der scheinheilige Pirat

Johannes Ponader

Der Versuch einer Antwort auf Johannes Ponader und seinem „Rückzug vom Amt“

Mein Name ist Johannes Ponader. Ich bin von Beruf Autor, Regisseur, Schauspieler, Theaterpädagoge. Ich bin seit 2010 Mitglied der Piratenpartei. Am 29. April 2012 werde ich zum ihrem politischen Geschäftsführer gewählt.

So beginnt der Artikel in der FAZ, indem der politische Geschäftsführer der Piratenpartei seinen Rückzug aus dem Hartz-IV-Bezug erklärt. In dem weit ausschweifenden Artikel erzählt er, wie das Jobcenter mit ihm umgeht. Er lenkt den Blick auf den Umgang der Jobcenter mit ihren Kunden. Ein Umgang, der geprägt ist von einem tiefen Misstrauen des Obrigkeitsstaates mit seinen Empfängern von Transferzahlungen und einem Obrigkeitsstaatsdenken, das davon ausgeht, dass Leistungen grundsätzlich erschlichen werden oder zumindest das jede_r potentiell tut. Eine Annahme, die Ponader entrüstet weit von sich weist. (Im übrigen kenne ich das Jobcenter hier in Karlsruhe anders. Zwar deutlich fordernd – das sieht das Gesetz schließlich vor, aber grundsätzlich hilfsbereit und auf den Menschen blickend) Er behauptet, er habe in den letzten 30 Monaten zu zwei Dritteln sein Geld selbst verdient – interessant wäre die Frage, warum er einen solche langen Zeitraum wählt und nicht das letzte Jahr oder die letzten drei Monate wählt. Sei’s drum.

Mich ärgert an diesem Artikel und dem Hype darum einiges. Da ist einerseits der Umgang mit der öffentlichen Person Ponader. Es kann nicht sein, dass seine Einkommenssituation als Leistungsempfänger transparent gemacht wird. Da hat er recht. Verlangen die Piraten aber nicht 100% Transpararenz in Bezug auf die Einnahmen auf Abgeordnete, damit man sehen kann, ob und wieviel und vor allem woher sie neben ihrer Abgeordnetentätigkeit Gelder beziehen – um Einflüsse auf die Person des Abgeordneten aufzudecken? Wie ist es mit dem Einfluss der Presse und der Medien auf die Person Johannes Ponader, wenn ein Teil seiner Einkünfte zukünftig von ihnen übernommen wird? Was kann man von ihm erwarten, damit er weiterhin attraktiv für die Medien bleiben wird? Was wird er dafür tun?

Ponader hat versucht, sein Ehrenamt bei den Piraten als politschen Geschäftsführer und seinen politischen Einfluss dazu zu benutzen, gleicher als andere Hartz-IV-Empfänger_innen in diesem Land zu sein. Ich spreche ihm nicht ab, dass es ihm frei stehen sollte, was er tut und ich bin vehementer und überzeugter Befürworter des Bedingslosen Grundeinkommens. Aber bisher gelten in diesem Land bei Bezug von Sozialleistungen ein paar Regeln, die Ponader für sich nicht gelten lassen wollte – und dass dieser Staat versucht hat, ihn daran zu erinnern, erzürnt ihn. Für ihn, der  über dem Gesetz stehende, sollte alles anders sein. Dabei musste er sich nicht wundern: in seiner Bewerbungsrede hatte er angekündigt, sich zukünftig nicht mehr um reguläre Arbeit kümmern zu wollen:

Aber ich will euch nicht nur online begegnen. Ich will in Schwerin, in Stuttgart, in Düsseldorf oder in Kiel genauso präsent sein wie im Liquid, im Mumble und im Wiki.

Ich will dort sein, wo unsere Politik entsteht. Meine berufliche Situation lässt mich vierzig Stunden und mehr wöchentlich in die Piratenpartei investieren, und das will ich tun. Vor Ort zu sein und zu vernetzen ist ein Element dessen, wie ich dieses Amt verstehe.

Anders sind diese Sätze nicht zu verstehen. Ich nehme an, es gibt Möglichkeiten, als Künstler, freischaffend, solche Touren mit Engaments zu verbinden. Aber meine ganze Erfahrung als Jobcoach sagt mir: nicht darauf ausgerichtet, den Lebensunterhalt selbst zu bestreiten. Johannes Ponader hat versucht, für sich ein BGE durchzusetzen. Als er merkt, dass ihm das nicht gelingt, das das Jobcenter diesem Treiben nicht kommentarlos zusehen wird, verabschiedet er sich aus dem System. Mithilfe von Fernsehgeldern und der Hilfe von Freunden will er zukünftig unabhängig leben. Das ist ehrenhaft – aber sollte man von einem politischen Geschäftsführer einer Partei nicht erwarten können, dass er sich einsetzt? Dass er vor Gericht zieht und sich die Erlaubnis, ehrenamtlich Geschäftsführer im Vollerwerb zu sein, durchklagt – bis hin zum BVerfG? Was könnte er nicht erreichen für alle anderen Ehrenamtlichen in diesem Land, die gerne ganztags Tiere pflegen würden, sich um Alte kümmern würden, die von den Pflegeheimen nicht bezahlt werden können, von Omas, die die fehlende KiTa-Struktur ersetzen, für Menschen, die Kulturstätten pflegen und das nur unter großem Einsatz in ihrer Freizeit und viele mehr? Nein, das will er nicht, der Johannes Ponader. Ihm geht es um sich und ihm geht es um eine Kampagne, die ihn als Opfer des Systems darstellt. Das generiert neue Einladungen zu Talkshows, sodass sein Lebesuterhalt gesichert ist (vielleicht) und das sichert der Piratenpartei Aufmerksamkeit in Hinblick auf diejenigen, die sich für das BGE einsetzen. Wenn es denn so wäre. Eigentlich ein Versuch, die Öffentlichkeit hinter’s Licht zu führen, ein Beitrag zu mehr Politikverdrossenheit – wenn Politiker versuchen, sich Sonderrechte zu genehmigen.

Und zu guter Letzt: die Piratenpartei geniert sich nicht, die Menschen, die für sie arbeiten, nicht oder nicht anständig zu entlohnen. Die Stelle der Bundessprecherin wurde als Teilzeitstelle für 800 € ausgelobt. Dabei ist jedem, der über die Ausgestaltung einer solchen Stelle nachdenkt, völlig klar, dass dies bedeutet, dass Mehrarbeit – unbezahlt – anfällt – in der Stellenbeschriebung als zeitliche Felexibilität ausgewiesen. Keine 5 € brutto erhält man für diese anspruchsvolle Stelle, legt man eine zu erwartende 40-Stunden-Woche zugrunde. Auch Ponader war sich seiner zeitlichen Belastung bewusst, wie seiner Bewerbungsrede zu entnehmen ist. Natürlich ist es für eine junge Partei schwer, solche Ämter zu bezahlen. Allerdings muss man fragen, warum sie es sich dann leisten möchten, lediglich 48 € Jahresbeitrag zu verlangen – als 4 € im Monat und von einem erheblichen Anteil (42%) an Mitgliedern erst gar keine Beiträge zu erheben. Wie können sie es sich da leisten, von ihren Abgeordneten keinen angemessenen Beitrag an den Diäten der Partei zuzuführen – bei uns sind das in Baden-Württemberg 10,5%, die von den MdLs bekommen. Zusätzlich geben viele Abgeordnete noch Gelder an die Kreisverbände, von unseren 11 MdBs aus Baden-Württmebrg finanzieren neun das ehemalige Abgeordnetenbüro des MdB Till Seiler, der sein Mandat ja letztes Jahr niedergelegt hat, um die Arbeitsstelle einer Mitarbeiterin zu erhalten.

Wie kann also mit diesen Voraussetzungen diese Partei einen Mindestlohn verlangen, wenn sie selbst entweder Dumpinglöhne bezahlt oder die Menschen, die für sie arbeiten gar nicht – und dann erwarten, dass sie sich entweder selbst ausbeuten wie beim Beispiel Pressesprecher oder gar erwarten, dass der Steuerzahler in Form der Grundsicherung die Leistungen übernimmt, die sie und ihre Mitglieder selbst nicht bereit sind zu leisten?

Als Sozialpolitiker kann ich nur den Kopf schütteln über soviel Dreistigkeit. Ich kann eine Partei, die ernsthaft sozialpolitische Ziele verfolgt, sich als Vorreiterin für das BGE oder Mindestlohn einsetzt, an diesem Punkt nicht ernst nehmen. Die Piratenpartei hat zum heutigen Tag genügend Abgeordnete, um Herrn Ponader ein seiner Tätigkeit angemessenes Gehalt zu bezahlen. Und er sollte sich, anstatt sich aus dem System zu flüchten und die Auseinandersetzung zu scheuen, entweder gerichtlich mit dem Jobcenter auseinandersetzen – oder von seiner Partei einen fairen Lohn für seine nicht zu verachtende Arbeit verlangen. Alles andere ist nicht mehr als eine Kampagne, die für mich an Verlogenheit fast nicht mehr zu überbieten ist und allen die Verantwortung für seine Situation zuweist, die aufgrund der Gesetzeslage nichts dafür können. Seine eigene Verantwortung – nun, über die sollte man sprechen.  Mit dieser Kampagne hat sich für mich die Piratenpartei als ernst zu nehmender Partner bei den notwendigen Reformen im Arbeits- und Sozialrecht verabschiedet.

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13 Gedanken zu „der scheinheilige Pirat

  1. Tante Jay

    Herr Rupp, unabhängig davon, dass ich Herr Ponader auch nicht mag (ich halte den für ne Drama-Queen): Er hat recht, was die menschenunwürdige Behandlung angeht.

    Sind sie wirklich mal mit offenen Augen als Jobberater an die Anforderungen gegangen, die an die Leute gestellt werden? Mal überlegt, ob das alles wirklich so richtig ist, was da gemacht wird? Wie mit den Menschen umgegangen wird?

    Es kann und darf zu keiner Zeit sein, dass aus reiner Lust am Zerstören das Sozialgeheimnis verletzt wird. Dass das aber so frei und offensichtlich ohne jegliches Problembewußtsein gemacht wurde zeigt doch eigentlich nur eins: Die Mitarbeiter der Arge, die dort tätig sind achten die Gesetze nicht.

    Und anstatt jetzt den Finger auf den Herrn Ponader zu zeigen und diese Verletzung des Sozialgeheimnisses zu thematisieren wird ein „selbst schuld, ihr Piraten seid doch gerne so transparent“ gepullt.

    Herr Rupp, DAS ist Heuchelei. Und dass sie das auch wissen kann man aus den verquasten Sätzen, mit denen sie den Dreh in Richtung „Scheinheilig“ noch bekommen wollen, ziemlich deutlich sehen.

    Dann die Frage: Warum haben sies geschrieben?

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    1. Jörg Rupp Beitragsautor

      In seiner Pauschalität hat er eben nicht recht. Es gibt solche und solche Leute auf den Jobcentern. Grundsätzlich kritisiere ich aber dasObrigkeitsdenken ebenfalls und habe doch, denke ich, klar zum Ausdruck gebracht, dass ich mir auch was anderes wünsche respektive mich dafür einsetze – zu letzt beim grünen Sozialkongress am letzten Wochenende.
      Ich finde die Transpararenzfrage an diesem Punkt durchaus für angebracht – das zu der Frage, warum ich es gebloggt habe. In meinem Anspruch, dass man nur das fordern sollte, was man selbst auch zu leisten bereit ist, muss ich feststellen, das für mich das eine ganz große Frage der Glaubwürdigkeit ist. Die Piratenpartei fordert immer wieder mehr Transparenz, gerade was die Verwendung von Geldern angeht. Es schwingt immer ein „ihr seid ja eh alle korrupt“-Ton mit – aber mit REcht wird von ihnen und auch von uns die Forderung nach mehr Transparenz erhoben, damit klar wird, welche Abhängigkeiten bestehen. Aber das gilt geanz genau so für den politischen Geschäftsführer einer Partei, deren klares Ziel ist, in den Bundestag gewählt zu werden – wenn er Gelder von woanders her erhält, als von der Partei. Das ist für mich der Punkt.

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      1. Tante Jay

        Herr Rupp, nochmal:

        Sie bemängeln, dass Herr Ponader sich darüber aufregt, dass das Jobcenter Details aus seiner Akte preisgibt und sticheln in Richtung Transparenzgebot der Piraten.

        Und sie laufen damit Volldampf voraus in die Boulevard-Falle.

        Das Transparenzgebot hat ja keiner irgendwie in Frage gestellt, auch nicht Herr Ponader. Aber meinen sie nicht, dass es Sache von Herrn Ponader gewesen wäre, diese Transparenz herzustellen und nicht zwangsweise behördlich angeordnet?

        Wenn er etwas nicht von sich aus transparent macht, kann man das kritisieren und sagen: „OK, hier misst jemand mit zweierlei Maß“. Aber wenn DRITTE hingehen und die Details öffentlich machen und dann süffisant auf „Transparenz“ hinweisen ist das pures Mobbing. Nicht mehr und nicht weniger. Und Stuttgart hat sich da unterirdisch verhalten.

        Das fiel unter den Datenschutz. Punkt. Aus. Ende. Und hat nicht in einer Pressekonferenz verbreitet zu werden. Punkt. Aus.Ende.

        Wärs jemand anders als Herr Ponader gewesen, dann wäre der Aufschrei groß gewesen. So aber zucken alle mit den Schultern und sagen „wieso? Bist doch Pirat, wo bleibt die Transparenz?“

        Sie sehen, was falsch gelaufen ist?

        Und aus einem System herauszugehen ist ein probates Mittel um das System möglicherweise zu ändern.

        Und was die Verteidigung der Jobcenter angeht: Wenn die wirklich so einen guten Job machen, wieso halten sie dann „ichgehmit“ für eine nette Aktion?

        Man braucht das doch nicht, wenn die Jobcenter ordentlich arbeiten?

        Oder sollte an den Zahlen der erfolgreichen Widersprüche etwas dran sein?

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        1. Jörg Rupp Beitragsautor

          Ich sage doch, dass ich das kritisch sehe – und Sie haben recht, ich stichele etwas. Ist ein erlaubtes Mittel in einer Debatte 🙂 Für mich ist es aber das selbe: Piraten wollen auch Transparenz anderen aufzwingen (mit allem REcht!) – aber dann gilt das auch für sie. Es ist druchgängig – Ponader und seine Piraten (ich enn auch andere, pauschaliere hier also nicht) betrachten sich offenbar als gleicher als andere – oder sakrosant ud über jeden Zweifel und Verdacht erhaben…
          Wie in allen Dingen, das habe ich differenziert dargestellt, gibt es solche und solche. Die, die ich auf den Jobcentern kenne, sien hilfsbereit. Und oft auch selbst in einer prekären Situation mit der Behandlung von 600 Fällen, mit einem Zeitvertrag, von dem sie nicht wissen, ob er sich verlängert. Wissen Sie – da sitzen auch Menschen.

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          1. Tante Jay

            Das GILT für alle. Richtig. Aber dennoch gehört Herr Ponader für das Verhalten der ARGE verteidigt und nicht noch eine Schippe draufgelegt.

            Denn am Umgang mit Herrn Ponader muss man die ARGE messen. Wenn die mit Personen des öffentlichen Lebens schon so umgeht, wie ist das mit der breiten Masse, die recht ungeschützt ist?

            Der Datenschutz ist ein hohes Gut, was immer mehr unter die Räder gerät – das Jobcenter darf damit nicht durchkommen, ganz einfach.

            Ich habe mehrere Jahre im (damaligen) Sozialamt gearbeitet, ich habe nach wie vor Kontakt zu den Kollegen in den Jobcentern und ich weiß wie schlimm die Situation für die Menschen dort ist.

            Aber das dann an den Hilfesuchenden auszulassen ist nicht richtig. Und darf auch nicht entschuldigt werden.

            Was jetzt der Umgang der Piraten mit der Transparenz angeht: Kritiken sind in Ordnung und notwendig. Wenn ein Pirat meint, er könnte sich ausklinken, weil er bestimmte Meriten verdient hat, muss man das kritisieren.

            Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass es nicht Sache des Jobcenters ist, das publik zu machen.

            Und da bin ich echt beinhart. 😉

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  2. aXXL

    Schon selbst mal längere Zeit arbeitslos gewesen, Herr Rupp? Schon mal Inkompetenz überforderter Sacharbeiter erlebt, deren Entscheidungen existenziell sein können?

    Ich wundere mich ein wenig, das „Ihr Grünen“ ständig Eure eigenen frühen Auswüchse vergesst und nun auf denjenigen rumhackt, die es besser machen wollen als es Euch bisher gelingen konnte.

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    1. Jörg Rupp Beitragsautor

      Was hat das denn mit dem zu tun, was ich schrieb? Ich kenne beide Seiten und arbeite seit mehr als 4 Jahren in der Vermittlung von Menschen mit einfachen und multiplen Vermittlungshindernissen. Ich weiß in diesem Bereich schon, wovon ich schreibe. Aber darum geht es hier nicht. Es geht mir um die Instrumentalisierung der Betroffenen durch Herrn Ponader und die Piraten. Anstatt zu versuchen, etwas zu ändern, geht man aus dem System raus. Das ist eine gute Lösung für einen privaten Menschen, sodenn er das kann. Für einen Politiker ist das ein Armutszeugnis.

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  3. Andre Kasper

    Der Artikel ist grauenhaft. Beispiele:
    1. Ponnader ist kein Abgeordneter. Entsprechend gibt es keinen Widerspruch zu der Piratenforderung deren Bezüge offen zu legen. Hier blickt der Berufspolitiker und bekommt es nicht mit.
    2. Es wird unterstellt, dass seine Aussage er wäre Mobil und könnte 40 Stunden in der Woche für die Piratenpartei aufbringen bedeuten würde, er würde nicht arbeiten gehen wollen. Auch dies ist falsch (er hat sogar bald wieder eine Stelle). Er ist eben Freiberufler der Projektarbeit macht. Die Unterstellung ist unsachlich. Die meisten Piraten die bei uns richtig aktiv sind arbeiten täglich 6-8 Stunden (meist von 18 Uhr bis ca.2 Uhr.. schau mal im Mumble, wenn Du es nicht glaubst.. ) Dazu kommen noch Wochenenden und co.. Es schneidet sich überhaupt nicht mit Regulärer Arbeit.
    3. Es wird von Sonderrechten geredet die er für sich beansprucht. Auch dies ist nicht zutreffend. Er kritisiert sehr deutlich was das Jobcenter getan hat und wie es geltendes Recht gebrochen hat. Mehr hat er nicht gefordert. Wenn doch wo ?!
    4. Es wird völlig unreflektiert in Frage gestellt, ob eine Partei niedrige zutrittshürden haben kann. Es ist für Rupp selbstverständlich, dass politische Ämter bezahlt werden müssen. Man merkt wie weltfremd die Grünen hier geworden sind. Insbesondere bekommt er nichtmals mit, dass die grünen selbst nicht jeden der irgendein Amt hat bezahlen. Parteiarbeit ist ehrenamtliche Arbeit. Das ist für die grünen inzwischen offensichtlich unvorstellbar. Wenn man den Artikel liest, fragt man sich, ob Herr Rupp lediglich verärgert ist, dass er für seine Arbeit für die Partei soviel Geld bezahlen soll. Die Selbstverständlichkeit mit der die Diäten der Abgeordneten nicht für diese, sondern für die Parteien gedacht sind lässt ebenfalls große Fragezeichen aufploppen… Man kann daraus im Grunde lesen, dass die Abgeordneten Diäten per Definition 10 % über einer angemessenen Bezahlung liegen. Irgendwie ist es denkwürdig., dass Abgeordnete die Partei für Ihre Posten bezahlen sollen… und wer nicht zahlt fliegt raus ? OMG…. Die Grünen waren mal sympathischer..

    Insgesamt habe ich den Eindruck Herr Rupp versucht hier lediglich gegen die Piraten zu hetzen. Er als Sozialpolitiker wäre seit Jahren dafür verantwortlich die Missstände zu beseitigen. Ihm ist keine solch Aufsehenerregende Presseberichterstattung gelungen. Ihm ist es nicht gelungen die Debatte anzustoßen… Kein Wunder.. rot/grün ist für die herrschenden Zustände mitverantwortlich. Wer macht sich schon ins eigene Nest ?!

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    1. Andre Kasper

      [Der Beitrag ist einfach nur aus einem Facebook Kommentar zu dem Artikel kopiert, wunder euch bitte nicht über die seltsamen Perspektiven]

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    2. Jörg Rupp Beitragsautor

      Naja, grauenhaft ist aber ein sehr vernichtendes Urteil Grauenhaft ist allenfalls der Stern-Online-Artikel zum selben Thema, der weitaus ungnädiger mit Ponader umgeht wie ich.
      1. Ponader ist kein Berufspolitiker, weil er seine Rechte den Piraten gegenüber nicht einfordert. Er ist allenfals bis heute kein Mandatsträger. Aber auch „nur“ Berufspolitiker unterliegen hoffentlich dem Transparenzgebot? Ponader ist ein zentraler Repräsentant auf Bundesebene. Insofern wäre gut zu wissen, wer auf ihn Einfluss nimmt.
      2. Für mich ist klar, dass „40 Stunden und mehr“ mit tw. Nachtarbeit nicht mit einem regulären Job zu vereinbaren sind. Und darum geht es dem Jobcenter. Ich rede hier zunächst mal über Recht und Gesetz. Ponader steht mit der Übernahme des pol. Geschäftsführers dem Arbeitsmarkt nicht mehr zur Verfügung. Nicht so, wie er es wahrnimmt. Insofern erlischt sein Anspruch auf ALG II. Wie gesagt, gäbe es ein BGE, wäre alles in Ordnung. Aber das gibt es nicht.
      3. Er fordert, dass er weiterhin sein ALG bezieht, nach seiner Gestaltung. Immer wenn er zuviel für die Piraten macht, muss der STeuerzahler ran. Das sind Sonderrechte.
      4. Wir Grünen wissen, dass profesionelle Parteiarbeit nicht ohne fest angestellte Menschen zu machen ist – auf verschiedenen Ebenen. Wir waren schon immer der Meinung, Abgeordnete sollten nicht mehr als ein Facharbeiter beziehen – und sie sollten dahin etwas zurück geben, woher sie gekommen sind. Die Partei macht den Wahlkampf, bezahlt ihn. Viele ehrenamtliche Menschen tun das. Wie in jeder Partei. DAs ist bei Grüns nicht anders als bei den Piraten. Mit derselben Selbstverständlichkeit refinanzieren Abgeodnete aber durch Spenden die parteiarbeit, damit all das überhaupt möglich ist. War bei uns schon immer so. Und ich ärgere mich nicht über meinen Mitgliedsbeitrag. Ich arbeite ehrenamtlich für die Partei und spende sogar noch was. Aber das neben einem Brotjob, nicht neben dem Bezug einer Grundsicherung.

      Wie immer, wenn man Piraten kritisiert, fühlen sie sich „verhetzt“, „gebashed“. ÜPiraten stehen in der politischen Konkurrenz und müssen sich Kritik gefallen lassen. Sie selbst sparen ja auch nicht mit Kritik an anderen – Parteien und Parteimitgliedern. Und ob Herr Ponader irgend etwas ändert? Gerade ja nicht, da hat er ja kein Interesse dran – das ist ja auch mein Vorwurf. Er geht aus dem System und beleidigt all die, die für etwas anderes kämpfen. „Ichgehmit“ ist eine nette Aktion – aber bitte: wenn Menschen ohne Ahnung einfach so mit zum Amt gehen – glaubt irgendwer, dass sich da was ändert? Irgendwann erwarte ich von den Piraten, dass sie erkennen, dass sie keine Bewegung sind – sondern eine Partei.

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      1. Andre Kasper

        Zu1:
        Sie haben das mit der Transparenz nicht verstanden. Jeder Volltrottel darf in einer Partei Mitglied sein. Auch in Ihrer Partei, werden Ihnen sicherlich einige Leute einfallen, bei denen Sie sich fragen, wie diese zu Ihnen gefunden haben. Das ist Teilnahme an der Willensbildung. Ein Parteimitglied, egal mit welcher Funktion innerhalb einer Partei, hat keine Verantwortung den Bürgern gegenüber übernommen. „Berufspolitiker“ ist auch nicht das Kriterium. Das Kriterium ist Abgeordneter. Jemand der gewählt wurde. Jemand der in der Politik Bürger vertritt ist diesen Rechenschaftspflichtig und die Bürger müssen über diese Person vollumpfänglich informiert sein. Insbesondere eben auf wessen Gehaltslisten er steht. Wie bereits gesagt, haben Sie hier das Programm nicht hinreichend gelesen, oder verstanden. Wie ebenfalls gesagt, halte ich Ihre Positionierung hierzu für ziemlich rückständisch. Wo sind die Progressiven Grünen von damals ?

        Zu 2.:
        Es ist erstaunlich mit welcher Arroganz Sie sich weigern die Realität anzuerkennen. Wie gesagt: Schauen Sie im Mumble der Piraten nach und zählen Sie die Stunden der dort Vollzeit berufstätigen Piraten, die genau das tun. Sie sagen „das ist unvereinbar“. Ich sage: Stimmt nicht. Wir haben viele Piraten die genau dies tun, und zwar schon sehr lange. Ihre Haltung wirft für mich aber auch hier eine Menge Fragen auf. Wieviel Zeit ist denn Ihrer Meinung nach „vereinbar“ ? Wie lange „darf“ Mensch sich denn Ihrer Meinung nach neben Seinem 42 Stunden Job noch engagiert in die Politik einbringen ? Und insbesondere: Wieviel engagiert sind Sie persönlich denn neben dem Beruf ?
        Sie schreiben Sein Anspruch auf ALG2 würde erlischen. Eine für mich unfassbare Haltung. Ab wieviel Ehrenamtlicher Tätigkeit statt Zuhause vorm Fernseher zu sitzen erlischt denn dieser Anspruch in Ihren Augen ? Für mich erlischt er dann, wenn der Mensch einen anderen Job nicht mehr machen kann/will. Dies trifft auf Ponader aber eben gar nicht zu. Er hat bereits wieder das nächste Projekt.

        3. Er fordert, dass er regulär ALG2 nach geltendem Recht bezieht. Es gibt Gesetze. Solange er sich in diesen bewegt, und das tut er, hat er auch einen Anspruch darauf. Das ist sein Recht. Herr Ponader ist niemand der dem Sozialstaat auf der Tasche liegt, sondern jemand, der in der Theater-Szene Freiberuflich arbeitet und immer wieder Projekte macht. Seine Jobcenter Betreuer hielten auch genau deshalb, weil er eben immer wieder Arbeit findet von der er selbst leben kann, keine „Qualifizierungsmaßnahmen“ für angemessen. Diese wurden im konkreten Kontext eben auch nicht gefordert, weil er nicht genügend Qualifiziert ist, oder weil er keine Arbeit sucht, sondern weil sie ganz gezielt politisch als Repressionsmaßnahme gegen ihn eingesetzt werden sollten. Von oben herab ohne den Fall zu kennen aufdiktiert. Sie machen Sozialpolitik ? Und finden das in Ordnung ? Diese Maßnahmen sind da, um Menschen wieder zurück in den Arbeitsmarkt zu helfen. Nicht um sie zu schikanieren. Wenn mir ein Sozialpolitiker sowas schreibt wird mir ganz schwindelig. Nein. Das ist nicht in Ordnung. Auch wenn er Ihr politischer Gegner ist, hat Herr Ponader die gleichen Rechte, wie jeder andere auch. (Und ja, ich kritisiere unsinnige „Fortbildungsmaßnahmen“ die lediglich den Zweck haben dieStatistiken zu verbessern oder die Menschen zu schikanieren bei JEDEM und nicht nur bei Ponader.)

        Zu 4.:
        Die Grünen funktionieren völlig anders als die Piraten. Hier ist es eben nicht so, dass die Basis den Wahlkampf macht, und sonst nix zu melden hat. Hier werden Programme und Inhalte nicht von oben herab eingereicht. Schauen Sie sich die Protokolle der Parteitage an. Sie übertragen Ihre fragwürdigen internen Parteistrukturen auf die Piraten, ohne zu hinterfragen, dass es sich um völlig andere Strukturen handelt.Es gibt diese „Hauptamtlichen Politiker“ für die Piraten nicht. Man will diese Hierachien auch gar nicht haben. Ich lade Sie hier herzlich ein sich die Piratenpartei mal genauer anzusehen, sich mit den internen Strukturen und Arbeitsweisen vertraut zu machen. Lesen Sie Protokolle, nehmen Sie an Sitzungen in Mumble teil, diskutieren Sie mit… und zwar solange bis Sie verstanden haben, wie die Piraten funktionieren und verstanden haben, dass Sie bei den Grünen völlig anders miteinander arbeiten.

        Zum Rest:
        Natürlich müssen Piraten sich kritik gefallen lassen. Das ist völlig richtig. Aber unsachlicher und inhaltlich belegbar falscher Kritik darf und sollte entgegnet werden. Piraten gehen sogar noch viel weiter.. sie kritisieren nicht nur andere Parteien, sondern auch ganz massiv sich selbst gegenseitig. Diese Pseudo-Geschlossenheit, die nichts anderes ist als ein Maulkorb für jeden, der den etablierten Politikern nicht nachplappern mag ist langfristig Kontraproduktiv. Wenn bei den Piraten wer einen Fehler macht, bekommt er ein offenes nachvollziehbares Feedback. Hier kann man deutlich besser mit Kritik umgehen, als in manch anderen Parteien. Insbesondere darf hier Kritik geäussert werden und man setzt sich damit auseinander. Piraten sind keine Parteisoldaten.

        „Ichgehmit“ ist sinnvoll und wichtig. Schon allein um einen Zeugen für die ungeheuerlichen Vorgänge im Amt zu haben, um sich dagegen wehren zu können. Denn wem glaubt man schon ?! Dem Jobcentermitarbeiter oder dem Arbeitslosen ? Ich bin entsetzt, dass Sie sich selbst Sozialpolitik auf die Fahnen geschrieben haben. Was Sie von sich geben zeigt mir persönlich, dass Sie ziemlich wenig von dem, was in den Jobcentern passiert wirklich mitbekommen geschweige denn ein Problembewusstsein haben. Das ist ein allgemeins Problem in der Politik. Leute reden ohne zu wissen worüber und ohne hinreichend vernetzt zu sein um durch den direkten Draht zu den Betroffenen die Sorgen und Nöte zu verstehen. Es wundert mich wenn ich Ihre Aussagen lese in keinster Weise, dass die grüne Partei den HartIV Gesetzen zugestimmt hat.

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        1. Jörg Rupp Beitragsautor

          Sie wiederholen ja lediglich ihren ersten kommentar. Sie kennen auch offenbar die Gesetzeslage nicht und haben ganz offensichtlich ein anders Verhältnis zur Frage der Transparenz und ganznoffenbar ist es Ihnen völlig egal, wer wie Einfluss auf Ihren politischen Geschäftsführer nimmt. Nun, sei’s drum, ihre Sache.
          Aber ein letzter Punkt: Sie schreiben:

          Die Grünen funktionieren völlig anders als die Piraten. Hier ist es eben nicht so, dass die Basis den Wahlkampf macht, und sonst nix zu melden hat. Hier werden Programme und Inhalte nicht von oben herab eingereicht.

          Sie haben offenbar überhaupt keine Ahnung, wie grüne Programmentwicklung bzw. Basisdemokratie vor sich geht. Aber Sie können ja lesen. Die Idee, dass die Piraten basisdemokratisch sind, steht eh zur Debatte. Bei den Strukturen. Aber das ist ein anders Thema.

          Die „ungeheurlichen“Vorgänge auf den Ämtern…ich WEI?, was in Jobcentern vor sich geht, denn ich arbeite mit Menschen aus den Jobcentern zusammen. Und auch hier steht meine differenzierte Sicht, die sie mit keiner Sekunde auch nur wahrnehmen wollen, im Beitrag. Was Sie hier abliefern, ist ein typischer Piratenkommentar. Daher beende ich die Debatte hier. Die dreht sich jetzt schon im Kreis.

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  4. hajo

    „Antwort auf … seinem ‚Rückzug….“ ???
    ja is klar, der akkusativ wurde zugunsten des dativ eingespart ;))

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