Amoklauf und Waffenbesitz

Auch nach dem Lörracher Amoklauf ist erneut die Diskussion hochgeschwappt, Waffenbesitzer und -gegner verteilen ihre Argumente, ohne tatsächlich Neues ins Spiel zu bringen. Ich habe Endeletzten Jahres/Anfang diesen Jahres eine recht lange Debatte mit Waffenbesitzern hier im Blog gehabt. Mein Fazit habe ich dieser Tage für mich überprüft – und finde meine Position nach wie vor für richtig.

Neu war am Amoklauf der Lörracher Anwältin zunächst mal, dass ein Frau Amok lief. Im Vergleich zum Fall Tim K. ist man aber dieses Mal in der Presse durchaus bereit, die Verzweiflung, die zu dieser Tat geführt hat, stärker in den Vordergrund zu rücken.

Die Frage ist, wenn man erneut ein Waffenverbot in Privathaushalten fordert, ob dies in der Form durchsetzbar ist. Ich stelle mir gerade vor, dass Hundertschaften von PolizistInnen durch deutsche Haushalte von registrierten WaffenbesitzerInnen gehen und diese nach Waffen durchforsten. Weil ich nicht glaube, dass WaffenbesitzerInnen alle Waffen freiwillig abgeben werden.  Selbst wenn jedeR angeschrieben würde. Und Mittel und Wege finden werden, weiterhin eine Waffe zu Hause zu haben. ich erinnere mich an einen Schützen, der mir unaufgefordert anbot, mir eine Waffe zu besorgen, sollte ich eine brauchen – manweißjanie – und die wäre keinesfalls legal. Es gibt da sicher genügend Verbindungen.

Sehr interessant fand ich das Modell, von dem ich diese Woche gelesen habe: Der Waffenverkäufer bietet an, die Waffen professionell aufzubewahren und recht viele seiner KundInnen kamen wohl diesem Angebot nach. Dies wäre eine gangbare Alternative oder Ergänzung zur zentralen Aufbewahrung und zur Aufbewahrung in Haushalten. Nochmal: viele SchützInnen sind sicher gesetzestreu. Aber vor einem Ausraster ist nunmal niemand gefeit. Ich sehe in meiner täglichen Arbeit, wie wesensverändernde Abstürze enden können – durch Scheidung, Arbeitslosigkeit, Frust, … und wie wenig Menschen oft genug ohne Hilfe da nicht mehr rausfinden. Haben die noch eine Waffe zu Hause….Aber ich bleibe auch dabei: Munition hat zu Hause nichts mehr verloren. Ich bin mir zwar sicher, dass man versuchen wird, dass zu umgehen – aber wenn man Verstöße der Ausgebenden mit einer harten Strafe bewehrt, werden sicher viele das Risiko scheuen. Und auch hier: ich erwarte, dass die SchützInnen in einem solchen Falle anstatt einer fehlgeleiteten Solidarität folgend schweigen das zur Anzeige bringen.

Nebenbei: Das Verfahren gegen Tim K.s Vater hat begonenn. Und die Berichterstattung geht durchaus hart mit ihm ins Gericht. Ich finde auch – daran hat sich ebenfalls nichts geändert – dass eine Verurteilung notwendig ist. Wegen fahrlässiger Tötung. Aber wie schon gesagt, ob er deshalb ins Gefängnis gehen muss – fraglich. Ich befürchte aber, dass uns diese Sache noch eine Weile beschäftigen wird. Und eines ist auch klar: die Zeiten, in denen wir von Amokläufen nur aus den USA hörten, sind wohl vorbei.

Und aus friedenspolitischer Sicht wird es Zeit, dass wir Waffenproduktion stärker eindämmen und Export weitgehend, wenn nicht sogar total, untersagen.

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13 Gedanken zu „Amoklauf und Waffenbesitz

  1. Christian Stahl

    Hallo Herr Rupp.
    Ich kann mich noch sehr gut an die Diskussion erinnern. Ich habe aber gedacht oder besser gehofft, daß Sie sich mal ernsthaft mit dem Thema auseinandersetzen, bevor Sie wieder einen Beitrag dazu veröffentlichen. Laut vieler Experten (und zwar keine Möchtegern-Experten wie Cem Özdemir oder Claudia Roth), ist die zentrale Lagerung von Waffen und/oder Munition nicht sinnvoll. Dadurch würden nämlich Lager entstehen, die man besser bewachen müsste, als die der Bundeswehr. Zum anderen. Es wurde schon mehrfach gesagt, daß viele Schützen (ich auch) ihre Munition selbst laden. Zum einen um Kosten zu sparen, aber auch um eine bessere Präzision und Funktionssicherheit zu erreichen. Wenn nun der private Besitz von Munition verboten würde, gäbe es auch keine Wiederlader mehr. Schiessen ist ein Sport, bei dem es auf die richtige Waffen/Munition Kombination ankommt. Nun bitte ich Sie, sich mal einen Frankonia Katalog zu besorgen und sich dort mal die Munitionsliste ansehen. Wieviele hunderttausende von Schuss soll den nun ein Verein für seine Mitglieder bereitstellen? Der eine schießt S&B, der andere Geco und wieder ein anderer Magtech. Hinzu kommen noch die verschiedenen Kaliber und Geschosstypen. Wir sprechen hier von einer Vielfallt, die Sie sich anscheinend nicht vorstellen können. Soviel zum Thema zentrale Lagerung von Munition.
    Zum Thema Lörrach möchte ich nur soviel sagen, als daß es in den Medien doch nur deswegen als „Amoklauf“ bezeichnet und so ausgeschlachtet wurde, weil eine legale Schusswaffe beteiligt war und die Täterin vor 14 Jahren im Schützenverein war. Hätte die Frau alle Personen mit dem Messer ermordet und wäre im Tennisverein gewesen, wäre es eine „Familientragödie“ gewesen und kein Amoklauf.
    Zum Prozess fasse ich mich auch kurz. Was der Vater getan hat, war laut Gesetz eine Ordnungswidrigkeit und keine Straftat. Warum da jetzt so ein großer Prozess mit 3-D-Animation von Tatort gemacht wird, verstehe ich persönlich nicht. Hier will ma doch nur einen Schauprozess führen, um ein Exempel zu statuieren.
    Zum Abschluss: ICh finde, daß wir in Deutschland ein sehr strenges Waffenrecht haben. Meiner Meinung nach sogar zu streng. Es ist in manchen Dingen sogar strenger, als das von vielen Waffengegner vielzitierte englisch Waffengesetz. Das Leben bringt nunmal gewisse Risiken mit sich. Die Wahrscheinlichkeit, daß Ihr Kind z.B. auf dem Schulweg von einem besoffenen Autofahrer getötet wird, ist sehr viel wahrscheinlicher, als daß es mit der Waffe eines Legalwaffenbesitzers erschossen wird. Trotzdem habe ich weder von Cem Özdemir noch von Claudia Roth oder einem anderen Grünen-Politiker die Verderung nach einen Alkoholverbot gehört. Ich finde so etwas scheinheilig und inkonsequent. Eben getreu nach dem St.Florian Prinzip.
    Ich hoffe Sie nehmen mir den letzten Teil nicht allzu übel, aber was im Moment wieder für eine Hexenjagd mit Falschinformationen gemacht wird, ist für mich einfach unerträglich.

    MfG
    Christian Stahl

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    1. Jörg Rupp Beitragsautor

      Hallo Herr Stahl,
      sie leben einfach in einer Parallelgesellschaft. Und ich habe diese widerlichen, verharmlosenden Vergleiche zwischen Schusswaffen und Küchenmessern oder gar Autos sowas von satt. Aber danke dafür, sie disqualifizieren damit viele Schützen.

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  2. Christian Stahl

    Hallo Herr Rupp.
    Sie disqualifizieren sich und viele andere Waffengegner dadurch, daß Sie Forderungen stellen, obwohl Sie offensichtlich keine Ahnung von dem Thema haben. Desweiteren. Wo bitte habe ich einen Vergleich zu Messern oder Autos gezogen? Ich habe einen Vergelich zu Alkohol gezogen. Erklären Sie mir bitte den gesellschaftlichen Nutzen dieser Droge, den etwas anderes ist Alkohol nunmal nicht. Wo bleiben also die Verbotsforderungen Ihrer Partei?
    Sie werfen hier Thesen und Vorschläge in den Raum, sind sich der Komplexität des Themas aber nicht bewusst. Mit Ihren Forderungen aber würden Sie nur eines erreichen. Nämlich den Schiessport kaputt zu machen.
    Zum Thema Parallelgesellschaft. Dort leben Sie anscheinend. Sie träumen von einer Gesellschaft in der absolute Sicherheit herrscht. Wenn Sie dies in Bezug auf privaten Waffenbesitz haben wollen, ziehen Sie doch nach Nordkorea. Dort ist der private Schusswaffenbesitz verboten. Ob Sie dort aber mehr Sicherheit, geschweige denn Freiheit haben, bezweifle ich sehr stark.
    Ich bin übrigens auch etwas leid. Nämlich daß uns Legalwaffenbesitzern von Waffengegnern immer eine Unkooperativität vorgeworfen wird, nur weil wir die unsinnigen Vorschläge von uninformierten Hoplophoben ablehnen. Sollten doch mal sinnvolle und überdachte Vorschläge kommen sind wir auch bereit darüber zu diskutieren.

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  3. Nighthawk

    Hallo Herr Stahl,
    bei Ideologien geht es nicht um sachliche Diskusion. Es werden daher auch von Waffengegner keine Argumente kommen, über die sich Sportschützen auch nur Gedanken machen könnten, denn alle Vorschläge werden nur eine verschlechterung der Sporschützensituation zur Folge haben.
    Ich wüsste daher nicht, warum ich über eine Verschlechterung diskutieren sollte.

    Hallo Herr Rupp,
    ich hatte gedacht, ihr letzter Blog zum Thema Waffen hätte Sie zum Nachdenken gebracht. leider muss ich feststellen, dass Sie die Alten Forderungen nur in einem neuen Gewand wieder auf den Tisch bringen.
    Ich freue mich auch Ihnen mittzuteilen, dass es demnächst zwei weitere legale Waffen in einem Haushalt geben wird, sobald mein Antrag auf die WBK durch ist.

    MFG
    Nighthawk

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    1. Jörg Rupp Beitragsautor

      Dafür lesen wir heute erneut:
      Karlsruhe: Bei jeder vierten Kontrolle Schußwaffen ungesichert [0]
      Karlsruhe (mda) – Eine Anwältin erschoss im September mit einer Sportwaffe drei Menschen in Lörrach. Dem Vater des Amokschützen von Winnenden wird vorgeworfen, durch unsachgemäße Aufbewahrung von Waffen und Munition, den Amoklauf ermöglicht zu haben. Auch in Karlsruhe werden bei jeder vierten Waffenkontrolle Unregelmäßigkeiten festgestellt.
      Außerdem ist es so, wie es ist: ich bin dagegen, dass Waffen und Munition zusammen aufbewahrt werden. Offensichtlich weigern sich ja die Schützen, mit der Aufsichtsbehörde zusammen zu arbeiten.

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  4. Christian Stahl

    Da wird natürlich auch nur das gelesen, was in der Zeitung steht. Die Realität sieht anders aus. Ich wurde z.B. vor kurzem auch kontrolliert. Seitdem gehöre ich nun auch zu den 25%. Der Grund ist, daß ich meine Munition in einer Stahlblechkiste aufbewahrte, die an der Wand festgedöbelt war. Als Schließsyste habe ich ein Vorhängeschloss benutzt. Laut Gesetzestext muss es ein Schwenkriegelschloss oder vergleichbares Schließsystem sein. Mein altes Ordnungsamt fand dies vergleichbar. Mein neues aber nicht mehr. Auf meine Frage, was denn nun vergleichbar wäre, bekam ich zur Antwort: Das wisse man selber nicht, da müsste ich schon selbst einen Gutachter hinzuziehen.
    Das tolle ist nun, daß mir der Mann von der Behörde noch gesagt hat, daß die Sache mit dem Vorhängeschloss den Großteil aller Beanstandungen ausmacht. Ob ein Schwenkriegelschloss nun sicherer ist als ein Vorhängeschloss mag ich selbst mal bezweifeln. Hier aber von einer unsicheren Aufbewahrung zu sprechen weise ich entschieden zurück.
    Im Zeitungsartikel wird im übrigen von der Zertifizierung der Tresore gesprochen. Die Kontrolleure wissen nicht, was der Sicherheitsstufe A,B oder 0 entspricht. Sobald auf dem Typenschild keine entsprechende DIN enthalten ist, ist das Behältnis in deren Augen unsicher und nicht gesetzeskonform, obwohl es in den meisten Fällen bestimmt genau so sicher oder sogar sicherer ist als die Gesetzesforderung.
    Desweiteren werden bei den Kontrollen nur diejenigen kontrolliert, die gar nicht antworten oder wie es bei mir der Fall war, ihre Munitonskiste mit einem Vorhängeschloss gesichert haben. Es werden eben nicht generell alle Legalwaffenbesitzer kontrolliert. Sondern eben nur die, bei denen Unstimmigkeiten vorhanden sind. Sie können es ruhig mit Verkehrskontrollen vergleichen. Sie ziehen nur diejenigen raus, die durch ihre Fahrweise auffällig geworden sind. Wenn sie bei denen dann eine Trefferquote von 50% haben, sind ja auch nicht die Hälfte ALLER Autofahrer angetrunken unterwegs. Insofern kann man eben nicht von einer generellen Quote von 25% sprechen.
    Herr Rupp. Sie sollten sich also wirklich erstmal mit den Fakten vertraut machen, bevor Sie hier blind etwas nachplappern, was ein Schmierfink in einer Zeitung geschrieben hat, die eh eine vorgefertigte Meinung hat.

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    1. Jörg Rupp Beitragsautor

      Ich plappere nicht, ich zitiere. Ist ein Unterschied. ich zitier jetzt mal den Rest. Und dafür fehlt dann mal jedes Verständnis:

      Das OA hatte bereits im vorigen Jahr – damals noch unter dem Namen „Bürgerservice und Sicherheit“ (BuS) – alle Karlsruher Waffenbesitzer angeschrieben und einen Nachweis über die sichere Aufbewahrung von Waffen und Munition angefordert. Als so ein Nachweis kann ein Kaufbeleg über einen Waffenschrank dienen. Waffenbesitzer, die bisher noch nicht die sichere Aufbewahrung ihrer Waffen nachgewiesen haben, bekommen seit August unangemeldet Besuch vom OA.

      Von den etwa 5.000 Karlsruher Waffenbesitzern haben rund 3.800 diesen Nachweis bisher nicht erbracht.

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  5. Nighthawk

    Herr Rupp,

    die meisten der kontrollierten weigern sich nicht mit dem Behörden zusammen zu arbeiten. Die meisten wissen schlicht und einfach nicht über die bestehende Gestzeslage bescheid.
    Denn die, die kontrolliert wurden sind zum Großteil Altbesitzer und Erben, oder die wie von Christian Stahl schon beschrieben, bei denen die Auslegung des Gesetzes durch einen neuen Sachbearbeiter, oder auch zum Teil von fachlich einfach nicht qualifizierten Kontrolleuren geändert hat.

    MFG
    Nighthawk

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    1. Jörg Rupp Beitragsautor

      Nun, dann würd ich doch vorschlagen: Schreiben lesen, bei der Behörde nachfragen. Wer das nicht innerhalb einer bestimmten Frist macht, bekommt Waffe und Waffenbesitzkarte abgenommen und ein emfindliches Bußgeld – ich bin sicher, man wird sich informieren.

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  6. Christian Stahl

    Ja ne is klar. Wen soll man denn bitte bei der Behörde fragen, wenn die sich selbst nicht mit den Verordnungen und/oder Gesetzen auskennen? Als ich mir meine erste Munitionskiste zugelegt habe, wollte ich wissen was laut Gesetzestext vergleichbar ist. Ob eine Alukiste, wie sie bei Expeditionen eingesetzt wird auch vergleichbar ist. Die Waffenbehörde hat mich zur Polizei geschickt. Diese hat mich zum Ordnungsamt verwiesen und dieses wollte mich wieder zurück zur Waffenbhörde und Polizei schicken. Niemand hatte den Hauch einer Ahnung was vergleichbar ist. Nun kommen Sie an und zitieren hier Behördenberichte. Berichte von Leuten, die vom Waffengesetz nur wenig mehr Ahnung haben als Sie. Mir kommen vor lachen die Tränen.
    Im übrigen ist es so, daß wer die Kontrollen ohne Angabe von Gründen verweigert seine Zuverlässigkeit verlieren kann und somit eben auch seine Waffen. Ihre Forderungen werden zum Teil also schon erfüllt.
    Zur Anzahl derer die nicht geantwortet haben kann ich nur eins sagen. Auf meiner Waffenbehörde hat man mir gesagt, daß man selbst noch gar nicht genau wüsste wer alles geantwortet hat oder wer nicht genau genug geantwortet hat. Ich denke mir, warum zum Geier soll es auf dem Karlsruher Amt anders zugehen.

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    1. Jörg Rupp Beitragsautor

      Sie mögen Nebelkerzen werfen, wie sie wollen. Offensichtlich werden meine Forderungen ja derzeit nicht erfüllt. Und wenn die Behörde solche Zahlen an die Presse gibt, wird sie schon wissen, wer alles geantowrtet hat. Ihre vllt. nicht. Naja. Achso: lassen Sie das einfach mit der Munition. Dann müssen Sie sich auch keine Gedanken um die Kiste machen.

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  7. Christian Stahl

    Tja. Mittlerweile hab ich einen Schrank, in den etwas das dreifache reinpasst wie in die Kiste die ich vorher hatte. Und das beste, er ist gesetzeskonform.

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  8. Pingback: die Waffen weg!

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