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Sonnenuntergang am Cabo de Gata

Auf Reisen – das erste Mal nur zu zweit

Historie:

Im Jahr 2025 hatten wir uns einen alten T5 gekauft. Unser Plan war: eine Reise machen, schauen, wie das ist, das Auto hinterher wieder verkaufen oder behalten. Gesagt getan, über Kleinanzeigen einen gekauft, im Mai sollte es losgehen nach Montenegro, wo wir schon ein paarmal waren. Wir wollten mit einem der Söhne losfahren und dort unten zwei andere Söhne mit Freundinnen treffen. Dafür waren 7 Sitzpätze hilfreich.

Es kam, wie es kommen musste: der Bus verweigerte just am Tag der Abfahrt die volle Leistung, nach mehreren Wochen mit Urlaubszeit in der Werkstatt, eigener Urlaubszeit, Lieferzeiten, Versuchen mit Einspritzdüsen und so weiter zeigte sich: es war der Turbolader, der 2000 Kilometer, nachdem wir das Auto gekauft hatten, den Geist aufgegeben hatte. Kann passieren bei einem alten Auto. Und so fuhren wir am Ende mit dem alten Prius und der Dachbox nach Montenegro und liehen uns vor Ort dort den Siebensitzer, den wir für zwei Ausflüge benötigten. Da hätten wir gleich drauf kommen können.

Der Prius wurde verkauft, der Bus am Ende auch, mit etwas Minus durch die Werkstattkosten und wir machten uns auf die Suche nach einem neuen Auto. Es sollte ein vollelektrisches Auto werden, in dem genügend Platz zum Schlafen war. Die Recherche war aufwendig, der Markt klein und die Reichweite sollte mehr als 300 Kilometer betragen. Das war unsere Idee – und am Ende kamen wir auf den neuen KIA PV5. Den wir dann, über Carwow mit gutem Rabatt kauften.

Daheim angekommen, hat meine Frau zunächst vor allem aus unserem alten Ehebett ein Schlafbett für den Bus eingebaut. Denn was wir schon wussten, war, dass wir Ende Oktober mit dem Auto unseren großen Sohn in Porto abholen wollten. Wir haben überlegt, was wir brauchen. Einen Tarp, ein Seitenzelt, einen V2L-Adapter für die unabhängige Stromversorgung. Eine Campingküche, ein elektrisches Kochfeld, ein kleiner Elektrogrill. Verdunkelungen für die Fenster. Ansonsten die üblichen Campingsachen. Wir wollten im Auto schlafen und ansonsten recht spontan entlang des Mittelmeeres bis nach Tarifa, danach weiter bis Porto, dann über Bordeaux zurück nach Karlsruhe.

Das Abenteuer war für uns, ohne geplante Campingplätze loszufahren. Sowas hatten wir noch nie gemacht. Und dabei wollten wir das E-Auto kennen lernen, Zeit miteinander verbringen, eine andere Art des Reisens erlernen – öfter anhalten, keine Start-Ziel-Fahrten, schauen, wie wir mit Reichweite, Ladesäulen international zurecht kommen würden.

Wir starteten am 7. Oktober morgens kurz nach 9 Uhr in Karlsruhe und fuhren in der ersten Etappe nach Zürich, wo wir einen Kurzbesuch bei Verwandschaft meiner Frau machten. Anschließend fuhren wir weiter bis nach Annecy, wo wir freistehend auf einem Camperparkplatz übernachteten. Wir luden das Fahrzeug in Zürich nach, danach wieder in Annecy. Mithilfe vom ABRP und ergänzend Google Maps fanden wir in Annecy eine Ladesäule und luden dort nach, damit wir am nächsten Morgen gut losfahren konnten. Da ich immer früher als meine Frau aufwache, genoss ich einen kleinen Frühsparziergang durch Annecy, trank einen Kaffee in Bahnhofsnähe, brachte meiner Frau ein Croissant mit und am 8.10. fuhren wir früh um halb Acht los. Nach 203 Kilometern, durch Regen kamen wir in Valence an und luden das Fahrzeug dort erneut. Wir waren noch unsicher und luden das Fahrzeug jeweils voll. Was wir später anders machten.

In Gigean luden wir das Fahrzeug erneut auf und fuhren dann entlang der Küste bis Banyols-sur-Mer. Dort fanden wir keinen uns angenehmen Campingplatz, also aßen wir dort nur zu Abend und fuhren dann weiter Richtung Spanien. In Montseny hielten wir an der Raststätte und verbrachten dort die Nacht.Wir sind an diesem Tag 533 km gefahren und waren mit allen Pausen 7:34 Stunden unterwegs.

Von Montseny aus fuhren wir über Barcelona dann bis nach Oliva. Die beiden Ladepausen machten wir entlang der Autobahn, einmal in Iberdrola, wo wir das Fahrzeug ganz aufluden. In Castellon luden wir noch einmal 20 Minuten lang nach und waren dann abends in Oliva, wo wir 2 Nächte verbrachten. Wir nutzten dort das erstemal den V2L-Adapter und kochten mit der mitgebrachten Kochplatte.

Wir sind an diesem Tag 498 km gefahren und haben mit Besichtigungen 7 Stunden benötigt.

In Oliva wollte ich das Auto vor der Weiterfahrt volladen und erlebte eine kurze Odysee. Ich startete an einer Zunder-Station in Oliva – die App lud nicht. Also weiter zur nächsten Station in Oliva drin: während ich die App lud, stürzte die Ladestation ab. Die nächste Station war besetzt – es parkte gerade ein Auto ein. Also ein neuer Versuch mit der Zunder-App, dieses Mal funktionierte es – und so fuhr ich 20 Minuten später zurück zur Station und lud das Fahrzeug voll.

Am 12.10 fuhren wir weiter nach Süden. Wir liesen uns Zeit und hielten bspw. bei Las Gredas de Bolnuevo an. Den Tag beendeten wir spät in Almeria, am Ende der Stadt, nach 407km Fahrt und 7:11 Stunden Fahrt. Almeria und das Plastikmeer über den Anbaugebieten für das Obst hat uns sehr beeindruckt. Wir sind auf der Suche nach einer Übernachtungsstation runter von der Autobahn, fanden aber den ersten Parkplatz zum Übernachten nicht sehr symphatisch und fuhren daher weiter bis Almeria – wo wir am Camping La Garoffa gerade noch eingelassen wurden. Wir hatten von unterwegs Kontakt aufgenommen.

Der nächste Tag führte uns über Granada dann vorbei an Gibraltar nach Tarifa, wo wir eigentlich ein paar Tage bleiben wollten. Aber es war windig, der Strand zu weit weg vom Campingplatz und so blieben wir dort nur eine Nacht. Wir fuhren 449 km in 7 Stunden.

Wir beschlossen also, doch einen Besuch in Gibraltar zu machen und fuhren dafür zurück nach Gibraltar. Die Nacht verbrachten wir in der Marina, die überwacht ist und so wie wir dachten, Zugang zu Duschen und Toilette bot. Dem war leider nicht so – aber durch einen glücklichen Zufall konnten wir sie dennoch nutzen. Es waren nur 44 km, die wir an diesem Tag fuhren. Wir hatten einen schönen Tag in Gibraltar, der interessant war. Am schönsten waren aber weder die Herkulesfelsen oder die Tropfsteinhöhle des St. Michael oder die Beschreibungen der britischen militärischen Besetzung im 2. Weltkrieg – sondern der Ausblick von ganz oben, ein Essen in einem marokkanischen Restaurant, das vorzüglich war.

Den Tag danach verbrachten wir in Tanger, wo wir mit der Fähre als Fußgänger hinfuhren. Wir wussten, dass wir ein touristiches Eelebnis haben würden, wollten uns aber einen Eindruck verschaffen. Dafür war es wirklich interessant. Einen Guide buchten wir über Get your Guide.

Am nächsten Tag fuhren wir bis Rota, in der Nähe von Jerez de la Frontera, wo wir am Freitag alte Freunde besuchen wollten. Der Plan war, jetzt endlich ein bisschen „normaler Urlaub“ mit Campingplatz, Strand und Ruhe zum Ausspannen zu haben. Wir mussten auf einem Camperparkplatz am Punta Candort nächtigen, da der Campingplatz schon die Rezeption geschlossen hatte. Aber am nächsten Tag konnte wir endlich am Camping Playa de Aquadulce einchecken. Es waren nur 187 km, die wir an diesem Tag gefahren sind. Wir machten zwischenrin einen kurzen Ausflug nach Cadiz und fuhren dann erst am Freitag, den 23.10. weiter nach Jerez de la Frontera – nur 27 km von unserem Campingplatz entfernt. Das Auto luden wir in einer Tiefgarage, wo wir es auch über Nacht stehen lassen konnten.

Am nächsten Tag, nach dem Frühstück, fuhren wir mit 454 km Reichweite los, um den letzten Abschnhitt unserer Reise anzugehen: wir fuhren nach Porto in Portugal, um den ältesten Sohn und seine Lebensgefährtin abzuholen und über zwei Zwischenstopps für Weinproben zu seinen Großeltern zu bringen. 739km waren das – die längste Strecke auf dieser Tour, inklusive Campingplatzsuche in Porto und Fahrt in die Stadt zum Abendessen und wieder zurück. Wir verbrachten die Nacht auf einem Camperstehplatz direkt am Meer und wurden am nächsten Morgen mit einem phänomenalen Blick auf den Atlantik belohnt.

Nach einem kurzen Sightseeing in Porto fuhren weiter zur ersten Weinprobe bei Quinta Do Vallado. Eine spannende Fahrt mit vielen Kruven und engen Straßehn durch das Douro-Tal gehörten natürlich dazu. Nach der Probe fuhren wir weiter bis Valdeorras, wo eie Besichtung des Weingutes anstand. Wir übernachteten im HOTEL RESTAURANTE-SPA PAZO DO CASTRO – auch ein einmaliges Erlebnis in diesen alten Mauern, mit vielen authentischen Möbeln und Türen. Nur 341 km waren es – und das Hotel hatte direkt vor dertür eine Ladestation, sodass wir am nächsten Morgen direkt starten konnten.

Nach einer Weingutbesichtung bei Rafael Palacios fuhren wir weiter – zurück an die Küste. Wir kamen an diesem Tag 472 km weit und verbrachten die Nacht auf dem Campingplatz Virgen del Mar bei Santander. Jetzt hatte die Heimfahrt begonnen. Am Dienstag fuhren wir bis Brive-la-Gaillarde und verbrachten die Nacht in einem ibis Budget. 696 km hatten wir geschafft.

Der letzte Tag war dann die weiteste Strecke: 837 km weit fuhren wir – lieferten in Ettlingen den großen Sohn bei seinem kleinen Bruder ab und waren abends um kurz nach 20 Uhr wieder zu Hause.

Die ganze Tour:

Insgesamt sind wir 6455 km weit gefahren. Im Schnitt belief sich der Verbrauch auf 20kW/100km, also rund 1290 kW, die wir verbraucht haben. Das war vor allem auf die Rückfahrt mit langen Autobahnstrecken zurückzuführen, bis dahin lagen wir zwischen 19,5 kW und 20kW. Die Kosten pro kW/h bewegten sich zwischen 20 Cent bei einem McDonalds in Frankreich und 79 Cent. Am teuersten war es in Portugal.

Insgesamt muss ich im Nachhinein sagen, dass wir uns besser mit Ladekarten vorbereitet hätten. Die EnBW-Karte, die unsere Notfallkarte hätte sein sollen, hatten wir blöderweise liegen lassen. Also fuhren wir nur mit Kreditkarte bzwl dem Smarthone los. Am Ende hatte ich 15 neue Lade-Apps auf dem Smartphone. Während man in Frankreich oft einfach nur mit der Kreditkarte laden konnte, ging in Spanien ohne Ladekarte oder LadeApps nahezu nichts. Ich habe zwischenzeitlich wohl 15 Ladeapps auf dem Smartphone, alle verbunden mit einem Registrierungsprozess (Mail/Handynummer/Verifizierung der Kreditkarte). Das hat uns sicherlich auch etwas Geld gekostet, aber das kann ich im Nachgang nicht mehr nachvollziehen.

Am Schlimmsten war Portugal, wo meine Frau erst durch Recherche im Internet herausbekam, das man am besten mit der MIIO-App lädt. Der sonst einfache Verifizierungsprozess über QR-Code an der Ladestation funktionierte hier gar nicht.Ähnliche problematisch war es in Spanien mit Iberdrola, deren App mich registrieren ließ, aber dann die Abrechnung mit der zuvor registrierten und per Probeabbuchung zertifizierten Kreditkarte ablehnte. Das war teilweise über andere Apps zu lösen – aber das stand auch nicht an der Ladestation und man musste ein wenig schwitzen, bis man es herausgefunden hatte. Ansonsten war das Laden mühelos, aber der immer wieder neu beginnende Registrierungsprozess war schon etwas nervig. Da waren wir wohl etwas blauäugig.

Ansonten haben wir bis zur Abfahrt in Porto durchgängig im Auto geschlafen. Das Bett hatte sich bewährt, wir haben gut auf Luftmatrazen geschlafen. Problematisch waren unterschiedliche Aufwachzeiten und der damit verbundene „Lärm“. Auf dem Campingplatz konnte ich gut über die Heckklappe aussteigen und in der ersten Nacht wussten wir noch nicht, dass das Licht angeht, wenn man die Seitentür öffnet – und ich mit dem Aussteigen dann direkt meine Frau weckte. Ich übernachte nicht gerne auf Raststätten, was wir einmal gemacht hatten. Aber freie Stehplätze sind in der Regel in Ordnung. Aber mit der jetzigen Erfahrung werden wir uns wohl ein Trennklo zulegen. Ein bisschen Infrastruktur ist hilfreich und wenn man mal einen Tag nicht geduscht hat, ist man froh darüber. Aber die findet sich halt dann auch an Raststätten. Ambivalent ist das für mich auf jeden Fall. Die Kochplatte, der E-Grill, alles betrieben mit dem V2L-Adapter hat sich bewährt. Die Kühlbox hat leider den Geist aufgegeben, die war überlastet und für den Dauerbetrieb nicht gedacht. Da brauchen wir ne andere Lösung und wollen zukünftig versuchen, mit weniger auszukommen.

Das Beizelt war hilfreich, als es einen Tag mal geregnet hatte. Wir hätten noch gerne was über die Heckklappe, vielleicht ein Heckzelt oder Tücher. Vielleicht eine Markise, außerdm,e haben wir noch ein Tarp, mit dem wir experimentieren wollen. Gut war auch das Schattennetz, wir hatten ja phasenweise noch bis zu 30°. Auch die Verdunkelungen, die meine Frau selbst gebaut hat, waren gut und ausreichend – im Vergleich zu, teuren Zubehör, dass man kaufen kann. So verzichten wir wohl auch über die Verdunkelung der Scheiben. Die großen Scheiben lassen es aber doch recht warm werden im Auto.

Und am Ende bleibt: eine Woche länger wäre besser gewesen, vielleicht sogar zwei Wochen. Um mehr Zeit zu haben, Dinge und schöne Orte am Wegesrand anzuschauen, zu genießen und zu würdigen.

Der Passenger war eine Superwahl. Das Auto fährt toll, ist zuverlässig, die Musik könnte ab und an etwas lauter sein und die Assistenten, die einen dran erinnern, dass man auf einer Reise nicht zuviel nach links und rechts schauen sollte, sind extrem nervig. 🙂 Aber wir sind sehr zufrieden mit der Wahl. Und freuen uns auf die nächste lange oder kurze Reise.

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