    

Durch die Erfahrungen der Vergangenheit haben wir daher einen dringenden
Wunsch: Nutzen Sie die Chance und machen es dieses Mal besser! 
Holen Sie alle Beteiligten an einen Tisch, um frühzeitig die weiteren
Schritte zu fixieren. Nicht nur bei den Grundschulen, sondern bei allen
Bildungsformen stellt sich die Frage, 
wie die Rückkehr zum Regelbetrieb verantwortungsvoll gestaltet und ein
Höchstmaß an Präsenz sichergestellt werden können, und was diese Rückkehr in
effektiven Stunden bedeutet. 
Zudem sind wir daran interessiert zu erfahren, wie Sie Ihr Versprechen der
von Ihnen angekündigten Sommerschule und der Förderangebote in den
Sommerferien sicherstellen möchten. 
Denn Kinder haben ein Recht auf Bildung und auf Schutz. Und Familien
benötigen Perspektiven! 
Zudem gibt es den Bedarf für Konzepte zu einer systematischen
Digitalisierung für den Fall, dass Einrichtungen wieder geschlossen werden
müssen. 

    

Eine gute Bildung ist ein unschätzbarer Wert für persönlichen Lebensweg und
unsere Gesellschaft - aber dazu muss Bildung auch ermöglicht werden. 
Geben Sie den Bedürfnissen der Kinder und der Elternschaft in der Politik
mehr Raum. 
Binden Sie daher von unserer Seite den LEB als unser gewähltes Gremium und
als Experten für die Bedürfnisse der Eltern und Familien ein. 
Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit!

Mit freundlichen Grüßen

 

GEB² Mannheim – Thorsten Papendick 

STEB Mannheim – Lorenz Losmann 

Elterninitiative Mannheim - Jetzt an die Kinder denken! - Sarah Kinzebach 

GEB Schule Karlsruhe - Jörg Rupp und Peer Giemsch 

GEB Konstanz - Johanna Vogt und Petra Rietzler 

GEB Ludwigsburg Schulen - Christina Bechmann und Erika Macan 

GEB Sinsheim - Jeannette Tremmel 

GEB Heilbronn - Christoph Eberlein und Regina Bavatir-Eckert 

GEB Ettlingen - Seher Conzen und Michael Scherf

GEB Schule Lörrach - Sabrina Hauber 

GEB Schule Heidelberg - Andrea Dittmar 

GEB Stuttgarter Schulen - Manja Reinholdt

GEB Freiburger Schulen - Bettina Knapp und Anja Gössel

GEB Singen - Marc F. Neininger 

GEB der Schulen Villingen Schwenningen – Tino Berthold 

Elternnetzwerk im Verein für Gemeinschaftsschulen BW e.V. - Dr. Ulrike
Felger 

Arbeitskreis Sonderschulen Rhein Neckar e.V - Petra Vecchio 

EB des Ev. Montessori Schulhaus Freiburg - Vorsitzgruppe Oliver Dorgerloh,
Gaby Hönig und Marcus Schäfer 

 

Bericht von der Kundgebung der Karlsruher Verschwörungs- und Naziszene genannt Grundrechtedemo

Am 1. Mai fand in Karlsruhe eine Kundgebung angeblich für die Grundrechte statt:

Das Problem ist, dass niemand dort wirklich sagen konnte, welche Grundrechte denn eingeschränkt sein sollten. Dementsprechend verliefen die Reden – und beinahe wäre die Kundgebung eskaliert, als es um den Mundschutz ging. Auf einmal skandierten alle: Masken ab.

Aber der Reihe nach:

Ich war kurz 15 Uhr am Schlossvorplatz in Karlsruhe. Es hatte geregnet – daher sind viele Teilnehmende erst pünktlich zum Redenbeginn, der noch im Regenschauer stattfand, auf den Platz geströmt. Viele bleiben unter den Arkaden am Schlossplatz stehen. Von Abstandhaltung war wenig zu sehen, die begann erst, als endlich die Polizei aufkreuzte, die vorher nicht zu sehen war. Vor allem unter den Arkaden tummelten sich die Menschen nahe beieinander, es waren auch Begrüßungsumarmungen zu sehen. Rund 250 Menschen waren anwesend.

Ich war mit dem Antifa-Mundschutz dort – ich wollte mich nicht verstecken.

Auf der rechten Seite des Platzes waren einige Rechtsradikale zu sehen und leicht zu identifizieren: Mundschutz in Deutschlandfarben, neue, bedruckte Shirts mit Grundrechtsartikel: 5,8,11.  Meinungsfreiheit, Versammlungsfreiheit, Freizügigkeit. Das eine oder andere Gesicht war mit und ohne Mundschutz zu erkennen. Sehr aggressiv auf mich schauend, einer davon bewegte sich auf mich zu, bog aber rechtzeitig ab, als sich ein Ordner näherte. Eine Dame mit ausführlichem Grundrechteschild meinte, ich wäre wohl am falschen Ort, woraufhin ich sie fragte, ob es schon wieder vorbei wäre mit den Grundrechten. Darauf war sie erst einmal still.

Im Aufruf zentral steht die Behauptung:

Gegenwärtig sind viele bürgerliche Freiheiten, die ansonsten eine essenzielle Rolle im Prozess der demokratischen Willensbildung einnehmen, extrem eingeschränkt

Welche bürgerlichen Freiheiten wie eingeschränkt sind, konnte niemand so genau sagen. Der eine Redner findet es schlimm, dass die Maßnahmen gegen Corona auf dem Rücken der Kinder ausgetragen werden, die nicht auf den Spielplatz dürfen und nicht in die Schule und KiTas.

Der andere Redner findet, dass man sich nicht im Klein klein verlieren sollte und daher nicht über Spielplätze reden sollte.  Grundsätzlich schien man sich einig, das Schlimmes drohe. Und überzeugen könne man andere im direkten Bekanntenkreis. Wohlwissend, wer sich da alles auf dem Platz rumtrieb, wurde aber empfohlen, nichts über Verschwörungen und 5G und solche Sachen zu sagen,sonst würde niemand mehr zuhören. Man solle sagen, für was man sein. Aber was genau er damit meinte –  das sagte er nicht. Denn:

Die Meinungsfreiheit konnte ja nicht eingeschränkt sein – schließlich traf man sich auf einem öffentlichen Platz und konnte frei sprechen. Die Versammlungsfreiheit war nicht eingeschränkt, aus demselben Grund. Und die Freizügigkeit auch nicht – schließlich konnte jede:r hinkommen der:die wollte.

Natürlich ist es so, dass die Auflagen und Schutzmaßnahmen die Rechte beschränken. Mindestabstand zwischen den Teilnehmenden oder Beschränkungen der maximalen Teilnehmendenzahl sind ebenso eine Zumutung wie mögliche Verlegungen von Kundgebungen an Orte, die die zu erwartende Mengen aufnehmen. So wie es bspw. in Stuttgart geschehen ist, wo die Hygienedemo auf den Canstatter Wasen verlegt wurde. Dass die Maßnahmen kein Ablaufdatum haben, stimmt so auch nicht. Was natürlich bedenklich ist, dass das Ende vom Wohl und Wehe der Vereinbarung der Kanzlerin mit den Ministerpräsidenten abhängt. Und konkrete Regeln dann wieder unter die Länderhoheit fallen. Kontaktverbote und Ausgangsbeschränkungen sind in der Realität eine Einschränkung. Geschlossene Läden und Gastrobetriebe ebenfalls.

Aber: dass die Maßnahmen reguliert werden, entweder durch Gerichte oder öffentlichen Druck, war in den letzten Wochen immer wieder zu sehen. Ja,die Behörden schießen manches Mal übers Ziel hinaus, aber oft genug reagieren sie auch schon auf öffentlichen Druck. Es ist wie immer,mit besonderen Vorzeichen: Demokratie ist auch eine Sache der Verhandlung. Judikative und Exekutive agieren. Wenn auch in einzelnen Fällen nur schwerfällig oder wie hier in Malsch, wo Gemeinderatssitzungen seit Beginn der Maßnahmen ausgesetzt sind und der Ort mittels Krisenstab „regiert“ wird und selbst der Ältestenrat nicht zufrieden ist mit den Informationen, die er erhält. Insofern heißt es wachsam bleiben, im Zweifel Verbündete suchen – aber daraus eine Verschwörung zu basteln, in der, wie es gestern zu hören war, diese Maßnahmen sehr wahrscheinlich nicht mehr zurückgenommen werden, die Maßnahmen geplant waren, das geht selbst mir zu weit, der ich sicherlich kritisch bin, was Einschränkungen von Grundrechten angeht. Wer Diktatur oder DDR 2.0 ruft, hat (bewusst?) übersehen, dass Korrekturen vorgenommen werden.

Vor der Kundgebung wurde die aktuelle Ausgabe des „Demokratischen Widerstands“ verteilt. Kostenlos natürlich. Das ist die Zeitung, die Anselm Lenz herausgibt, mittlerweile hat er 720.000 Ausgaben drucken und in der Republik verteilen lassen. Offiziell war die Karlsruher Kundgebung bislang nicht im Verzeichnis der Regionalgruppen auf „nichtohneuns.de“ zu finden – anscheinend gibt es aber doch Verbindungen. Interessant ist die Frage, wie jemand wie Lenz eine fünfseitige Zeitung in einer Auflage von zwischenzeitlich 720.000 Stück drucken lassen kann – und diese dann noch kostenlos in der Republik verteilt bekommt. Wer die Geldgeber hinter Lenz sind, möchte allerdings niemand von den Aluhutträgern gerne wissen. Die Frage taucht nicht auf, in der Telegramgruppe, in der ich sie stelle, gibt es nur die Antwort „Spenden“, mein Nachfragen dazu endet mit meinem Rauswurf.

Insgesamt muss man konstatieren: es trifft sich bei diesen Kundgebungen alles, was irgendwie nen Hau hat. 5-G-Verschwörer (Das Coronavirus wird mit 5 G verbreitet), dauernd ist auch der Name „Bill Gates“ zu hören  oder zu lesen. Gates‘ Engagement in der Pharmaforschung sorgt dafür, dass alle denken, er stecke dahinter. Gates‘ Engagement dürfte allerdings darauf beruhen, das er Geld verdienen möchte. Und als Wohltäter auftreten. Es wird behauptet, er habe alles vorausgesagt und gechipt sollen wir alle auch werden. Einige seiner Aussagen werden aus dem Zusammenhang gerissen.

In den Facebook- und Telegramgruppen, soweit sie überhaupt lesbar sind bei all dem Geschwurbel über Gates, Freie Energie, Licht, das heilt, der Negation der Pandemie überhaupt und so weiter werden darüber hinaus natürlich als Presseberichte getarnte Verschwörungstheorien der klassischen rechten Portale von KenFM bis hin zur „Achse des Guten“ und anderen, einschlägigen Portalen geteilt – die natürlich immer nur wahrheitsgemäß berichten.^^

Dann wird in den Reden permanent Angst geschürt vor den jetzigen Einschränkungen,die uns auferlegt wurden, um die Pandemie einzudämmen. Kerim Kakmaci, Keynote-Speaker & Experte für Mut, der dritte Redner, schießt allerdings den Vogel ab. Zunächst muss er die Menge beruhigen, die drauf und dran ist, die Mundschutz abzunehmen, laut und wütend „Mundschutz ab“ skandiert, nachdem der zweite Redner versucht hat, für diese Maßnahme Verständnis zu wecken.. Das scheint eh das größte Problem zu sein – der Mundschutz. Maulkorb nennen sie ihn und bringen ihn in Verbindung mit dem Grundgesetz, der Meinungsfreiheit. Als würde der Mundschutz jemanden daran hindern, etwas zu sagen. Anschließend behauptet er, dass 39% der Betriebe bis Ende des Jahres 2020 insolvent wären – und damit 39% der Arbeitnehmenden insgesamt. Eine Berechnung, die meine Intelligenz beleidigt – aber mit Applaus goutiert wurde. (Als würden überall gleichviel Menschen arbeiten). Woher er diese Zahl hat, erfunden oder irgendwie berechnet,erklärte er nicht. Weitere Behauptungen, wie dass die Verordnungen nicht zurück genommen würden, wurden ebenfalls einfach erfunden. Hier hat jemand bewusst das gemacht, was der Regierung vorgeworfen wird: Angst und Panik geschürt. Die Tränendrüse durfte natürlich nicht fehlen – als er von den Kindern sprach, die nicht in KiTas oder in die Schule dürften und ebenso den Kontaktbeschränkungen unterliegen, brach ihm gekünstelt beinahe die Stimme. Dass es aktuelle Erkenntnisse gibt, wonach Kinder genauso ansteckend sind wie Erwachsene und die Kontaktsperren daher sinnvoll – kein Wort davon. Und natürlich durfte nicht fehlen, dass ihn in 20 Jahren sein jetzt 9 Monate altes Kind Kind fragen würde, wo er denn gewesen wäre, als im Jahr 2020 die Demokratie abgeschafft wurde.

In all den Reden und Beiträgen, auf Plakaten wurde über die reale Pandemie kein Wort verloren. Es ging an keiner Stelle um Arbeitnehmer:innenrechte, es ging nicht um Pflegekräfte, die real unter immens schweren Bedingungen arbeiten, es ging nicht um niedrige Gehälter in Careberufen, es ging nicht um das Recht auf körperliche Unversehrtheit im demokratischen Abwägungsprozess, es ging nicht um die Toten dieser Pandemie und zumindest mal  einen Blick über die Grenzen, wie diese negierte Pandemie in anderen Ländern verläuft, es ging nicht um Solidarität – nein, es ging um Recht haben, Recht bekommen und um Egoismus. Menschen, die ihre Kinder mit Schildern, auf denen „ich will wieder ins Schwimmbad“ mit auf diese Demo zerrten, wurden gewürdigt. Nein, es wäre schon alles vorüber und die Regierung müsse alle Maßnahmen sofort aufheben.

Quelle: rnd.de, 30.4.20

Am Ende blieb die wichtigste Einschränkung allerdings völlig unbeachtet. Wer heute eine Veranstaltung anmeldet, der muss als Auflage erfüllen, dass er Name und Adresse der Teilnehmenden erfasst. Wie schon zuvor beim DGB in Ettlingen, wo ich an der Kundgebung zum 1. Mai teilhahm,

sollte sich jede:r Teilnehmende in eine Liste eintragen oder einen Zettel mit Namen in eine Box einwerfen. Der Veranstalter in Karlsruhe hat das am Anfang gesagt – vorgegangen und diese Auflage erfüllt hat aber nach meiner Beobachtung so gut wie niemand. Es gab keine wahrnehmbare Bewegung nach vorne, es wurde am Ende nicht mehr dran erinnert. Da es keine Absperrungen wie z. B. in Ettlingen gab, konnte der Platz von allen Richtungen betreten und verlassen werden. Diese Auflage ist wichtig, weil im Falle einer Infektion so Infektionswege nachvollzogen werden können. Polizei und Ordnungsamt haben hier in höchstem Maße fahrlässig gehandelt, in dem sie die Einhaltung dieser Auflage nicht kontrolliert haben.

Schule und Corona – erzürnter Brief an Ministerin Eisenmann

Guten Tag Frau Ministerin Eisenmann,

mit großem Interesse habe ich Ihren Elternbrief gelesen, der mich heute einerseits über die Schule und andererseits über den Landeselternbeirat, in dem ich bald Mitglied sein werde, erreicht hat.

Ich war gespannt, ob es jetzt endlich konkrete Aussagen Ihrerseits zum weiteren Verlauf des Unterrichts unter Coronamaßnahmen gibt. Ich wurde in meinen Erwartungen nicht enttäuscht – es gibt sie nicht.

Als im März endlich Verhaltensregelungen den Bürger:innen auferlegt wurden, wurden vorsichtig, ich sag mal, die Zügel angezogen. Es ist auch aus heutiger Sicht verständlich, dass man damals nicht über die Osterferien hinaus konkrete Aussagen treffen wollte. Zu groß war die Hoffnung, sicherlich auch bei Ihnen, nach Ostern wieder in einen regulären Schulbetrieb zurück wechseln zu können. Das war menschlich – und wie wir heute wissen: fahrlässig.

Aber was will man machen, wenn Richtlinien wie die Digitalisierungshinweise 14 Jahre lang, während rund um den Erdball eine auch 2005 kaum vorstellbare Digitalisierungswelle rollte, nicht aktualisiert wurden. In den Richtlinien von 2005 fabulierte man noch über den Einsatz von Powerline-Adaptern das galt dann bis 2019. Nach wie vor liegt der Schwerpunkt aller IT-Strategien auf dem Einsatz von „Geräten“. Doch was heute fehlt, ist eine nachweislich sichere IT-Infrastruktur. Eigene Server haben die wenigsten Schulen – Server,die heute fehlen. Von Personal, das damit umgehen kann, ganz zu schweigen. Selbst an der Schule unseres Jüngsten, an der man sich sehr engagiert, ist Teleunterricht im Moodle-Modus nicht möglich. Mal funktioniert es nicht, mal kriegt es der Lehrkörper nicht hin. Ich mache da niemandem persönliche Vorwürfe. Bis heute gehört dezentraler Unterricht nicht zur Lehrerausbildung. Und unter IT versteht man noch immer am ehesten Powerpoint und 10-Finger-System. Lehrer:innen, die es wagen, die mobilen Endgeräte ihrer Schüler:innen einzusetzen, gelten als Held:innen des Alltags.

Und so sieht auch der aktuelle Home-Schooling-Alltag aus. Alles ist darauf ausgerichtet, dass Schüler:innen zu Hause Zugriff auf einen PC oder ein Laptop haben – und natürlich einen Drucker mit Scaneinheit. Schon mit Tablets wird es schwierig. Wenn, dann braucht es ausreichend Bandbreite im Upload(!), um erledigte Aufgaben zu fotografieren. Und dann noch ausreichend Geld auf den Prepaidkarten, bei sozial Benachteiligten, um die Daten hochzuladen. Dass in vielen Haushalten reguläre Internetanschlüsse fehlen, weil sie nicht bezahlt werden können, ist Ihnen vermutlich noch gar nicht aufgefallen. Das Wort „Lernmittelfreiheit“ sagt Ihnen sicherlich etwas. Darf ich Ihnen die Rechnung für die nächsten Druckerpatronen schicken?

Dann muss die Lehrer:in noch kontrollieren. Und Rückmeldung geben. Dass es Lehrer:innen gibt, die sich gar nicht melden, gehört zu den Geschichten, die passieren – zu denen Sie sich aber nicht äußern.

Fakt ist jedenfalls, dass wir alle gar nicht wissen, wie sich eine Coronainfektion auf junge Menschen auswirkt. Es gibt ernst zu nehmende Berichte, nach denen es gesundheitliche Folgen auch für junge Menschen gibt. Kinder sterben auch an Covid-19 – und das nicht nur in Bangladesh – sondern in Europa. Wie um Himmels Willen kann man da die Schule bald wieder öffnen wollen? Ihre Salamitaktik sorgt übrigens dafür, dass sich weder Schule, Lehrer:innen noch Schüler:innen wirklich auf Schule @home einlassen. Es ist noch immer eine Übergangslösung – und Sie tun alles dafür, dass es so bleibt. Anstatt endlich zu sagen: gehen Sie davon aus, dass wir die Schulen erst nach den Sommerferien wieder öffnen können. Oder vielleicht auch erst im Jahr 2021.

Es wird Zeit, dass Sie sich klar äußern. Die Schulen so schnell wie möglich mit mehr Geld, als im Digitalpakt zur Verfügung steht, zukunftssicher machen. Dass Sie von Prüfungen in diesem Jahr absehen und Jahresleistungen honorieren und auf freiwillige Lösungen setzen. Vielleicht machen Sie das zukünftig immer so? Zumindest 2021 wäre das angebracht.

Während Sie noch versuchen,so billig wie möglich mit Moodle davon zu kommen, stehen bei privaten Trägern der Erwachsenenbildung längst Unterrichtssysteme zur Verfügung. Klassenräume, Chats mit Lehrer:innen, Online-Unterricht, Unterrichtsvideos, Prüfungssysteme, Lernschritte, Lernkontrolle. Eines der System, das von alfatraining, kommt sogar aus Baden-Württemberg. Leider aus dem nicht so gerne gesehenen badischen Teil, aber das würden Sie sicherlich verkraften. Fahren Sie hin, schauen Sie es sich an, kaufen Sie es. Skalieren Sie es auf Schulgröße. Das geht. Ich habe bei einem solchen Träger gearbeitet, ich weiß das. Kaufen Sie Server, kaufen Sie Bandbreite, verlegen Sie Glasfaser. Von mir aus gründen Sie eine staatliche Telekom, damit es auch vorankommt und überlassen Sie das alles nicht dem Markt.

Exkurs und Utopie:
Ein solches System könnte den regulären Unterricht an der Schule, wie wir ihn heute kennen, ergänzen oder sogar fast komplett ersetzen. Voraussetzung dafür wären für jede:n Schüler:inn ein Endgerät (hardwareseitig eingeschränkt, damit ausschließlich für Schule nutzbar), ein adäquater Anschluss ans Internet, in der Grundschule die Heranführung an die Technologie und ab der Sekundarstufe die konsequente Nutzung. Was würde das Geld für die Schulträger sparen,die viel weniger in Gebäude investieren müssten!

Wenn man dazu noch die Lehrpläne individualisierte – also Wissensziele innerhalb bestimmter Zeitspannen festlegt, könnte sogar von starren Ferienregelungen abgewichen werden. Lehrer:innen wären ganzjährig mit regulären Stundentafeln an der Schule oder im Homeoffice mit gesetzlichem Urlaub. Arbeitszeiten der Eltern könnten sich dem Lernrhythmus der Kinder anpassen – anstatt strikter Schul- und Ferienzeiten. Präsenzzeiten ergänzten dann nur noch den Unterricht.

Sehr geehrte Frau Ministerin – ich habe Sie ja in Karlsruhe live erlebt. Ich habe bis 2016 auf Landesebene Politik gemacht (nein, nicht in der CDU) – ein bisschen weiß ich also über Politik, über das, was man sagen kann und darf und was Zwänge sind. Ich weiß, so leicht sind Sie nicht zu beeindrucken und schon gar nicht vom eingenommenen Kurs abzubringen. Aber es wird Zeit, dass Sie ihr Herz in die Hand nehmen und die Schulen so schnell wie möglich darauf vorbereiten, dass es länger gehen könnte. Auch wenn das schwierig ist – ich weiß, Sie haben die Stärke, das auch durchzustehen – oder zumindest auch erst einmal im Kabinett durchzusetzen,diese Botschaft. Klare Worte statt Hinhaltetaktik, ein klares Ziel vor Augen. Machen Sie Baden-Württemberg zum digitalen Musterschulland. Bevor es Bayern wird.

Und: beziehen Sie uns Eltern ein. Es gibt hier so viele, die daran verzweifeln, was im Bildungsland vor sich geht,die Wissen haben und sich einbringen wollen und können. Ohne uns geht es nicht.

Es ist ein Trauerspiel.

Mit freundlichen Grüßen aus der badischen Provinz

Jörg Rupp

Bericht aus der Systemrelevanz

Regulär arbeite ich als Standortleiter bei einem Unternehmen, das Obstkörbe an Arbeitsplätze liefert. Der Karlsruher Standort ist der drittgrößte im Unternehmen, ich bin verantwortlich für 15 Auslieferungsfahrzeuge und 35 Mitarbeitende, davon 10 Minijobber und Werkstudierende.  Am 16. März haben wir Kurzarbeit beantragt, seit dem 20. März bin ich selbst in Kurzarbeit. Diese habe ich kurz unterbrochen, um an einem Samstag zusammen mit einer 450-€-Kraft das Kühlhaus zu räumen, in dem noch 3t Äpfel, Birnen und Clementinen lagerten. Wir haben sie an einen türkischen Lebensmittelhändler sehr günstig verkauft und dann mit einem Sprinter in fünfeinhalbstündiger Arbeit geliefert. Die Woche zuvor hatte ich 70 Karton (ungefähr 350 kg) schneller verderbliche Ware – Trauben und Pflaumen – an den Karlsruher Zoo gespendet.

voller Lieferwagen.

Einmal die Woche fahre ich ins Lager, um nach dem Rechten zu sehen. Es ist still dort. Das Kühlhaus brummt vor sich hin, die Autos stehen unverändert auf ihren Plätzen und werden vom Regen täglich ein wenig schmutziger. Ansonsten gibt es wenig zu tun – ich schau nach der Post, scanne evtl. ein Schreiben und schick es in die Zentrale.

Da die Kurzarbeit angekündigt war, habe ich noch rechtzeitig einen 450-€-Job gesucht – und gefunden. Im März wurde deutlich, dass Leute gesucht würden, die Regale in Supermärkten auffüllen. 5 Minuten von hier ist ein REWE und ich weiß, dass dort ein solches Auspackteam arbeitet. Da mir bewusst war, dass ich die Leute dort immer nur abends gesehen habe, bin ich für meine Verhältnisse spät einkaufen gegangen, habe dann dort gefragt und hatte am 23. März meinen ersten Arbeitstag. Ich verdiene Mindestlohn, 9,35 € und ich finde, dass das nicht angemessen ist.

1979 (13-jährig) hatte ich in diesem Bereich begonnen: Marktumbauten über das Wochenende. Das bedeutet damals: Regale ausräumen, putzen, eventuell abbauen, neu aufbauen/verschieben, füllen. So leer sind heute die Nudelregale, dass ich da fast ein Deja-Vue habe. Während der Schulzeit habe ich genau das, was ich heute mache, immer wieder gemacht: ich war Auspackhilfe und habe bei Warenlieferungen dem Marktpersonal geholfen. Allerdings war man damals noch direkt beim Supermarkt angestellt und erhielt einen tariflichen Stundenlohn.

1983 habe ich die Schule geschmissen und ’84 eine Ausbildung zum Lebensmitteleinzelhandelskaufmann begonnen. Während meiner Ausbildung entstanden die ersten Auspackteams. Damals konnte man im eigenen Unternehmen noch einen Nebenverdienst haben und so habe ich am Warentag oft bis Mitternacht Ware verräumt. Schließlich wurde ich ja im 3. Lehrjahr zum ersten Mal Vater und zuvor waren wir schon zu dritt.

1988 wurde ich Marktleiter und Auspacken gehörte zu meinen liebsten Aufgaben. Damals konnte man noch das Sortiment selbst mit bestimmen und auch Regale „spiegeln“, also Platzierungen selbst machen. Ich habe es geliebt.

1990, mit 24 Jahren, hab ich den Lebensmitteleinzelhandel verlassen – als Marktleiter hatte ich eine mindestens 60-Stunden-Woche, was nicht sehr familienverträglich war. Trotzdem macht ich sogar noch Sport nebenher.

ein sogenannter Elefantenfuß bzw. Rollhocker.

Es ist heute anders. Ich bin körperlich kaum mehr in der Lage bin, diesen Job auszuüben. Ich bin an das viele Bücken, in die Knie gehen, auf „Elefantenfüße“ stehen und Stehen nicht mehr gewohnt. Auch nach drei Wochen komme ich mit Muskelschmerzen nach Hause, die Füße und die Beine tun weh. Die Arbeit beginnt um 18 Uhr und endet, wenn wir fertig sind. In der ersten Woche  habe ich fast 20 Stunden gearbeitet, jetzt sind es 3 Abende pro Woche, im Schnitt 4,5 Stunden. Hätte ich vor 30 Jahren den Job nicht verlassen, wäre es sicher nicht so schlimm – allerdings sind Langzeitschäden ja nicht auszuschließen und wer weiß, ob ich dort überhaupt noch wäre.

Unter dieser körperlicher Anstrengung noch einen Mundschutz zu tragen, mit dem ich schwerer atmen könnte, kann ich mir derzeit nicht vorstellen. Die Kunden im Markt sind sehr unterschiedlich: es gibt welche, die gehen durch den Laden, als wäre nichts. Sie kommen mir immer mal näher als 1,50m. Manche tragen Mundschutz, ab und zu kommen welche mit Handschuhen. Zwei sehr aggressive Kunden habe ich erlebt: der eine wollte nicht, dass man überhaupt in seine Nähe kommt und hat verzweifelt versucht, von anderen weg zu bleiben. Der andere hat sich darüber beklagt, dass ein Kollege seinen Kumpels gedankenlos die Hand zur Begrüßung gegeben hatte und dann Ware eingeräumt hat. Als könnte man wissen, wer das Päckchen bisher in der Hand gehalten hat – auch, seit es im Regal steht. Beide Männer sind sehr laut geworden und waren kaum ansprechbar. Man hat ein hohes Risiko – schließlich bewegt man sich am Ende durch den gesamten Markt und begegnet vielen Menschen auf relativ engem Raum, wo man sich oft nicht aus dem Weg gehen kann. Und oft genug wird man nicht „gesehen“.

Zu meinen Kolleg:innen Abstand zu halten, ist auch schwer, wenn man gemeinsam eine Palette abräumt. Zu warten bis dieder Kolle:gin jeweils fertig ist: kaum realisierbar.  Nur alleine in einem Gang zu arbeiten – auch nicht realisierbar. Nicht so, wie heute gearbeitet wird. Die Ware kommt in der Regel auf Paletten, wird an den Kopfenden der Warengänge abgestellt. Aufsortiert sind sie nicht sortenrein, zumal ja auch nicht jeder Markt ganz gleich aussieht.  Man hat also verschiedene Abteilungen auf der Palette und sortiert sich einen Einkaufswagen mit Paketen für einen Gang. Es kann also durchaus sein, das man zu zweit im Konservengang arbeitet und sich in die Quere kommt. Abzuwarten, bis derdie Andere jeweils fertig ist, geht nicht. (also ginge schon, aber dann würde alles viel länger dauern). „Früher“ haben wir die Ware vor die Ware gestellt, dann gab es einen Mitarbeiter pro Gang. Das wäre auch heute noch zielführender – zumal man dann das Sortiment besser kennen würde.

Waren einräumen war früher ein fester Bestandteil des Berufs. Nicht nur die frische Ware, sondern auch die in den Supermarktregalen – von Kaffee bis hin zu Kosmetikartikeln. Irgendwann haben die Ketten angefangen, diesen Teil des Berufs an externe Dienstleister zu vergeben. Der Vorteil lag auf der Hand: der Dienstleister war nicht an den Tarifvertrag gebunden und bis zur Einführung des Mindestlohns konnte man die Mitarbeitenden auch nach Anzahl der erledigten Pakete bezahlen. Es waren erhebliche Möglichkeiten da, den Preis und den Lohn in der Folge zu drücken.  „Alt vor neu“ ist in der Regel keine Regel mehr – sollte schon, aber konsequent macht das niemand mehr. Wichtig ist, dass die Ware schnell in die Regale kommt. Die Hamsterkäufe haben dafür gesorgt, dass manche Altware verkauft wurde, die immer wieder nach hinten geschoben wurde. Der Vorgang des Wareverräumens wird durch zentrale Regalgestaltung entwertet , derdie Minijobber:in bekommt keinen adäquaten Lohn, eine Bindung an den Markt ist kaum dar, Anweisungen dürfen nur vom Teamleiter kommen, das Ladenpersonal hat keine Weisungsbefugnis. Ich versuche, so zu arbeiten, wie mach das mal gelernt habe, soweit das heutzutage noch geht. Aber natürlich komme ich an meine Grenzen.

Fazit: es ist halt ein Job, den man da macht. Und es ist schwere, körperliche Arbeit. Man füllt nur auf, es fehlt der Ausgleich, den man früher hatte: mal ne Stunde an die Kasse oder an die Bedienungstheke, die Zeit für Kundengespräche und -beratung, und so vieles mehr, was diesen Beruf auch ausmacht. Gesellschaftlich werden Mitarbeitende in Supermärkten seit Corona als systemrelevant betrachtet – die Auffüllenden werden so gut wie nirgendwo erwähnt. Wie in vielen anderen Dingen in dieser Krise: die ganz unten auf der Leiter werden übersehen.

Corona-App wird kommen – gezwungen freiwillig

Die Lage ist und bleibt undurchsichtig, noch niemand versteht so richtig, was genau passiert, es gibt noch immer keine sicheren Corona-Tests und bis die Herde immun ist – in einer globalisierten Welt also die Weltbevölkerung – wird es dauern. Ob es einen Impfstoff geben wird, ist unklar – aber das ist zweitrangig. Denn wer sagt uns denn, dass im nächsten Jahr nicht ein neuer Virus vom Tier auf den Menschen springen wird und die gleiche „Karriere“ macht wie Corona?

Die Anzeichen, dass unter einer auch nur teilweisen Aufhebung des Lockdowns die Infektionen wieder ansteigen, sind recht deutlich. Zu früh, zu wenig Schutz gibt es. Zu Wenige sind  bereit, sich einzuschränken. Es scheint, als wäre die kapitalistische Gesellschaft im Wartestand, am Tag X, wenn – ja was eigentlich genau – passiert, sofort wieder durchzustarten. Wie Rocky Balboa muss sie einen herben Schlag einstecken, geht vielleicht zu Boden, richtet sich auf, schüttelt sie sich – und am Ende gewinnt sie – oder erreicht zumindest ein Unentschieden. Das scheint der Wille und der derzeitige Glaube in der Gesellschaft und in der Politik zu sein. „Hinterher“ müsse es wieder weiter gehen.

Ich befürchte, dass sich abzeichnen wird, dass „es“ länger als bis Juni andauern kann. Wir haben unseren Urlaub zwar auf Ende August/Anfang September umgebucht, aber ich vermute mal, dass wir ihn nicht antreten werden. Vielleicht im nächsten Jahr an Pfingsten.

Wie lange wird sich die Weltgesellschaft den downgelockten Zustand leisten können? Was passiert, wenn klar wird, dass es nicht schnell wieder aufhört? Wenn man nicht weiter Geld in ein System pumpen kann, das sich nicht trägt?

Ein Mittel, dass man sich vorstellt, ist eine Corona-App. Per Bluetooth verbindet sich das eigene Smartphone/Telefon/anderes Device mit allen anderen um sich herum und anonymisiert werden alle Kontakte festgehalten, die man so über den Tag hatte. Infiziert man sich, werden die Daten dazu benutzt, denjenigen festzustellen, von dem man sich infiziert hat und so lassen sich die eigenen und dessen Kontakte schnell in Quarantäne verfrachten. All das, bis es entweder eine Herdenimmunität gibt –  sofern es sie geben wird – und wir nicht mehr damit rechnen müssen, nicht richtig behandelt werden zu können, weil es zu viele Patient:innen gibt. Es soll anonym sein – aber was passiert eigentlich, wenn der Infizierte nicht frewillig mitmacht? Erzähle mir keiner, er wäre dann nicht identifizierbar.

Es gibt Verlautbarungen, aus der CDU beispielsweise, die fordern, die App automatisch auf allen erreichbaren Smartphones installieren zu lassen und eine Widerspruchslösung wollen. Sprich: ein automatisches Update fürs Gerät wird eingespielt, die App meldet sich und man kann auswählen, ob sie aktiviert wird oder nicht. Konstantin von Notz von den Grünen widerspricht (noch) und meint, die Apps werden nur erfolgreich sein, wenn sie transparent und freiwillig seien.

Wenn die App die Lösung für ein „Weiter so“ zu sein scheint, dann wird es sie geben.  Nicht freiwillig. Irgendwann gibt es ein Update des Betriebssystems, die App wird installiert – und vielleicht gibt es die Wahl, sie zu aktivieren oder nicht. Aber sehr wahrscheinlich wird das „Ja“ oder „Nein“ darüber entscheiden, wie stark die persönlichen Ausgangseinschränkungen bestehen bleiben.

Zum Beispiel könnte es so sein,dass mein Arbeitgeber wieder öffnet, Kurzarbeit beendet. Der Ausgang bleibt generell für Alle beschränkt – aber wer die App aktiviert hat, darf „ganz normal“ seiner Arbeit nachgehen. Und mein Arbeitgeber wird aus Fürsorge für alle Mitarbeitenden verlangen, dass jede:r diese App aktiviert hat. Gleiches wird dann an allen anderen Stellen auch passieren: wer die App nicht aktiviert hat, wird keinen Zugang haben. Man stelle sich vor: Tinder oder andere Flirt-Apps deaktivieren sich, wenn man die Corona-App nicht auf dem Gerät hat.

Dabei ist es unerheblich, ob es die Datenspende-App oder die „ich bin infiziert“-App ist, die eingesetzt wird. Am Ende wird festgestellt werden können, wer keine App hat. Man geht durch die Straße, hat keine App oder sie deaktiviert. Wenn man auf die ersten Menschen trifft, die keine haben,werden die der anderen vor Dir warnen. Jede Kneipe wird den Zugang auf die beschränken, die eine aktivierte App haben. Jeder andere öffentliche Ort auch – Fußballstadien, Konzerthallen. Überall werden Scanner stehen – und wer keine aktivierte App hat, wird nicht eingelassen.

Die Gefahr: wenn sich jeder dran gewöhnt hat, werden mit der Zeit zusätzliche Funktionen möglich sein. Was immer man sich auch vorstellen kann, wird möglich sein. Schließlich haben ja ganz viele nach wie vor „nichts zu verbergen“. Daher wird jede:r, der die App nicht hat, verdächtig sein.

Ja, es wird Mittel und Wege geben, das zu umgehen. Aber darauf wird es hohe Strafen geben. Womöglich sogar Prämien für die, die jemanden melden, der solches tut. Die Aufrufe bspw. des Baden-Württembergischen Ministerpräsidenten, „Corona-Verstöße“ zu melden zeigen schon, wohin der Weg gehen könnte. Mit

„Da geht es jetzt wirklich um Menschenleben“, betonte Kretschmann.

ist vieles erreichbar und der soziale Druck wird steigen,je länger die Beschränkungen andauern, je mehr Menschen von Arbeitsplatzverlust bedroht sind und je mehr Märkte und Marktsegmente  zu kollabieren drohen.

Die App wird kommen.

Ein dystopischer Ausblick? Womöglich. Aber soweit hergeholt, sicherlich nicht.

Schule nach Corona

Die Coronapandemie hat Kultusministerien, Schulen, Eltern und Schüler:innen dazu gezwungen, mehr oder weniger von Heute auf Morgen auf Schule @daheim umzustellen. Die Notwendigkeit, dies schnell und ohne großartige Vorbereitung zu tun, hat sehr schmerzlich offenbart, wie wenig Schule und Bildung digitalisiert ist, wie abhängig Bildung von Präsenz ist, wie unterschiedlich versiert Lehrer:innen sind, wie unterschiedlich Lehrer:innen bereit und in der Lage sind, neue Wege zu gehen. Bildungsgerechtigkeit erfährt noch einmal eine ganz neue Bedeutung und die Frage, de sich ja in allen Bereichen der Gesellschaft stellen müsste ist: was lernen wir daraus und wollen wir hinterher einfach zurück zu dem, was immer so war.

In jeder Krise steckt eine Chance und kann man zunächst zurückblicken – und dann den Blick nach vorne wagen.

Im Blick zurück fällt auf: subsidarisch waren Zustand und Ausstattung von Schulen vor allem ein Problem städtischer und gemeindlicher Haushalte. Eine Schule, die in einem Ort stand, der gute Steuereinnahmen hatte, war, wenn die Schulleitung mit einigermaßen offenen Augen durch ihr Schulhaus ging, gut ausgestattet, Toiletten, naturwissenschaftliche Räume, IT und PC-Räume waren auf einem guten Stand. In ärmeren Gebieten oder auch nur Gemeinden war das anders. Wir alle kennen Bilder von maroden Schulen, kennen Berichte von veralteter IT und Computerräume – wenn überhaupt vorhanden.

Die Lehrerversorgung war und ist schlecht. Man hat zwar vielerorts die Schulzeiten durch bspw. das G8 verkürzt – aber irgendwie ist der Bedarf nach mehr Lehrer:innen wegen längerem Unterricht,mehr Aufgaben, Ganztagessschulen nie wirklich in den Kultusministerien angekommen – zumal der Haushälter der jeweiligen Regierung auch noch ein Wörtchen mitzureden hatte. Und so reden wir seit Jahren von Lehrendenmangel. Und anstatt wirklich Neues zu wagen, Systeme umzustellen, die Chancen, die die digitalisiertere Gesellschaft bietet, zu nutzen, wird an Althergebrachtem festgehalten.

Und Bildungsgerechtigkeit,ein Schulsystem, das wirklich niemanden zurücklässt –  bleibt eine Utopie. Nicht nur in Baden-Württemberg, wo grün-rot mit viel Elan das Projekt „Gemeinschaftsschule“ gestartet hat, und dann unter dem Druck von Eltern, Lehrer:innenverbänden und der eigenen Mutlosigkeit diese weitgehend zu einer besseren Werkrealschule hat verkommen lassen – anstatt endlich ein Zweisäulensystem einzuführen und durchzusetzen.  Von „gemeinsamen Unterricht bis Klasse 9 oder 10“ ganz zu schweigen.

Wie wäre es denn, wenn man die Schule mit täglicher Präsenzpflicht umbaute – zu einer Schule, die Schule @daheim erlaubte?

In der Erwachsenenbildung ist es gang und gäbe, dass virtuelle Klassenzimmer entstehen, derdie Lehrende an irgendeinem Ort in der Republik (oder auf dem Planeten) ist, mehrer Klassenräume betreut, Prüfungen online abgenommen werden. Unterricht mit Arbeitsblättern und Videos, die man anschauen muss, um weiter zu kommen, ergänzt wird. Und derdie Lehrende trotzdem anstprechbar für alle Teilnehmenden ist.

Ein solches System könnte den regulären Unterricht an der Schule, wie wir ihn heute kennen, ergänzen oder sogar fast komplett ersetzen. Voraussetzung dafür wären für jede:n Schüler:inn ein Endgerät (hardwareseitig eingeschränkt, damit ausschließlich für Schule nutzbar), ein adäquater Anschluss ans Internet, in der Grundschule die Heranführung an die Technologie und ab der Sekundarstufe die konsequente Nutzung.

Es gäbe die Möglichkeit, Unterricht zu entzerren. Schüler:innen könnten jeden Monat nur drei von vier Wochen an der Schule sein müssen. Oder sogar noch weniger. Schulhauspflege- und abnutzung wäre eingedämmt, Ausbauten vielelicht nicht nötig, öffentliche Haushalte würden geschont.  Die Präsenzpflicht würde um eine Online-Präsenzpflicht erfüllt. In Sonderfällen könnten Schüler:innen sogar komplett ihre Schulpflicht zu Hause erfüllen. Sozialarbeiter:innen und Lehrer:innen könnten die Umstände daheim verifizieren, dort, wo es schwierig wäre oder schwierig ist, auf einer Präsenzpflicht bestehen oder Räumlichkeiten im Schulhaus oder Jugendzentren bereitstellen. Wer mit seinen Kindern ein Jahr auf eine Reise gehen möchte – könnte das tun. Es müsste nur gewährleistet sein, dass zu den regulären Unterrichtszeiten dsa jeweilige Kind online ist.

Wenn man dazu noch die Lehrpläne individualisiert – also Wissensziele innerhalb bestimmter Zeitspannen festlegt, könnte sogar von starren Ferienregelungen abgewichen werden. Lehrer:innen wären ganzjährig mit regulären Stundentafeln an der Schule oder im Homeoffice mit gesetzlichem Urlaub. Arbeitszeiten der Eltern könnten sich dem Lernrhythmus der Kinder anpassen – anstatt strikter Schulzeiten.

Schneller lernen oder langsamer Lernen wäre möglich – Sitzenbleiben könnte abgeschafft werden, am Ende sogar das Festhalten an Jahrgangsstufen. Jede:r lernt in seinem:ihrem Tempo und kommt inidivuell zum ZIel. Man kann die Prüfungen ablegen, wenn man soweit ist – nicht, wenn man X Jahre lang ein bestimmtes Fach belegt hat. Es bräuchte keine „Hochbegabten“ mehr, keine Sonderschulen – sondern nur noch individuelles Lernen. Alle Schüler:innen würden von einem Team begleitet, das auch Ergo, Physio- und Logopädie umfasst, Sozialarbeiter:innen stellen Handlungsbedarfe fest. Vereinssport kann – in ausreichendem Maße – Schulsport ersetzen.

Ich könnte mir noch viel mehr vorstellen. Viel weitergehende Änderungen und  Erweiterungen. Aber es wäre wichtig, dass jetzt die Gelder aus dem Digitalpaket in die digitale Schule investiert werden – und nicht banal in IT-Ausstattungen der Schulen oder Tablets für Alle – mit denen dann klassische Arbeitsblätter ausgefüllt werden. Und natürlich gelten diese Handreichungen für alle, die es eben nciht gerade so können.

Schule @daheim – jeden Tag. Eine gute Utopie.