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Vorabbericht zur Querdenker Demo am 3. Juni in Karlsruhe

Die Karlsruher Querdenker mobilisieren für eine bundesweite Großdemo in Karlsruhe an Fronleichnam. Unter dem Motto „Finger weg von unseren Kindern“ versuchen sie einmal mehr, ihre rechte Gesinnung hinter vermeintlichem Schutz von Kindern zu verstecken. Dabei forcieren sie ihre Verankerung in der bundesweit rechten Szene aus Impfgegner*innen, Reichsbürger*innen, Antisemiten, AfDlern, Rechten Hooligans, Frauenbündnis Kandel schon mit der Auswahl der Redner*innen.

Güzey Israel demonstriert in ihrem Aufruf zur Demo wie so oft reichlich Pathos: wie man denn eine Gegendemo anmelden könne bei dem Motto. Ob man keine Kinder habe. Als würde ein durchsichtig gewählter Slogan irgendwas dran ändern, dass da Impfgegner*innen, Reichsbürger*innen, Antisemiten, AfDlern, Rechten Hooligans, Frauenbündnis Kandel und andere Rechtsaußen auf die Straße gehen. Ja, und ein paar Ökos und Esos. Als ginge es ihnen um die Kinder. Irgendwelche Kinder. Nein, die Motivlage ist eindeutig. Es wird eine Bühne gebaut für Rechte Hetze. Und es wird, so wird es ja bei den unterschiedlichen Kundgebungen immer deutlicher, eine Stimmung erzeugt, die Widerstandshandlungen nach Artikel 20 legitimieren soll. Dazu gehört auch der immer und immer wieder verbreitete Aufruf, auch an nicht genehmigten Demonstrationen teilzunehmen.

Als würde dieser Slogan etwas daran ändern, dass Verschwörungsmythen, wie sie auch Querdenken721 pflegt, natürlich immer auch antisemitisch sind. Der sich ja auch im Telegramkanal immer mehr unwidersprochen verbreitet.

Beitrag aus dem Telegramkanal von Querdenken 721

 

 

 

 

Passend dazu also die Redner*innen. Bisher sind genannt: Gunnar Kaiser und als Moderator Kilez More. Darüber sei man stolz und freue sich sehr

Einer von ihnen ist der Rapper Kilez More[3], ein mittlerweile 31-jährigen Wiener, der sich seit seinen ersten musikalischen Aktivitäten im Jahr 2008 hartnäckig an der verschwörungstheoretischen Großerzählung der „Neuen Weltordnung“ abarbeitet. Die bald anstehende Veröffentlichung seiner neuen EP am 06.09.2019 ist ein passender Anlass, sich kritisch mit Kilez Mores bisherigem Engagement und Wirken zu befassen.

Kilez Mores erste Rapsongs handeln ausdrücklich und beinahe ausschließlich von Verschwörungstheorien. Als übergeordnete Erzählung fungiert in seinen Songtexten die Gruppe der Illuminaten, deren Plan es sei, eine Neue Weltordnung[5] (engl. New World Order; Abk. NWO) zu etablieren.[6]  Er übernimmt Teile dieser Großerzählung und schreibt dieser Neuen Weltordnung nun verschiedene Ereignisse zu. Beginnend mit den Anschlägen am 11. September bis hin zum jährlich stattfindenden, sogenannten Bilderbergtreffen, auf dem angeblich das Schicksal der Welt geplant und umgesetzt wird.

so ist es beim Göttinger Institut für Demokratieforschung zu lesen. Die NWO, die ja nahezu zu 100% von der „Great Reset“-Erzählung ersetzt wurde, ist eine verschwörungsmythische Erzählung, die das angebliche Ziel von Eliten und Geheimgesellschaften bezeichnet, eine autoritäre, supranationale Weltregierung zu errichten.

Die Ausrichtung dieses Menschen ist somit eindeutig, es ist klar, wo er verortet ist.

Gleiches gilt für Gunnar Kaiser, der als Redner angekündigt ist. Jeannette Hagen, Journalistin aus Berlin, beschreibt ihn so:

„Menschen, wie Gunnar Kaiser sind Steigbügelhalter der neuen Rechten. Sie können sich immer herausreden, immer sagen, dass sie selbst doch eine reine Weste haben und trotzdem für rechten Terror und Rassismus verantwortlich sein. Ich halte ihn und alle anderen, die wie er agieren, für brandgefährlich. Weil die Gunnar Kaisers dieser Welt das Eintrittstor sind. Kommen gemäßigt daher, sind aber Zündler.“

Diese Beschreibung passt ohne Weiteres auch auf die Karlsruher Querdenker. Permanent sprechen sie davon, dass sie keine Rechten kennen, doch nicht wissen, mit wem sie sich umgeben – und laden dann Leute wie Lothar Mack ein, verteidigen holocaustrelativierende Vergleiche, verlinken Attila Hiltmann.

Update: 02.06.2021

Die Kooperationsgespräche ziehen sich offenbar hin, zwischenzeitlich berichten die BNN über den Zwischenstand. Die Demo, zuerst vom Festplatz, jetzt auch vom Marktplatz zur Klotze ist gestrichen verboten, es gibt nur noch eine stationäre Kundgebung in der Günther-Klotz-Anlage. Im Sharepic der Ankündigung steht nach wie vor:  „Aufzug nach der Kundgebung“ und es gibt öffentlich Aufrufe, trotz des Verbots nach der Kundgebung eine solche zu starten. Man kann nur hoffen, dass die Polizei und Ordnungsamt das auch wahrnimmt und darauf vorbereitet ist.

Im Telegramkanal von Querdenken721 scheut man sich offenbar, die schlechte Nachricht zu verbreiten. Entweder wollen sie doch noch gegen das Verbot klagen oder fürchten, dass weniger Leute kommen, wenn sie wissen, dass sie sich weitab von allem aufhalten sollen. Es sind rund 4,5km (wenn man belebte Straßen entlang laufen möchte) von der Stadtmitte bis zum Park, wo die Kundgebung stattfinden wird. Außenwahrnehmung wird es also nur über Videos geben. Die Karlsruher Bevölkerung wird nichts mitbekommen.

Zusätzlich sind als Redner*innen angekündigt: Michael Ballweg, Querdenkengründer und autoritärer Führer der Bewegung – und mit Rechtsextremen und Reichsbürger*innen verbunden. Außerdem kommt der Rechtsanwalt Ralf Ludwig, der ja gerne im Fahrwasser von Ballweg mit schwimmt. Wer Ludwig bei einer Personalienfeststellung in einer Nebenstraße bei der Pfingstdemo in Berlin beobachten konnte, konnte sehen, wie viel Propaganda er verbreitet und falsche Rechtsauskünfte er im  Zusammenhang mit Querdenken gibt.

Wolfgang Greulich hat auf Demos schonmal Umsturzfantasien von sich gegeben, so wolle die Bewegung nicht aufhören, bis die „Verbrecher mit Maske und 1,5m Abstand in Den Haag sitzen“. Ein weiterer Rechtsaußen also. Christa Kandetzki ist die Organisatorin von „Karlsruhe – Eltern für Aufklärung und Freiheit“, wo ich eine Rede als GEB-Vorsitzender gehalten hatte. Nach der Veranstaltung verlor Frau Kandetzki ihre Aufträge beim KVJS.

Das Video von der Demo machte wohl unter den Schülern die Runde und einige haben dem Schulleiter gegenüber verlautet, dass sie schockiert sind, dass ich so eine Versammlung durchführe und sie hätten jeglichen Respekt vor mir verloren.

Der Telegramkanal „Karlsruhe – Eltern für Aufklärung und Freiheit“ ist einer der schlimmeren in der Karlsruher Szene.

Alien’s best friend ist eine Musikerduo, die „stimmungsvolle“ Querdenkermusik macht und sowas wie der Star der hiesigen Szene. Bernd Beyerlein gehört zu den „Polizisten für Aufklärung“

Mit den Worten „Achtung, Achtung, hier spricht die Polizei“ hatte der Schutzpolizist seine Ansprache eingeleitet. Es folgte im Oktober die Suspendierung Bayerleins vom Dienst, begründet mit „erheblichen Zweifeln an der Loyalität gegenüber dem Dienstherrn“

und damit zum direkten Umfeld von Karl Hilz, der öfter mal zum Umsturz aufruft oder sich auf den Widerstandsparagrafen beruft.

Murat Akgöz ist Karlsruher, betreibt eine „ganzheitliche Fußballschule“ und den Telegramkanal „Stay Free“. Er macht den Eindruck eines abgerutschten Linken aus der Eso/Alternativszene. In seinem Telegramkanal verbreitet er alles, was es an Verschwörungsmythen gibt.

Güzey Israel hat zwischenzeitlich wegen der kritischen Berichterstattung einen Brief geschrieben, auf den ich in diesem Beitrag eingegangen bin. Der Brief befindet sich auch auf der Homepage des Karlsruher Querdenkenablegers.

Insgesamt zeigt sich mit der Auswahl der Redner*innen, dass die immer wieder wiederholte Behauptung, man sei nicht rechts etc. pp schlicht nicht stimmt. Die Umsturzfantasien, die ein Teil der Redner*innen von sich gibt oder gegeben hat, rechtfertigt auch jede Beobachtung des Verfassungsschutzes (wenn es ihn schon gibt).

Es gibt natürlich einen Aufruf zur Teilnahme an einer der Gegendemos.

Kein Platz für Querdenken – Solidarität statt rechter Verschwörungsmythen!

Am 03. Juni wollen sich nach längerer Zeit wieder Verschwörungsgläubige,
Corona-Leugner:innen und Nazis unter dem Label Querdenken721 in
Karlsruhe auf dem Marktplatz versammeln, um von dort aus in die
Günther-Klotz-Anlage zu spazieren. Mittlerweile sollte klar sein, dass es sich bei Querdenken nicht um
besorgte Bürger:innen mit nachvollziehbaren Ängsten handelt, sondern um
ein Sammelbecken, in dem Verschwörungsgläubige Seite an Seite mit
lupenreinen Faschist:innen demonstrieren.

Auch hier in Karlsruhe haben wir seit über 14 Monaten mit
Querdenker:innen zu tun: Von Esoteriker:innen bis Impfgegner:innen, von
besorgten Eltern bis hin zu AfDlern, Rechten Hooligans und anderen
bekannten Faschist:innen. Ein Beispiel dafür ist Ralph Bühler, der
Ex-AfDler und NPD-affine Hetzer, der immer wieder deutschlandweit und
auch hier in Karlsruhe reden darf.

Die Inhalte von Querdenken sind so unterschiedlich wie dessen
Anhänger:innen, doch sie alle haben gemeinsam, dass sie in der Krise
eine geplante Verschwörung sehen. Die Verursacher sind demnach wahlweise
Einzelpersonen oder Geheimbünde, deren vorrangiges Ziel es ist, die
gesamte Menschheit zu versklaven. Damit lenken sie nicht nur von den echten Problemen ab, sondern bedienen
sich auch antisemitischer Verschwörungsmythen, machen diese wieder
salonfähig und schieben die Schuld auf einige Wenige, statt das
ausbeuterische, kapitalistische Wirtschaftssystem als Katalysator der
Krise zu benennen.

Zwar ist der Kapitalismus nicht Schuld an der Corona-Pandemie, doch er
begünstigt und verschlimmert sie maßgeblich. Das führt dazu, dass sich
die anbahnende Wirtschaftskrise durch Kurzarbeit, Entlassungen und
Verschlechterung der Arbeitsbedingungen noch schneller manifestiert.
Gegen diese Krise helfen jedoch weder Verschwörungmythen noch rechte
Hetze. Eine echte Lösung kann nur erfolgen, wenn wir weg von einem
ausbeuterischen Kapitalismus, der bereit ist Menschenleben zu opfern,
hin zu einem neuen, demokratischen Wirtschaftssystem arbeiten.
Die Freiheit von der die Querdenker:innen reden ist also keine Freiheit,
die die Lebenssituation aller Menschen wirklich verbessert, sondern
lediglich die Freiheit so weiter zu machen wie bisher.
Als Antifaschistisches Aktionsbündnis Karlsruhe wollen wir nicht
zulassen, dass Faschist:innen und andere Rechte ungehindert durch
Karlsruhe spazieren können. Wir werden verhindern, dass durch
Verschwörungsgläubige krude und antisemitische Mythen verbreitet werden,
mit denen sie andere Menschen gefährden und die Krise verharmlosen.

Deshalb wollen wir am 03.06. unseren Protest auf die Straße tragen!

Für Fahrradfahrer:innen 12:00 Uhr, Platz der Menschenrechte (beim ZKM).
Für alle anderen 12:00 Uhr, Protestkundgebung des AAKA in der Günther-Klotz-Anlage (südlich vom See) in Hör- und Sichtweite von Querdenken.

Gemeinsam gegen Querdenken und rechte Verschwörungsmythen!

 

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