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bin ich auch so einer?

Das wird ein schwieriger Text. Als Mann bin ich vordergründig immer des Sexismusses verdächtig – schlimm genug! Und insofern mag es mir passieren, dass ich Formulierungen wähle, die andere (Frauen?) als nicht angemessen betrachten. Ich gebe mir zwar Mühe, das zu vermeiden, aber wer weiß?!

Schon der Anfang dieses Artikels zeigt mir, wie schwer das alles ist. Wenn man nicht “so einer” sein möchte. Ich gebe zu – ich bin nicht gefeit vor der Attraktivität anderer Frauen als meiner eigenen, ich nehme Dekolletés ebenso wahr wie kurze Röcke und befürchte: würde ich von Alkohol nicht müde, würde ich meine Außenwirkung nach dem 5. Bier womöglich ebenfalls mächtig überschätzen. Und vielleicht ist es mein Glück, das ich nie der Aufreißer-Typ war, ich hab immer auf eindeutige Signale gewartet, sodass ich sicher war, ich würde mich weder aufdrängen noch könnte der Korb zu groß werden.

Seit vielen Jahren mache ich Politik auch im Themengebiet Gender. Ich hab am Maskulismusbuch von Andreas Kemper mitgeschrieben, kenne also ziemlich viel unangenehme sexitische Kackscheiße, verbunden mit rechtsgerichteten, rückwärtsgewandten Ansichten sogenannter Männerrechtler.

Was mich an dieser Debatte, die auf Twitter aber jetzt unter dem hashtag #aufschrei sich seine Bahn bricht, erschrickt, ist zum einen eine gewisse Undifferenziertheit. Mich macht es als Mann unsicher, wenn ich das Gefühl bekomme, ein nicht vermeidbarer Blick auf einen Busen macht mich schon zum Sexisten. Dabei ist mir das selbst unangenehm. Das ist die eine Seite. Die andere Seite ist das, was da an täglichem Angebagger, Angegrapsche bis hin zu sexueller Gewalt beschrieben wird. Von Frauen und Männern. Home- und heterosexuell. Es ist schlicht unerträglich. Weil scheinbar so normal.

Und das ist es wohl. Gesellschaftlich anerkannt, geduldet, gewollt. Ich brech’s jetzt mal auf  “Frau ist Mann zu Willen” herunter.

Das Privatfernsehen trägt viel dazu bei. Sendungen wie “Der Bachelor”, “Bauer sucht Frau” sind Beispiele dafür – bei letzterem vor allem die begleitende Berichterstattung gerade von Blättern wie dem Stern und Spiegel bis hin zur Tagespresse. Im ZDF sind es Stars wie Thomas Gottschalk, der durch solche Aussagen glänzt: (übrigens ganz unbeachtet im Stern veröffentlicht):

“Wenn es in Deutschland ein paar hunderttausend Männer gibt, die künftig schon deshalb ‘Wetten, dass…?’ anschalten, weil sie in Michelles Dekolleté sehen wollen, soll’s mir recht sein”, sagte Gottschalk dem “Spiegel”.

Kein Aufreger, weil normal. Mario Barth’s beinahe komplettes Programm basiert auf Sexismus – und er füllt damit Fußballstadien und darf damit auch noch den Werbe-Anchorman machen – was offenbar funktioniert. Nicht wenige Filme zeigen Szenen, in denen Männer der Widerspenstigen dann doch endlich am Ende den Kuss aufdrängen – und sie sich nach anfänglichem Wehren dem hingibt – “nein” bedeutet ja doch “ja”. In diesen  Tagen beginnt die sogenannte 5. Jahreszeit – Fasching. Ich bin im Fastnachtsverein groß geworden, habe dort in meiner Jugend Musik gemacht. Es wird wieder tausende Prunksitzungen geben, in denen Männer und Frauen über sexitische Witze zu Lasten beider Geschlechter lachen. Und nicht nur harmlose. Wir alle kennen das, die meisten von uns ertragen es oder gehen dem aus dem Weg – Protest dagegen hört man selten.

Alles nicht so schlimm? Doch – denn die Normalität, mit der sexuelle Belästigung, Beleidigung, Sexismus herunter gespielt wird, die Art und Weise, wie Männer Rainer Brüderle ihre Solidarität zusichern – ganz vorne die unerträgliche BILD – die Sprüche von “ach hab dich nicht so” bis hin zu “die will  doch, die tut nur so”, all das ist schlimm.

Ich weiß, das ich kein Sexist bin. Und ich weiß, dass so, wie ich mich verhalte, ich mich nicht für Männer, die sich absolut Scheiße verhalten, rechtfertigen muss.  Aber trotzdem bleibt bei mir ein Gefühl des Unwohlseins. Bin ich irgendwo respektlos? Überschreite ich Grenzen? Wie deutet sie meinen Blick? Hat sie bemerkt, dass ich auf ihren Busen geschaut hat (hat sie vermutlich)?

Für mich als Mann stellt sich am Ende die Frage: wie kann ich angesichts der Übermacht dieser ganzen sexistischen Arschlöcher noch völlig unbefangen eine Frau nett und attraktiv zu finden und mit ihr flirten (was ich gerne tue!) – ohne am Ende Angst haben zu müssen, dass mir mein Interesse (vielleicht noch nicht einmal von der Frau selbst, sondern auch noch von jemandem Dritten) falsch ausgelegt wird? Dafür gibt es eine Lösung – und weil es so ist, finde ich dieses ganzen Kackmist, den Leute wie Mario Barth und Rainer Brüderle mit ihrem bescheuerten, ekelhaften Verhalten anrichten, zum Kotzen. Nicht weil ich auch so bin. Sondern weil ich nicht mehr unbefangen bin. Und das wäre ich gern. Wieder.

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37 Kommentare zu „bin ich auch so einer?“

  • Kurze Anmerkung: Ich glaube ja, dass schon viel gewonnen wäre, würde man nicht fragen “Bin ich auch so einer”, sondern “tue ich so etwas auch hin und wieder”? – das erlaubt einen viel sinnvolleren Umgang mit -ismen (erklärt, warum ich das glaube, habe ich das anhand der Augstein-Debatte): Denn es ermöglicht damit, einzelne Handlungen auch von sich selbst kritisch zu betrachten (der geschilderte Blick), ohne gleich die gesamte Selbstwahrnehmung herausgefordert zu sehen.

  • Linda Maria sagt:

    Was bei der #aufschrei-Debatte im Moment in den Hintergrund gedrängt wird: Brüderle hat die Journalistin bei einem offiziellen Termin offensichtlich auf ihre Rolle als Frau – für ihn offenbar nicht ernstzunehmendes Zierpüppchen – reduziert. Natürlich geht es auch um die Anmache aber vor allem um das Frauenbild, dass sich dadurch zeigt. Kann ein man also nicht anders, als auf einen Rock zu gucken, ist das etwas anderes als eine Frau bewusst auf eine bestimmte Rolle zu reduzieren

    • Jörg Rupp sagt:

      ich frag mich immer noch, wie oft er damit Erfolg gehabt hat- gerade angesichts seines “mit 28-jährigen kenn ich mich aus”…

      • Klaus M. sagt:

        Sehr interessanter Artikel. Ich habe das Gefühl, das bei dieser Debatte einiges vermengt wird. Ich bin bisexuell und werde auf Homo- oder Bi-Parties auch des öfteren (blöd) angemacht oder angegrabscht… Komm ich persönlich jetzt mit klar, andere würde es vielleicht stören. Was interessant ist, ist, dass dieses Verhalten also auch außerhalb der Mann-Frau-Interaktion auftritt, dort also auch nicht sexistisch sein kann. Ähnliches sehe ich oftmals in feministischen Debatten, z.B. wenn Pornos als generell frauenfeindlich dargestellt werden, Schwulenpornos aber dann doch wieder ok sind. Ich würde da Sexismus als das Problem , sondern eher das Missachten der Grenzen anderer oder das Ausnutzen ihrer Abhängigkeit oder Schwäche.
        Wenn es um Grenzen geht, sehe ich ein weiteres Problem: Die klare Kommunikation von Grenzen. Der Satz “No means no” stimmt so einfach nicht, oft genug wird nein gesagt und ja gemeint. So gesehen halte ich es für sehr vereinfacht, Männern die Schuld zu geben, wenn sie ein Nein als Ja deuten.
        Ich persönlich hatte auch große Probleme mit dem Flirten und im Umgang mit Frauen im Allgemeinen, bis ich mir, in Gesprächen mit zahlreichen Freundinnen und anderen Frauen ein “sexistischeres” Flirtverhalten antrainiert habe. Hab mich am Anfang sehr unwohl gefühlt damit, aber scheinbar wollen einfach die meisten Frauen so angesprochen werden.

        • Jörg Rupp sagt:

          wenn Machogehba schon bei der “Anmache” gewünscht wird – wird dann in einer möglichen Bezeihung nciht auch eher klasscihe Rollenverteilung gewünscht? Das ist meine Befürchtung, wenn ich sowas lese.

          Unter Sexismus versteht man die soziale Konstruktion von sexuellen Unterschieden zwischen Menschen und die daraus abgeleiteten Normen und Handlungsweisen. Der Sexismus unterteilt alle Menschen anhand ihrer biologischen Geschlechtsmerkmale in Frauen und Männer, unterstellt ihnen damit eine grundlegende Unterschiedlichkeit und weist ihnen auf dieser Basis unterschiedliche Rechte und Pflichten zu.

          sagt die Wikipedia. Es geht letztendlich darum, dass die Normen akzeptiert werden – die falsch sind. Eine solche Normung hätte es Frau Himmelreich nie erlaubt, Herrn Brüderle anzubaggern.

          • Klaus M. sagt:

            Wird sie wohl tatsächlich häufig… aber ich muss sagen, dass ich das auch gar nicht als problematisch erachte. Wenn zwei Personen selbstbestimmt und gemeinsam ihr Verhältnis untereinander gestalten, halte ich das für eine gute Sache. Natürlich spielt gesellschaftliche Prägung dabei eine große Rolle, aber auch das empfinde ich nicht als problematisch. Das Problem beginnt für mich, wenn man anderen bestimmte Rollen und Verhaltensweisen aufzwingen will, oder sich selbst gezwungen sieht Rollen oder Verhaltensweisen anzunehmen, die sich für einen nicht richtig anfühlen.

            Ich tue mich auch schwer damit, den Sexismus als ein wirklich eigenständiges Problem zu betrachten, für mich ist er eher eines von sehr vielen Erscheinungsbilder von der Unterdrückung anderer.

            Nach Ihrer Sexismusdefinition scheint im übrigen Brüderles Verhalten gar nicht sexistisch zu sein. Wenn er schwul wäre, wäre das gleiche mit einem jungen männlichen Reporter nicht auch passiert? Es geht hier doch weniger um eine Rollenzuschreibung als schlicht und einfach um sexuelle Belästigung. Und die hat mit dem Geschlecht wenig zu tun .Abgesehen davon, dass Männer öfter Täter sind, was sich meiner Ansicht nach darauf zurückführen lässt, dass Männer aufgrund ihres Fortpflanzungstriebes eher dazu neigen, mit möglichst vielen Frauen Sex haben zu wollen. Diese Behauptung wäre Ihrer Definition nach allerdings wiederum sexistisch, weshalb mir Ihre Definition auch nicht wirklich zusagt.
            Auch große Teile der feministischen Bewegung, wären demnach sexistisch (was ich in manchen Fällen allerdings auch so empfinde, da teilweise nicht nur [vermeintliche] Geschlechterunterschiede aufgezeigt, sondern diese auch bewertet werden).

  • Dirk Moebius sagt:

    Der beitrag im Kegelklub “Ich bin Alltagssexist …. aber ich arbeite daran! ” ist zwar schon ein gutes Jahr alt, aber trotzdem noch lesenswert.
    http://kegelklub.wordpress.com/2011/12/05/ich-bin-alltagssexist-aber-ich-arbeite-daran/

    Wir alle koennen unsere tiefverankerten Verhaltensmuster nicht ausschalten – grade das Hisehen nicht – und wenn wir us dafuer kleinmachen, kommen wir in die gleiche Bredouille wie die Christen, wenn sie ihre Feinde nicht gleich impulsiv lieben – das geht einfach nicht und macht depressiv.

    Und den Ansatz von Jonas finde ich auch nicht schlecht – natuerlich tun wir alle hin und wieder, was wir eigentlich nicht tun wollen, aber das entwertet nicht gleich die ganze Person.

  • NeoVG sagt:

    Schöner Text. Besonders gefällt mir die Formulierung “Außenwirkung nach dem 5. Bier womöglich ebenfalls mächtig überschätzen”, denn sie drückt eigentlich perfekt den Kern der Sache aus, welche das ganze Gerumpel jetzt ausgelöst hat.

    Auch die Formulierung “Übermacht dieser ganzen sexistischen Arschlöcher” finde ich interessant. Zum Beispiel auf Twitter und in der Blogosphäre verbreitet sich gerade in den letzten Monaten der Eindruck, die gesamte Männerwelt müsse aus eben diesen sexistischen Arschlöchern bestehen und dass die sexistisch-patriarchalische Weltverschwörung genau so schuld ist an rosa Überraschungseiern und Lego für Mädchen wie für schlechte Anmachsprüche. Blogs wie z.B. Mädchenmannschaft (von manchen liebevoll “Feminazis” genannt) werden nicht müde, einem jeden Tag unter die Nase zu reiben, wie schlimm man doch ist, wenn man zufällig mit dem falschen Geschlecht geboren wurde.

    Kommen wir nun aber zum totalen Realitätssprung: “Szenen, in denen Männer der Widerspenstigen dann doch endlich am Ende den Kuss aufdrängen – und sie sich nach anfänglichem Wehren dem hingibt”. Gröbster Sexismus? Im echten Leben auf jeden Fall zu vermeiden?
    Hier wird es für uns Arschlöcher extra kompliziert: Es soll da draussen Frauen geben, die das tatsächlich mögen! Ich habe tatsächlich schon Ansagen gehört wie “Hättest du mich einfach gepackt und ein bisschen benutzt, hätte das mit uns was werden können. Aber du musstest ja so furchtbar langweilig nett sein.” Nanu? Merke: Wie man es macht, ist es falsch. Nur, dass unsere Aufschreier irgendwie mehr politisch korrekt sind und eher dem Zeitgeist entsprechen.

    (PS: Ich frage mich bis heute noch, warum ich kaum Kerle, aber sehr viele Frauen kenne, die Mario Barth und seinen unerträglichen “Humor” richtig toll finden. Muss auch so ein Fehler ein der Matrix sein.)

    • Jörg Rupp sagt:

      Ja, ich kenne die Statistiken und solche Sprüche (von früher) auch. Die Frage ist nur: hätt ich mit jemandem dauerhaft was anfangen können, die auf “sowas” steht…
      Wiederspruch dann aber doch hier:

      Außenwirkung nach dem 5. Bier womöglich ebenfalls mächtig überschätzen”, denn sie drückt eigentlich perfekt den Kern der Sache aus, welche das ganze Gerumpel jetzt ausgelöst hat.

      Es war nicht die überschätzte Außenwirkung – es war das nicht aufhören (können).

  • Wenn Thomas Gottschalk Sprüche über Michelles Dekolleté reisst ist das sexistisch. Wenn Michelle das Dekolleté nur aus genau dem Grund hat Männer aufzugeilen und die Zuschauerquoten zu heben ist das ok?
    Ich finde das ist absolut berechnender Sexismus und es gibt genug Frauen, die das bis zum Letzten ausreizen. Über die regt sich aber in der Regel niemand auf, obwohl genau diese das verzerrte Bild von Frauen vermitteln, unter dem dann alle anderen leiden müssen. Und oftmals sind es auch genau diese Frauen, die durch die Medien gezerrt werden (und das auch wollen) und damit noch größeren Schaden anrichten.

  • Bernd sagt:

    Hallo,
    den Taxt kann ich so unterschreiben. Diese Gedanken gehen mir auch durch den Kopf.
    In dem Zusammenhang möchte auf den Text hier
    http://www.fraumeike.de/2013/das-schreien-der-laemmer/
    hinweisen.
    Beschreibt das Problem auch gut.

  • Hallo

    nur eine Antwort auf die Frage. “Für mich als Mann stellt sich am Ende die Frage: wie kann ich angesichts der Übermacht dieser ganzen sexistischen Arschlöcher noch völlig unbefangen eine Frau nett und attraktiv zu finden und mit ihr flirten (was ich gerne tue!) – ohne am Ende Angst haben zu müssen, dass mir mein Interesse (vielleicht noch nicht einmal von der Frau selbst, sondern auch noch von jemandem Dritten) falsch ausgelegt wird?”

    klare, offene Kommunikation
    Es ist nicht sexistisch, wenn man sagt: “Sie sind mir (als Gesamtperson) aufgefallen- ich würde sie gern kennenlernen.”
    Es ist aber sehr wohl sexistisch wenn jemand schlicht glotzt, grabscht und baggert und sich aufdrängt, einfach weil er dem anderen Geschlecht angehört (und sich vielleicht noch überlegen an Kraft und Stärke fühlt)

    Habe dazu mal was gebloggt- vielleicht ja dann verständlich worauf ich hinaus will: http://vieleineinemblog.wordpress.com/2012/12/29/der-fremde-mnnliche-mensch/

    Mit freundlichen Grüßen

    • Jörg Rupp sagt:

      ich weiß das – trotzdem bleibt die Unsicherheit. Weil ich Angst habe, eine (unsichtbare) Grenze zu überschreiten, die mir nicht einmal bewusst ist.

      • aber Sie ist ihnen doch bewusst- sonst würden Sie sich doch nicht diese Frage stellen? ;-)

        • Jörg Rupp sagt:

          mir ist eine Grenze bewusst, die ich für mich gelernt habe. Und trotzdem könnte es sein, dass ich etwas tue, aus Sympathie, aus Reflex, was falsch verstanden werden könnte. Ich bemerke bspw. an mir in den letzten Jahren, dass ich gerne jemanden an den Arm/Ellbogen fasse, wenn ich mit ihr rede. Im Zusammenhang mit einem Blick auf den Busen, einem Lächeln, solche Dinge.

          • BasementBoi sagt:

            Da wirst du nicht drumherum kommen.
            Immer wenn Menschen aufeinandertreffen müssen sie sich entscheiden wie sie miteinander umgehen wollen.
            Und da hat jeder andere Vorstellungen und Erwartungen was geht und was nicht geht, besonders auch in Hinblick auf die Rollenverteilung.
            Grenzverletzungen sind also normal. Und solange es sich dabei um Missverständnisse handelt, denke ich wird jeder dankbar sein für die ein oder andere freundliche Bemerkung die ihn auf unerwünschtes Verhalten hinweißt.

            Ansonsten bleibt dir nur der totale Rückzug wenn du jegliche potentielle Grenzverletzung vermeiden willst.

    • NeoVG sagt:

      “Es ist nicht sexistisch, wenn man sagt: “Sie sind mir (als Gesamtperson) aufgefallen- ich würde sie gern kennenlernen.””

      Ähm sorry, aber da würden die Frauen, die ich kenne, einfach nur lachen. Das ist es halt. Was sexistisch ist und was nicht, hängt von der jeweiligen Person ab. Problematisch am Feminismus ist, dass oft versucht wird, eine allgemeingültige Grenze zu definieren und das geht einfach nicht und ist ebenso übergriffig.

      • Jörg Rupp sagt:

        So würde das auch niemand formulieren

      • Tanja Finke-Schürmann sagt:

        Was als sexistisch aufgefasst wird, hängt sehr stark von der Person auf, die es bewertet. Aber auch von der Situation. In manchen Situationen kann es für alle Beteiligte sogar völlig normal sein, sich gegenseitig auf ein begehrtes Objekt des anderen Geschlechtes (oder meinetwegen auch desselben) zu reduzieren. Viele Beiträge zur aktuellen Debatte fordern implizit eine völlige Entsexualisierung menschlicher Kommunikation. Das ist keine gute Idee. Ich möchte in einer Welt leben, in der man sich gegenseitig auch sehr konkret anmachen darf, nicht nur wenn man den anderen “als Gesamtperson” mit all seinen liebenswerten und schrecklichen Eigenschaften kennen lernen will. Das Geheimnis ist: Grenzen klar kommunizieren und Grenzen respektieren. Dann können wir auch völlig fremde Menschen nach Beischlaf fragen.

        Schlechtes Benehmen, Grenzverletzungen, Machtausübung – das ist alles weder auf Sexualität noch auf Sexismus beschränkt.

        • Jörg Rupp sagt:

          Ja, das wäre auch mein Ideal. Ich merke aber, nur für mich, dass mich das sexistische Verhalten anderer – geschlechtsunabhängig – so stört, dass ich in einer Art vorauseilenden Gehorsam vorsichtiger bin, als ich es vermutlich sein müsste.

          • Gunther Nagel sagt:

            Ach, das macht Sie sympathisch. ich würds, selbstbewußt, “understatement” nennen. Kann cool wirken, leider, aber mir ist auch noch nix besseres eingefallen, als dieser Tendenz zur Vorsicht nachzugeben.

  • Chris H. sagt:

    Was mich an der #aufschrei Debatte persönlich bedrückt ist mein neu gewonnene Blick auf eine Jahre zurückliegende Situation, die mir meine Frau geschildert hat… “Zufälliges” Begrabschen unter dem Tisch, zugetuschelte Anzüglichkeiten – und auch ich tat das ab mit “ach, das ist dem so passiert, kann doch mal rausrutschen”. Zeit, dass darüber breit geredet wird. Aus allen Blickwinkeln, Danke den beiden Journalistinnen, die diese Debatte ins Rollen gebracht haben, dank an Männer wie Jörg R., die die Debatte mit klugen Beiträgen befeuern.

  • [...] (“Von Tittenblondinen, dummen Sprüchen und Sexismus”, Julis) und Jörg Rupp (“Bin ich auch so einer?“, Grüne). Beide sind sich einig dass Alltäglicher Sexismus in der Politik etwas [...]

  • Gassenreh, Jakob sagt:

    Bei dieser zunehmenden Verbreitung der Gender-Mainstreaming-Ideologie ist allerdings zu erwarten, dass die Hauptleidtragenden die Frauen sein werden. Denn wenn die eigentlichen weiblichen Vorteile und Überlegenheiten ausgeredet oder gar negativ bewertet werden, ist die innere Identität zerstört und es bleiben nur noch Äußerlichkeiten, die dann kultmäßig in den Mittelpunkt rücken (Diäten, Schönheitsoperationen, Castingshows usw.) [Kommunikationswissenschaftlerin Petra Grimm, 2010: Mädchen ziehen zunehmend Selbstbewusstsein daraus, Jungen als Sexobjekte zu dienen].
    Gefahr: Frau wird zur Ware (Leihmutter, Eizellenlieferantin, Prostitution usw.)
    Die Überredungs-Ideologie, dass Gleichberechtigung nur durch Aufhebung der Geschlechtrollenunterschiede möglich sei, kann bei Frauen mit den anderen selbst erlebten motivationalen Grundlagen zu inneren Konflikten und damit zu Depression und anderen ernsthaften psychischen Problemen führen [Moulton, 1977]
    Gleichheit kann sich höchstens addieren, Verschiedenheit kann wesentlich mehr erreichen (siehe Buch: „Vergewaltigung der menschlichen Identität; über die Irrtümer der Gender-Ideologie“)

    • Jörg Rupp sagt:

      aus welcher Maskuhöhle sind Sie denn gekrochen?
      Es geht bei Gender Mainstreaming um gleiche Möglichkeiten trotz bestehender Unterschiede, nicht um egalisieren.

      Unter Sexismus versteht man die soziale Konstruktion von sexuellen Unterschieden zwischen Menschen und die daraus abgeleiteten Normen und Handlungsweisen. Der Sexismus unterteilt alle Menschen anhand ihrer biologischen Geschlechtsmerkmale in Frauen und Männer, unterstellt ihnen damit eine grundlegende Unterschiedlichkeit und weist ihnen auf dieser Basis unterschiedliche Rechte und Pflichten zu.

    • Gunther Nagel sagt:

      Jaja, die “Gleichheit” und die “Verschiedenheit”…
      Mir liegt es mehr, meine Grenzen zu erweitern. eine Verschiedenheit, die kein bißchen selbstgewählt, sondern qua mystifizierter “Natur” postuliert wird, ist mir zu platt. Und auch erstmal nur behauptet. Und tradiert. Und hat mit der Wirklichkeit von z.B. mutterinstinktgestörten Frauen und machtflüchtigen Männern ziemlich wenig zu tun.

  • Gunther Nagel sagt:

    Irgendwie erinnert mich Ihr Text an meine eigene Sozialisation in frauenbewegten Zeiten… Ewig die Frage: Was kann man(n) sagen, was muß man sagen, um überhaupt attraktiv zu sein. Daß die Deutungshoheit über sexuelle Qualitäten schon lange auf die Frauen übergegangen ist und zumindest in meiner Welt und der meiner Freunde eher die Problematik darin besteht, doch mal, auch als Mann, mal zu schauen, was MIR gut tut. Auch ich darf sagen, wenn mir eine Frau übergriffig vorkommt, auch ich darf entscheiden, was ich mag, und nicht nur danach schauen, was IHR gefällt. Davon mag ein Brüderle meilenweit entfernt sein, aber wieso kommt die Realität der Männer, die ganz woanders stehen, so wenig vor? Wieso fragen selbst Sie sich, Herr Rupp, “bin ich auch so einer?”, wohl wissend, daß Sie nicht “so einer” sind ???
    Wäre es nicht möglich, aus eigener Sensibilität, auch in der Erfahrung mit z.B. feministischem Sexismus, zu spüren, wo sexuelle Anspielungen übergriffig wirken?
    Wir sind doch garnicht so unsensibel, wie immer behauptet wird, wir müssen es nur zugeben. Auch wenn es Schwäche statt Coolness offenbart.

    • Jörg Rupp sagt:

      Ihre Frage:

      Was kann man(n) sagen, was muß man sagen, um überhaupt attraktiv zu sein.

      ist völlig uninteressant. Ich tue nichts, um attraktiv zu sein. Ich tue alles, um ich selbst zu sein. Meine Frage lautet: wo überschreite ich Grenzen, ohne es wahr zu nehmen.

  • Nonnen sagt:

    Die Gender-Mainstream-Ideologie hat uns doch permanent eingeredet, es gäbe nicht „typisch weibliches“; was wundert, dass Mann glaubt, Frauen denken und empfinden genauso wie er. Wenn dazu noch durch das Gender „social engineering“ die eigentlichen weiblichen Vorteile und Überlegenheiten ausgeredet oder gar negativ bewertet werden, ist die innere Identität von Frauen zerstört und es bleiben nur noch Äußerlichkeiten, die dann kultmäßig in den Mittelpunkt rücken (Diäten, Schönheitsoperationen, Castingshows usw.) Die Kommunikationswissenschaftlerin Petra Grimm hat bereits 2010 erkannt: Mädchen ziehen zunehmend Selbstbewusstsein daraus, Jungen als Sexobjekte zu dienen. [Siehe Buch „Vergewaltigung der menschlichen Identität. Über die Irrtümer der Gender-Ideologie", 3. Auflage, Logos-Verlag, Ansbach, 2013]

    • Jörg Rupp sagt:

      Quatsch. Es geht nicht darum, nichts “typisch Weibliches” zu haben, sondern aufgrund der Tatsache der Zugehörigkeit zu einem Geschlecht Vorurteilen oder Verhaltensweisen zu unterliegen, die nur mit der Geschlechtszugehörigkeit erklärbar sind. Jeder Mensch soll all das werden, zu was er in der Lage ist, dessen er oder sie fähig ist.

  • Steffen sagt:

    Was muß man geraucht haben, um hier seitenweise das eigene Geschlecht zu verunglimpfen und die, die hier diesen rassistischen Schwachsinn kommentieren, noch unflätig zu beleidigen?.
    Sowas kann nur ein Grüner sein.

    Und ja, du bist so einer. Du mißt mit zweierlei Maß, vorverurteilst Männer wegen ihres Geschlechtes, unterschlägst, daß nach diesem Mist, der hier hochgespült werden soll, im umgekehrten Fall kein einziger Hahn krähen würde.

    • Jörg Rupp sagt:

      Normalerweise lösch ich ja solche Kommentare – aber Ihrer ist ein schöner Beleg dafür, wie unreflektiert Männer in diese Debatte gehen. Hier wird kein “Mist hochgespült”, es gibt keine geheime feministishe Verschwärung, sondern offenbar den Drang und das Bedürfnis etwas auszusprechen, für das es jetzt offenbar einen Rahmen gibt. Das gibt mir als Mann zu denken. Ihnen offenbar nicht. Ihre Wahl.

  • [...] als überfällig war. Mein eigenes Unbehagen mit vermeintlich männlichem Gehabe hab ich im Blog “Bin ich auch so einer” weitgehend ausformuliert. Gut 2000 Zugriffe hat es auf diesen Text gegeben. Und doch bin ich auch [...]

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