Querdenker in Karlsruhe zerstritten?

Querdenker in Karlsruhe zerstritten?

Die Querdenker haben als Gruppe seit dem 14.11.20, also seit dem unsäglichen, antisemitischen Anne-Frank-Vergleich keine eigene Veranstaltung mehr gemacht. Das mag mit am bundesweiten Shitstorm liegen, wobei die Verantwortlichkeit der Karlsruher Organisatoren trotz verharmlosender Äußerungen dazu gar nicht Thema wurde.  Vermutlich auch, weil sie auf Presseanfragen nicht reagiert hatten. Angeblich ist etwas geplant, genaue Infos gibt es aber bislang nicht.

Statt dessen etablieren sich andere Gruppen, die sich nicht unter dem Label „Querdenken“ verorten lassen (wollen), allerdings inhaltlich und personell gleich oder ähnlich sind.

Da ist einmal die Gruppe, die die Demos vor dem Bundesverfassungsgericht organisiert. Die Protagonisten etablieren sich aus der Telegramgruppe „Pforzheim und Enzkreis aufgewacht“ und um die Werbetexterin Susanne Heel aus Pforzheim. Diese Gruppe hat sich in den letzten Wochen einer zunehmenden Radikalisierung unterworfen. Ähnlich wie viele andere Gruppen wird man angesichts dessen, dass sie zwar viel demonstrieren, aber nichts erreichen, unruhig und wütend. Es wird alles geteilt und bleibt unwidersprochen, von Trump-Fanpostings bis hin zu freundlichen Gedanken zu Hitler oder Begeisterung für Fiechtner:

Ich habe viel Respekt vor einem Dr. Fiechtner, welcher genau aus diesen Gründen lieber parteilos im Landtag sitzt!

Dann gibt es neuerdings eine Gruppe, die sich „Peace-Love-Music“ nennt. Die Gruppe organisiert viele kleine Tanzdemos, bei denen gezielt (manchmal nach 20 Uhr) auf die Straße gegangen wird, um unter lauter Musik zu tanzen und zu zeigen, dass „man sich nicht einsperren“ lässt. Diese Gruppe hat wohl die Mahnwache vor dem Bundeverfassungsgericht übernommen. Die Veranstaltungen insgesamt sind kleiner, es gibt keine Reden, dafür wird halt getanzt. Aktuell gibt es 5 Termine auf der Homepage, donnerstags macht man wohl zuerst Mahnwache und tanzt dann. Relevant ist das nicht – nur laut und belästigend. Organisator ist Tobias Loose aus Wössingen. Für die Palmbacher Veranstaltung zeichnet wohl Wolfgang Weiler aus Pfinztal.

Pikant ist das Ganze, weil sich diese Truppe angeblich von Querdenken distanziert.

Quelle: BNN vom 11.01.21

Ziel der Kritik der Kundgebungsteilnehmer waren dabei die Folgen der Corona-Beschränkungen, wie Anmelder Wolfgang Weiler aus Pfinztal gegenüber den BNN sagte. Ausdrücklich distanzierte er sich von der Querdenker-Szene, damit habe man nichts zu tun.

Was natürlich eine Schutzbehauptung ist. Weiler ist ja kein völlig Unbekannter. Allerdings sah sich daraufhin Güzey Israel genötigt, dazu Stellung zu nehmen. Israel, die im Dezember mit der Frauenbustour unterwegs war und damit Teil der Spendenaquisetour um Eva Rosen, deren Abrechnung  (PDF) dieser Tour sehr fragwürdig sind, äußert sich so dazu:

Ergänzend muss man wissen: vor wenigen Wochen waren Israel und Loose noch ein Herz und eine Seele und wurden nicht allzu unfreundlich von den BNN portraitiert:

Die „Eltern für Aufklärung und Freiheit“ sind vor allem im Pforzheimer/Pfinztäler Raum angesiedelt und ähnlich radikal wie „Pforzheim und Enzkreis aufgewacht“.

Was steckt dahinter? Man kann nur spekulieren.

Schaut man sich die Querdenkenbewegung insgesamt an, dann fällt auf, dass keine:r der Protagonisten etwas tut, ohne dass Spenden gesammelt werden. Überall, wo eine:r was tut, findet sich ein Link zu Paypal-Konten. Querdenken721 hat das zu Beginn nicht gemacht, die Frage, wo all das Geld für das immer professioneller Equipment hergekommen ist, ist bis heute nicht beantwortet. Auch ist unklar, ob die solid-facts-Masken mit und mit wieviel Profit verkauft wurden – und wer das Geld bekommen hat.

Insgesamt ist die Querdenkenszene vor allem, neben ihrer ausgesprochenen Demokratiefeindlichkeit eine riesige Spendenmaschine. Geht es hier also um Geld? Drücken die Männer Loose und Weiler Frau Israel aus der Demoorgansisation, weil sie selbst Spenden – Schenkungen nennen sie es ja immer – akquirieren möchten? Israel hat das so offensiv ja nie gemacht – aber möglicherweise ist sie ja bei Eva Rosen auf den Geschmack gekommen? Wenn man sich angeschaut hat, mit welcher Geschwindigkeit die Karlsruher Schein nach Schein in die Spendenbox der Frauenbustour geworfen haben – 743 € sind in Karlsruhe und Heidelberg laut der oben verlinkten Abrechnung an einem Tag zusammen gekommen – dann scheint das schon ein lukratives, steuerfreies Geschäft zu sein. Und keiner muss Spendenbescheinigungen ausstellen. Das Geld liegt sozusagen auf der Straße.

Denn parallel dazu gibt es ja noch die D-Day 776 Gruppe, die auch Spenden Schenkungen braucht – für den angeblichen Generalstreik. Dann sammeln ja die „Wir machen auf“ Gruppen Geld, die Anwälte für Aufklärung wollen Geld, die Querdenkeranwälte und so weiter und so fort. Da muss man jeden Konkurrenten eliminieren.

Weit hergeholt? Keinesfalls. Querdenker sind Egoisten. Solidarität, Loyalität ist ihnen fremd. Da liegt es nahe, so etwas zu vermuten. Offenlegen tun übrigens praktisch keine all dieser Organisationen ihre Geldflüsse. Schon bei den Großen wie Ballweg ist das schwierig, der Hersteller der solid-facts-Masken ist abgetaucht – eine Nachfolgeorganisation macht wohl weiter mit dem Scheffeln von Geld für Masken, die keinerlei Nutzen haben und deren Gebrauch zu Bußgeldern führt.

Man darf gespannt sein, wie es weiter geht.

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