meine erste Rede bei Querdenken bzw Eltern für Aufklärung

meine erste Rede bei Querdenken bzw Eltern für Aufklärung

Die Eltern für Aufklärung hatten dazu aufgerufen, vor dem Schulamt Karlsruhe eine Kundgebung abzuhalten. Unter dem Motto „Hände weg von den Kindern“ war man -natürlich – gegen Masken in der Schule, gegen Tests (also Tests auf eine Coronainfektion) und gegen Ausgrenzung. Die Aufregung ist gerade groß, weil ja jetzt die wöchentlich zweimalige Testpflicht eingeführt wird. Ohne erfolgten Test darf man in der Regel nicht mehr am Präsenzunterricht teilnehmen.

Ein negatives Testergebnis soll dann Voraussetzung für die Teilnahme am Präsenzunterricht an öffentlichen Schulen und Schulen in freier Trägerschaft sein. Einbezogen in die Testungen sind grundsätzlich sowohl die Schülerinnen und Schüler aller Klassen und Jahrgangsstufen – von der Grundschule bis hin zu allen beruflichen Bildungsgängen – als auch das gesamte an den Schulen vor Ort tätige Personal. Ebenso gelten die Regelungen für Kinder, die an den Schulen die Notbetreuung (Klasse eins bis einschließlich sieben) in Anspruch nehmen.

Da sich die Eltern für Aufklärung direkt ans Schulamt wenden wollten und zusätzlich ein Offenes Mikrofon anboten, sah ich mich in der Pflicht, als Vorsitzender des Gesamtelternbeirats der Karlsruher Schulen dort zu sprechen. Schließlich sind wir die offizielle Vertretung der Eltern, die dort auflaufen wollten. Mir war natürlich klar, dass sie nicht in der Lage sein würden, meine Rolle, die ich als GEB-Vorsitzender habe, von meiner Aktivistenrolle gegen Querdenken zu trennen, aber das war ja vordergründig nicht mein Problem. Ich war ja da, um darzustellen, wie sich der GEB positioniert. Das hatte mit mir persönlich nur bedingt etwas zu tun – ich bin Teil eines siebenköpfigen Vorstands, der seine Beschlüsse mehrheitlich – also demokratisch – fasst.

Gehupe, Gepfeife und Gebrülle gab es praktisch von der ersten Sekunde an, in der ich anfing zu reden, schon aufgehetzt von der Veranstalterin. Meinen Hinweis, dass, wenn man „Frieden, Freiheit, Demokratie“ skandiert, nicht andere nicht zu Wort kommen lassen kann, fand leider auch keine Zustimmung (im Video zu hören: für Sie nicht). Von Frieden wollte ich angesichts der sehr aggressiv auftretenden Menge nicht sprechen. Eine Dame kam mir während der Rede sehr nahe, wollte etwas fragen. Sie konnte nur mit Mühe wieder auf richtigen Abstand gebracht werden – eine Maske trug sie nicht. Sie kannte mich von irgendwoher, ich habe keine Ahnung woher. Im Nachgang zur Rede, als ich den Platz wieder verlassen wollte, sprach sie mich an und meinte „Wenn ich scheißen könnte, Herr Rupp, würde ich vor Sie hinscheißen“. Sie folgte mir weiter, meinte: jetzt wüssten Sie gerne, wer ich bin“ – mein „Nein“ führte endlich dazu, dass sie sich wieder ihren Dingen zuwandte. Mich kann ja wenig schocken – aber diese Fäkalsprache fand ich echt megaabsurd. Wie kann ein erwachsener Mensch so etwas von sich geben?

Ein weitere Mann ging mich sehr aggressiv an, meinte, ich solle mich verpissen, eine Dame kam mir sehr nahe, mit Trillerpfeife im Mund, trillerpfeifte mich an und meinte, ich würde bestraft werden. Ein weitere Herr nannte mich sicherlich 5 mal „Systemhure“ und er sah irgendwie aus, als hätte er sich auf eine Schlägerei gefreut. Leider kann ich der kaum zurückgehaltenen Aggressivität dieser Friedensrufer nichts abgewinnen und lehne Gewalt gegen Personen grundsätzlich ab.

Zum Glück war ich nicht alleine da, es waren noch ein paar Leute mit dabei, sodass ich notfalls Unterstützung gehabt hätte. Auch die Polizei hatte die Situation sehr genau im Auge und wird in einem Fall wohl sicher ein Bußgeld wegen fehlendem Abstand erteilen.

Den Reden, die sie hielten, konnte ich leider nur bedingt zuhören, die immer selben Lügen über Masken, Tests und den Staat und so weiter  kann ich leider nichts mehr abgewinnen. Ich finde, dass sie jedenfalls mit ihrem Verhalten, dass sie auf dieser Kundgebung während meiner Rede an den Tag legten, ihren Kindern sicherlich größeren Schaden zugefügt hätten, wären sie dabei gewesen, als  ein Schnelltest es jemals tun könnte.

Zur Rede: (es gilt das gesprochene Wort, ich musste etwas kürzen, um die Redezeit von 5 Minuten nicht zu überschreiten. Mein „Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit“ wurde leider abgeschnitten):

Guten Tag,

meine Name ist Jörg Rupp, ich bin Vorsitzender des Gesamtelternbeirats der Stadt Karlsruhe. Der GEB vertritt rund 90 Karlsruher Schulen und damit die Eltern von gut und gerne 22.500 Schüler:innen. Wie Sie sich sicher denken können, beschäftigt auch uns die Pandemie seit den ersten Schulschließungen. Elternarbeit ist auch für uns, ohne das wir uns treffen können, nur schwer möglich. Wir stellen für Karlsruhe fest, dass viele Eltern weitgehend zufrieden sind mit der aktuellen Situation. Wir haben in zwei formlosen Umfragen Bestätigung für unsere bisherigen Stellungnahmen erfahren und viele positive Rückmeldungen bekommen. Kritik richtet sich meistens an Dingen wie der fehlenden Digitalisierung und der Sorge um Bildungslücken auf.

Wir haben in unserer letzten Vorstandssitzung daher beschlossen, dass wir uns dafür einsetzen dass in allen Schularten (außer den SBBZ) in den Klassen, im Unterricht, auf den Fluren und dem Schulhof Masken getragen werden sollen, sofern der Abstand von 1,50m nicht gewährleistet ist. Wir gehen davon aus, dass der Abstand nur bei gestaffelten Pausenzeiten möglich sein wird.

Wir wollen auch, dass den Schüler:innen nach einer gewissen Tragezeit eine Pause zu gönnen ist – so wie es in der Handreichung von der Schulverwaltung auch steht. Es ist für uns völlig klar, dass jedem Schüler ausreichend OP-Masken kostenlos zur Verfügung gestellt werden – Gesundheitsschutz darf nicht am Geldbeutel der Eltern hängen.

OP-Masken und FFP-Masken sind für uns grundsätzlich Einmalartikel und sollten nicht wieder verwendet werden. Daher sind entsprechende Mülltonnen für die sachgerechte Entsorgung gebrauchter Masken vorzuhalten.

Das Tragen von Masken soll ergänzt werden durch alle technischen Maßnahmen, die möglich sind:

    • Luftfilter in jedem Klassenzimmer

    • CO2-Ampeln in jedem Klassenzimmer

    • Plexiglasscheiben an jedem Schreibtisch

Alle Schüler:innen in Präsenz sollten täglich, nicht nur zweimal die Woche getestet werden. Dazu muss vor jeder Schule ein Testzentrum entstehen, nicht alle Eltern können oder wollen in die Testzentren fahren. Das RKI macht deutlich, dass ein Testergebnis mittels Schnell- oder Selbsttest für maximal einen Tag gelten kann. Wir verwenden uns dafür, dass die nichtinvasiven Speicheltests, die eine Zulassung haben, eingesetzt werden. Es gibt Eltern, die sich Sorgen wegen der Stäbchen machen – so unbegründet die auch sein mögen. Und es gibt Kinder, für die ein Stäbchentest eine hohe Hürde für die freiwillige Teilnahme ist. Darauf, finde ich, kann man Rücksicht nehmen.

Mit CO2-Ampeln und Luftfiltern sowie Trennwänden sollte es möglich sein, die Maskenpflicht während des Unterrichts soweit auszusetzen, dass Unterricht ohne Maske möglich ist. Die Inzidenzspanne von 100 bis 200 für Präsenzunterricht ist in unseren Augen unverantwortlich. Schule ohne Masken ist so, ohne technische Aufrüstung, nicht möglich.

Persönlich finde ich, dass Schüler:innen nach Zulassung von Impfstoffen sofort ein Impfangebot gemacht werden muss. Derzeit ist der Biontech-Impfstoff für junge Erwachsene ab 16 Jahren zugelassen, die noch irgendwie in Bildungssystemen oder Freiwilligendiensten stecken. Schüler:innen sollten sofort Zugang zur Impfung haben – denn viele von ihnen stehen vor Abschlussprüfungen, vor Praktika, im sozialen oder ökologischen Jahr, oft in KiTas oder Pflegeeinrichtungen.

Außerdem haben die Schulleitungen mehr Kompetenzen erfahren – z. B. Bei der Frage, ob Vollpräsnez oder Hybridunterrichtund das ist auch richtig. Sie kennen ihre individuelle Situation am besten, die von der Größe von Klassenräumen, baulichen Maßnahmen (vergrößerbare Klassenzimmer durch zu öffnende Trennwände) und vor allem auch die Schüler:innenschaft geprägt ist. Maßnahmen, die an einer Schule sinnvoll sind, können an anderen Schulen vielleicht etwas großzügiger ausgelegt werden. Wir erleben die Schulleitungen als kompetent in ihrer jeweiligen Situation und insgesamt an einer guten Lösung für ihren Verantwortungsbereich interessiert.

Das Virus macht an der Schultüre nicht halt, weder beim Reingehen noch beim Rausgehen. #SchulenKitasBuerosZu ist die einzige Option, von den absurd hohen Zahlen runter zu kommen.

80% der in der Bevölkerung stattfindenden Infektionen sind unbekannter Herkunft. Von den 20% bekannten sind Arbeit und Kita gleich auf, seit man in Kitas testet. Schulen waren vielerorts geschlossen, wurde kaum bei Kontakt getestet. Es ist aber anzunehmen, dass die Zahlen hier ähnlich sind. Auch darüber benötigen wir endlich Klarheit.

Die Bundesschülerkonferenz hat sich ebenfalls für eine Testpflicht ausgesprochen. In Telegramgruppen, in denen auch Sie sich informieren, wurde dazu aufgerufen, gegen diese zu „kommentieren“. Ich lese Ihnen jetzt ein paar Stellungnahmen vor:

 

Quelle: https://twitter.com/darioschramm/status/1381664779048222727

 

Ich finde, das ist nicht die Tonlage, in der wir diese Auseinandersetzung, in der jede:r das Beste für alle Kinder möchte, führen sollten. Demokratisch legitimierte Vertretungen haben das Recht und die Pflicht, Stellung zu nehmen, Vorstände das recht, Stellungnahmen abzugeben. Kritik daran kann man immer äußern, auch das ist demokratische Pflicht. Allerdings sollte dies in einem respektvollen Tonfall geschehen.

Wir arbeiten derzeit an einem Konzept, der es uns möglich macht, mit den Karlsruher Eltern über unsere jährliche Sitzung und den Filter Elternbeiräte hinaus ins Gespräch zu kommen. Das ist technisch nicht trivial. Wir werden Sie über die Elternbeiräte und Schulen informieren, sobald wir eine Lösung haben.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit

 

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