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Am Tag danach (eine Utopie)

Und am Tag danach wachten die Bundesbürger*innen morgens auf und sagten sich – so kann es nicht weiter gehen. Wir haben uns geärgert und das mit allem Recht – aber das geht uns nun zu weit.

Und die Mitglieder der demokratischen Parteien fassten endlich Mut und sie trafen sich im Plenarsaal – ganz ohne Termin, alle hatten das dringende Bedürfnis, miteinander zu sprechen. Während die AfD siegestrunken in ihren Wahlkreisen ihre neuen Abgeordneten in Hessen und Bayern feiert und Hubert Aiwanger seinem Bruder überschwänglich dankte, dass er ihn gerettet hatte – fanden alle anderen, dass sie zu weit gegangen waren.

Die Zeitungen berichteten überrascht von vollen Zügen und Autobahnen, zigtausende Menschen waren auf dem Weg nach Berlin und strömten ins Regierungsviertel, picknickten auf der Wiese vor dem Reichstag, einige hatten sogar Zelte dabei. Es gab kaum Streit, die Polizei blieb friedlich und die Tagesschau sendete einen Brennpunkt nach dem anderen.

Die Regierung und der Deutsche Bundestag beschlossen, dass sie die AfD verbieten lassen würde und der Bundesstaatsanwalt, dass er Hubert Aiwanger wegen Antisemitismus verfolgen werde. Noch am selben Tag ging der Verbotsantrag an  das Bundesverfassungsgericht und der bayrische Landtag hob die Immunität des bayrischen Wirtschaftsministers auf.

Die Verfassungsrichter setzten den Termin für die Verhandlung über den Verbotsantrag auf den Freitag derselben Woche auf. Der Einspruch der AfD wurde abgewiesen, weil ja eh alle wussten, wer sie tatsächlich waren. Und auch Hubert Aiwanger hatte einen ersten Anhörungstermin. Sein Bruder kam nicht mit.

Am Freitag entschied das Bundesverfassungsgericht, dass die AfD mit sofortiger Wirkung verboten wird, alle ihre Mandate in allen Parlamenten und Räten verlieren würde. Hubert Aiwanger legte sein Mandat nieder. Gleichzeitig ordnete das Gericht Neuwahlen in allen Länderparlamenten, in allen Kommunen und für den Bundestag an. Die Gelder der AfD wurden eingezogen und kamen Flüchtlingsinitiativen und Integrationsmaßnahmen zugute. Nur die AfD-Abgeordneten im EU-Parlament durften dort noch sitzen – aber sie durften nicht mehr AfD heißen.

Auf der Wiese vor dem Bundestag feierten die Menschen ausgelassen die Entscheidung, der 13.10.23 wurde zum neuen Nationalfeiertag ausgerufen und am Sonntag fuhren dann alle wieder nach Hause. An Silverster 23 und Neujahr 24  fanden in allen 16 Bundesländern und in allen Kommunen Wahlen statt. Die Ergebnisse waren eindeutig: CDU und SPD landeten mit jeweils 10% in der Opposition, abgestraft für jahrelanges Appeasement an die Politik der AfD. Die neue Bundeskanzlerin Baerbock regierte mit einer Doppelspitze mit Janine Wissler die grün-knallrote Regierung, die eine Koalition mit jeweils 25% errungen hatten. Die neue Wagenknechtpartei kam auf 0,5%. Die Grünen, endlich enthemmt von Koalitionen mit CDU, besann sich auf die Grundwerte ihrer Partei, die Linke sicherte den sozialen Frieden. In allen Bundesländern und Kommunalparlamenten und -räten sah die Situation ähnlich aus.

Im Laufe des Jahres 2024 wurden Maßnahmen ergriffen, die gewährleisteten, dass Deutschland weit über seine Klimaschutzziele hinaus agieren würde. Die Wirtschaft brummte, der Energiesektor wurde ebenso wie öffentliche Infrastruktur vergesellschaftet, Windräder und Fotovoltaik und Solarthermieanlagen aus Deutschland wurden zum Exportschlager und schufen viele Arbeitsplätze für die Menschen, die in der Verbrenner-Autoindustrie ihre Jobs verloren. Alle deutschen Autohersteller beschlossen ab 2025 nur noch E-Autos zu produzieren und Autos, die größer waren als ein VW-Golf oder Passat wurden nicht nur noch als Sonderanfertigung gebaut. Überall im Land entstanden Windräder, alle Dächer waren mit Fotovoltaik und Solarthermieanlagen bestückt. Und da, wo das nicht ausreichte, sorgten bald Wärmepumpen für Wärme im Winter. A

Am 1. Januar 2028, bei der ersten Neuwahl nach dem, was international der demokratische Schock in Deutschland genannt wurde, wurde die Regierung in ihrem Amt bestätigt. Alles war gut.

 

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