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mal wieder Sperre bei Twitter

Mein Twitteraccount ist seit dem 24. August gesperrt. Bis gestern, 15. September, wusste ich nicht, warum. Es ist und bleibt kurios und man fragt sich, wer da bei denen im Support sitzt. Aber von Anfang an – soweit es einen gibt.

Am 24. August – schon im Urlaub – erreicht mich eine kryptische Mail:

Ein “S-Antifajaeger also. Ein Nazi. Den Tag zuvor war wieder eine Meldung zu einem Tweet eingegangen, bei dem ich (mal wieder) darauf beharrt haben, dass es keinen Rassismus gegen Weiße gibt.

Ich checke also meinen Twitteraccount und sehe, dass er gesperrt ist. Habe sofort mein Passwort geändert – hatte schon die Idee, dass irgend etwas Komisches passiert sein könnte. Und lege Einspruch gegen die Sperrung ein, mit der Bitte, mir mitzuteilen, was ich denn angestellt habe. Denn eine weitere Meldung mit dem Hinweis auf Konsequenzen war nicht erfolgt.

Danach: keinerlei Reaktion von Twitter – außer Standortantworten. Wie es bei der Sperre vor zweieinhalb Jahren auch war. Ich hab mich immer mal wieder eingeloggt, habe nachgefragt, Mails an den Support geschrieben: keine Reaktion. Ich wusste nicht, warum der Account gesperrt war. Schon die ganze Zeit über: 0 Follower, O “Folge ich” – das war damals anders gewesen. Von anderen hörte ich, dass gar keine Tweets mehr zu sehen waren – auch sehr ungewöhnlich.

Dann stellte ich gestern fest, dass mein Titelbild gelöscht war. Ich dachte: nun, vielleicht hing es damit zusammen und dass sie es – so wie beim letzten Mal auch – zu einem Missverständnis gekommen sei.

Das wars aber offensichtlich nicht – denn nachdem ich ihnen das schrieb, erhielt ich gestern endlich eine Reaktion:

“Hallo,

dein Account wurde gesperrt und wird nicht wiederhergestellt, da er gegen die Twitter Nutzungsbedingungen verstoßen hat, insbesondere gegen die Twitter Regeln, die das Verwalten mehrerer Twitter Accounts zu missbräuchlichen Zwecken verbieten.”

Ich hab keine Ahnung, wovon die reden. Sieht aber so aus, als wäre da eine Aktion gefaked worden, vielleicht wurde der Account doch gehackt. Ich hab nur einen Zweitaccount unter dem Namen “Rumtrauben” – aber den hab ich seit Anfang 2018 nicht mehr angefasst, außerdem ist der gesperrt, weil das mein Veruch war in der langen Sperre 2018, bei Twitter wieder Fuß zu fassen. Allerdings wurde der damals auch “gefunden”. Das habe ich geschrieben und warte jetzt auf eine Reaktion.

Ich lege natürlich weiterhin Einspruch ein – große Hoffnung, dass ich ohne Anwalt weiter komme, habe ich natürlich nicht. Falls also jemand helfen will, den zu bezahlen: gerne per paypal an joergrupp@joergrupp.de. Achso: und da ich es nicht selbst kann – vielleicht kann ja jemand den Beitrag bei Twitter teilen.

Update 14.10.2020:
ein  Schreiben (PDF) meines Rechtsanwalts Thomas Stadler hat gereicht, der Account ist wieder geöffnet. Nichts hat geholfen – sobald man sich einen Anwalt nimmt, reagieren sie sehr schnell. Ich bin schlicht sprachlos. Das Schreiben ging am 12.10. an Twitter raus, heute, zwei Tage später, ist der Account geöffnet:

Dear Mr Stadler,

After further review, we have unsuspended your client's account as it does not appear to be in violation of the Twitter Rules (http://twitter.com/rules).

Your client's account is now unsuspended. We appreciate your patience and apologize for any inconvenience.

Please note that it may take an hour or so for your client's follower and following numbers to return to normal.


Sincerely,

Twitter

Bye Bye Twitter

Im letzten Beitrag hier im Blog habe ich ja dargestellt, dass ich bei Facebook und Twitter gesperrt wurde. Facebook hat mit eine 7-Tage-Sperre wegen des Textes auferlegt, Twitter hat meinen Account dauerhaft gesperrt.

Was mich nahezu fassungslos macht, ist, das mit beiden Konzernen keine Kommunikation möglich war. Ich habe beiden Sperren widersprochen. Facebook hat überhaupt nicht reagiert, aber pünktlich heute den Account wieder geöffnet, Twitter hat mir auf jede Mail, die ich ihnen schrieb, nur mit dem Standardtext geantwortet:

Hallo,

dein Account wurde gesperrt und wird nicht wiederhergestellt, da er gegen die Twitter Nutzungsbedingungen verstoßen hat, insbesondere gegen die Twitter Regeln gegen Hass-Inhalte.

Es verstößt gegen unsere Regeln, aufgrund der Rasse, ethnischen Zugehörigkeit, nationalen Herkunft, sexuellen Orientierung, des Geschlechts, der geschlechtlichen Identität, religiösen Zugehörigkeit, des Alters, wegen Behinderungen oder Krankheiten Gewalt gegen andere zu fördern oder Personen aus diesen Gründen direkt anzugreifen oder zu bedrohen.

Stellen wir darüber hinaus fest, dass der Hauptzweck eines Accounts darin besteht, andere aus diesen Gründen zu schädigen, kann dieser Account ohne Vorwarnung gesperrt werden.

Mehr über unsere Richtlinien gegen Hass-Inhalte erfährst du hier: https://support.twitter.com/articles/20175050 <https://support.twitter.com/articles/20175050>.

Vielen Dank,

Twitter

Es war unmöglich, den falsch wahr genommenen Sachverhalt richtig darzustellen. Auch von anderen Menschen (prominentes Beispiel) habe ich gehört, dass satirische/zynische Texte zu willkürlichen Löschungen und Sperren geführt haben. Ich habe es aufgegeben, weitere Mails dorthin zu schicken. Ist es so, wie Netzpolitik vermutet – dass lediglich Algorithmen Tweets bewerten – und auch dann den Einwand bearbeiten?

Mein Twitteraccount mit über 49.000 Tweets und rund 2050 Followern ist damit hinüber – außer es geschähe noch ein Wunder. Ich bin also ein Opfer von Heiko Maas’ Netzwerkdurchsetzungsgesetz – denn offensichtlich sind die Provider nicht in der Lage, individuell einen Tweet zu bewerten. Und sie sind nicht in der Lage, eine adäquate Form des Einspruchs zuzulassen. Für mich sieht es so aus, als wäre mein Tweet von einem Algorithmus als besonders hasserfüllte Sprache bewertet worden und es hat nie mehr ein Mensch drauf geschaut – sondern nach wenigen Stunden erfolgte eine automatisierte Absage.

Damit schließe ich mich den Forderungen von Netzpolitik.org an:

Was tun? Ein demokratisches Gemeinwohl braucht Informations- und Meinungsfreiheit. Wir brauchen ein Recht auf Veröffentlichung legaler Inhalte. Jegliche Einschränkung braucht neben konkreten und spezifischen Normen eine adäquate Regelung der Verantwortlichkeiten, der Verfahren und mögliche Widerspruchsoptionen. Wenn private Konzerne die öffentlichen Räume zur Verfügung stellen, in denen die grundsätzlichen gesellschaftlichen Debatten geführt werden, brauchen wir eine Ausdehnung der Grundrechte gegenüber Unternehmen (sie galten bislang vor allem als Abwehrrechte gegenüber dem Staat).

Falls es jemals eine Lösung gibt oder anders bewertet würde – ich fürchte, ich hab dann keine Lust mehr auf Twitter. Ich fühle mich ausgeschlossen, gedemütigt – was vor allem damit zusammen hängt, dass überhaupt nicht darauf eingegangen wurde, was ich als Einspruch gegen die Sperre formuliert hatte. Insofern fühle ich eher auch, dass ich mit einem Konzern, der mich so behandelt, nichts mehr zu tun haben möchte.

Und ich hab schlicht Angst, bei Facebook auf den Beitrag zu verlinken, in dem der Text steht – ich könnte schon wieder gesperrt werden. Das hat nichts mehr mit Freiheit im Netz zu tun.

Schade, es waren interessante Jahre. Mit Shitstorm, mit schönen Diskussionen, vielen Infos und überhaupt: viel Spaß. Twitter wird mir fehlen – aber es gibt auch ein Leben ohne.

Im übrigen zeigt ja der Screenshot, dass es völlig absurd ist, mir Hatespeech in Hinblick auf Geflüchtete zu unterstellen, also den Text für bare Münze zu nehmen: